Lam­pard will das Lo­ser-Image lö­sen

Os­na­brücks Part­ner­stadt Der­by hat bald viel­leicht wie­der ei­nen Fuß­ball-Erst­li­gis­ten

Bersenbrucker Kreisblatt - - REGIONASAM­STAG,SPORTL - Von Hen­drik Buch­he­is­ter

DER­BY Als der größ­te Er­folg sei­ner noch jun­gen Kar­rie­re als Trai­ner fest­stand, tat Frank Lam­pard so, als wür­de er wei­nen, und um das zu ver­ste­hen, muss man ein biss­chen aus­ho­len. Der lang­jäh­ri­ge Pro­fi des FC Chel­sea trai­niert seit die­ser Sai­son den Zweit­li­gis­ten Der­by Coun­ty in der gleich­na­mi­gen eng­li­schen Part­ner­stadt von Os­na­brück.

Im Ja­nu­ar hat­te sich vor der Par­tie bei Leeds Uni­ted ei­ne viel be­ach­te­te Spio­na­ge-Af­fä­re zu­ge­tra­gen. Ein Mit­ar­bei­ter von Leeds-Trai­ner Mar­ce­lo Biel­sa hat­te das Trai­ning von Der­by be­ob­ach­tet, an­geb­lich aus ei­nem Ge­büsch her­aus. Er wur­de ent­deckt, Leeds muss­te 200 000 Pfund Stra­fe zah­len,

Ge­ra­de sind die Teams wie­der auf­ein­an­der­ge­trof­fen, in den Play­offs um den Auf­stieg in die Pre­mier Le­ague, an de­nen in je­dem Jahr die Mann­schaf­ten auf den Rän­gen drei bis sechs der Zweit­li­ga-Ab­schluss­ta­bel­le teil­neh­men. Die Leeds-Fans fei­er­ten den 1:0Sieg im Hin­spiel mit ei­nem Ge­sang, der auf den Spio­na­ge-Skan­dal und Lam­pards an­geb­li­che Dünn­häu­tig­keit an­spiel­te. Das Lied en­de­te mit der Zei­le: „Stop crying, Frank Lam­pard!“Hör auf zu wei­nen, Frank Lam­pard!

Der Spott wur­de al­ler­dings zum Bu­me­rang für Leeds, denn Der­by ge­wann das Rück­spiel 4:2 und zog da­mit in das Fi­na­le um den Auf­stieg am Mon­tag im Wem­bley-Sta­di­on ge­gen As­ton Vil­la ein. Nach dem Schluss­pfiff der Par­tie in Leeds fei­er­ten Der­bys Spie­ler, in­dem sie in der Ka­bi­ne das Lied des Geg­ners in­to­nier­ten. „Stop crying, Frank Lam­pard!“, san­gen sie, na­tür­lich im Spaß.

Der 40 Jah­re al­te Lam­pard, der mit sei­nem wei­ßen Hemd und sei­nem An­zug auch als Im­mo­bi­li­en­mak­ler oder Ban­ker durch­ge­hen wür­de, hat zu die­ser Sai­son das be­que­me Le­ben als TVFach­mann ein­ge­tauscht ge­gen ei­nen Job, des­sen Ri­si­ken schwer zu kal­ku­lie­ren wa­ren. Der­by Coun­ty spielt seit 2008 in der Zwei­ten Li­ga. Da­mals war die Mann­schaft der schlech­tes­te Ab­stei­ger in der Ge­schich­te der Pre­mier Le­ague mit nur elf Punk­ten. Der Ne­ga­tiv-Re­kord gilt im­mer noch, selbst Hud­ders­field Town war in der ab­ge­lau­fe­nen Spiel­zeit bes­ser und kam im­mer­hin auf 16 Punk­te.

Der­by hat seit­dem viel Geld in die Hand ge­nom­men, um in die Pre­mier Le­ague zu­rück­zu­keh­ren, der Ver­ein hat ver­schie­de­nen Trai­ner­ty­pen ver­traut, er­fah­re­nen Leu­ten, Män­nern aus dem ei­ge­nen Ver­ein, Trai­nern mit ei­ner Ver­gan­gen­heit im Aus­land – doch im­mer schei­ter­ten die Rams (die Wid­der). Am knapps­ten war es 2014, als das Fi­na­le um den Auf­stieg ge­gen die Queens Park Ran­gers ver­lo­ren ging. Der­by hat sich so ein so­li­des Lo­ser-Image er­ar­bei­tet.

Lam­pard un­ter­nimmt in die­ser Sai­son den nächs­ten Ver­such, mit ei­nem deut­lich ver­jüng­ten Ka­der und ei­ni­gen ta­len­tier­ten Leih­spie­lern von Chel­sea oder dem FC Li­ver­pool. Die Spiel­zeit ver­lief al­les an­de­re als stö­rungs­frei, zwi­schen­zeit­lich rutsch­te die Mann­schaft auf den ach­ten Platz ab, doch durch ei­nen star­ken End­spurt si­cher­te sie sich Rang sechs. Der Sieg im Halb­fi­nal-Rück­spiel in Leeds war – ne­ben ei­nem Er­folg im Li­ga­po­kal bei Man­ches­ter Uni­ted im Elf­me­ter­schie­ßen – Lam­pards bis­her größ­tes Werk als Der­by-Trai­ner. Ge­gen As­ton Vil­la soll sein Meis­ter­stück fol­gen.

Das Fi­na­le um den Auf­stieg gilt grund­sätz­lich als das viel­leicht lu­kra­tivs­te Spiel im Sport über­haupt, weil die Teil­nah­me an der Pre­mier Le­ague um­ge­rech­net mehr als 190 Mil­lio­nen Eu­ro brin­gen wür­de. Ei­ne in­ter­es­san­te Rand­no­tiz: CoTrai­ner bei Geg­ner As­ton Vil­la ist Lam­pards al­ter Chel­sea-Kum­pel John Ter­ry.

Wie schon ge­gen Leeds ist Der­by auch in die­ser Par­tie Au­ßen­sei­ter. Doch der Ver­ein wä­re durch­aus ei­ne Be­rei­che­rung für En­g­lands Lu­xus­li­ga. Er hat ei­ne lan­ge Ge­schich­te, war in den 1970ern zwei­mal Meis­ter und kann sich auf ei­nen treu­en An­hang ver­las­sen. Mit fast 27 000 Fans pro Spiel kommt Der­by in der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son auf ei­nen bes­se­ren Zu­schau­er­schnitt als sechs Ver­ei­ne der Pre­mier Le­ague.

Ob Lam­pard lang­fris­tig der Mann ist, der Der­by wie­der im Ober­haus eta­bliert, ist un­klar. Der Club ist für ei­nen der bes­ten eng­li­schen Fuß­bal­ler der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te ein Sprung­brett, der Ein­stieg in ei­ne Kar­rie­re nach der Kar­rie­re. Lam­pard gilt als Kan­di­dat, ir­gend­wann als Trai­ner zum FC Chel­sea zu­rück­zu­keh­ren. Vor­erst möch­te er es aber erst mal dem Ver­ein aus Der­bys deut­scher Part­ner­stadt gleich­tun – und wie der VfL Os­na­brück auf­stei­gen.

Sie wol­len hoch: Der­by Coun­ty mit Trai­ner Frank Lam­pard (gr. Bild, mit Ab­wehr­chef Richard Keogh) und Ka­pi­tän Ma­son Ben­nett (oben rechts) möch­te in die Pre­mier Le­ague. Fans und Sta­di­on sind be­reit. Fo­tos: im­a­go images( PA Images/2, Fo­cus Images/2), Gra­fik: Neue OZ/Hen­te

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