Be­reit, es mit Gro­ßen auf­zu­neh­men

Eis­ho­ckey: Sei­der ge­nügt es in Zu­kunft nicht, Teams wie Tsche­chi­en nur her­aus­zu­for­dern

Bersenbrucker Kreisblatt - - SPORSAMSTA­G,T - Von Mi­lan Sa­ko

BRA­TIS­LA­VA Man kann es kaum glau­ben, dass der Bur­sche erst 18 Jah­re alt ist. Mo­ritz Sei­der steht schweiß­ge­ba­det im Bauch der Ond­re­jNe­pe­la-Are­na von Bra­tis­la­va und er­klärt in druck­rei­fen Sät­zen die deut­sche Eis­ho­ckey-Welt. Die ist nach dem 1:5 der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft im WM-Vier­tel­fi­na­le ge­gen die Tsche­chi­sche Re­pu­blik zwar kurz­zei­tig nicht ro­sa­rot, doch auch da­für fin­det der Ver­tei­di­ger die pas­sen­den Wor­te: „Wir ha­ben es den Tsche­chen über 50 Mi­nu­ten schwer ge­macht. Dann wa­ren wir hin­ten zu in­kon­se­quent und woll­ten vie­les spie­le­risch lö­sen und ha­ben ih­nen Frei­fahrt­schei­ne ge­ge­ben.“

Zwei Drit­tel lang hiel­ten die Deut­schen, die durch Frank Mau­er die 1:0-Füh­rung des zwölf­fa­chen Welt­meis­ters aus­gli­chen, of­fen. Es wä­re lo­cker ein Sieg drin ge­we­sen. Doch nach dem 2:1 durch Tsche­chi­ens Ka­pi­tän Ja­kub Vor­acek ver­lor die Mann­schaft von Bun­des­trai­ner To­ni Sö­der­holm den Fa­den. „Wir al­le woll­ten den gro­ßen Traum wahr wer­den las­sen. Aber wir ha­ben zu viel zu­ge­las­sen“, mein­te Ver­tei­di­ger Sei­der.

Am Tur­nier-En­de bleibt den­noch ein po­si­ti­ver Ein­druck, wie nicht nur Sei­der er­zählt: „Das war die ers­te WM von To­ni. Wir sind als Ein­heit su­per zu­sam­men­ge­wach­sen. Das hat man von drau­ßen se­hen kön­nen.“Konn­te man, denn an­ders als in den Vor­jah­ren be­schränkt sich die Aus­wahl des Deut­schen Eis­ho­ckey-Bun­des nicht auf die ur­deut­schen Eis­ho­ckey-Tu­gen­den: Kämp­fen und Lau­fen. Auch mit der Schei­be kön­nen die Pro­fis mit dem Ad­ler auf der Brust et­was an­fan­gen.

Zwar ver­pass­te das Team den erst­ma­li­gen Halb­fi­nalEin­zug seit 2010 in Deutsch­land, doch die Auf­trit­te beim WM-Tur­nier in Ko­si­ce und Bra­tis­la­va las­sen für die Zu­kunft hof­fen. Da­für sor­gen Ty­pen wie Sei­der, der sich al­lein in der ver­gan­ge­nen Sai­son „un­glaub­lich wei­ter­ent­wi­ckelt“hat, wie Sö­der­holm lobt. Dem 18-Jäh­ri­gen vom Meis­ter Mann­heim ge­hört die Zu­kunft, selbst wenn er we­gen ei­ner Ver­let­zung ei­ni­ge Par­ti­en aus­set­zen muss­te. Bei der Zie­hung der Ta­len­te in der Na­tio­nal Ho­ckey Le­ague dürf­te der deut­sche

Na­tio­nal­spie­ler sehr weit vor­ne lan­den, was ein Qua­li­täts­merk­mal und ei­ne ho­he Aus­zeich­nung zugleich ist.

Zu­nächst kon­zen­trier­te sich Sei­der je­doch auf die WM-Ana­ly­se: „Wir ha­ben die Ein­stel­lung, dass wir auch mit den Gro­ßen mit­spie­len und sie schla­gen kön­nen.“Mit dem 4:2 ge­gen Finn­land hat­te das die deut­sche Mann­schaft zu­vor un­ter­mau­ert,

dass sie den star­ken Eis­ho­ckey-Na­tio­nen auf den Fer­sen ist. Mit dem sechs­ten WM-Platz fes­tig­te das Team den ach­ten Platz in der Welt­rang­lis­te, der viel­leicht noch wich­ti­ger als der Vier­tel­fi­nal-Ein­zug ist. Denn nun ist die Mann­schaft von Sö­der­holm oh­ne den Um­weg über die Qua­li­fi­ka­ti­on 2022 in Pe­king da­bei. Das be­deu­tet För­der­geld vom Bund. Neue

Trai­ner kön­nen ein­ge­stellt wer­den und den Nach­wuchs wei­ter för­dern. „Man hat ge­se­hen, dass wir ei­ni­ges ver­än­dert ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Wir sind un­heim­lich schei­ben­si­cher ge­wor­den und wol­len uns nicht mehr ver­ste­cken hin­ter den gro­ßen Na­tio­nen“, skiz­ziert Ver­tei­di­ger-Ta­lent Sei­der die Ent­wick­lung, die an ihm am bes­ten ab­zu­le­sen ist. Vie­le jun­ge Spie­ler zäh­len zur Aus­wahl des Bun­des­trai­ners.

Das lässt für die WM nächs­tes Jahr in der Schweiz hof­fen. Für Mo­ritz Sei­der geht es nach der WM kurz in den Ur­laub. Da­nach lockt mit dem Draft, der Tal­ent­zie­hung, die NHL, die bes­te Li­ga der Welt. Sei­der wird es eher über kurz statt lang dort­hin schaf­fen. „Da kommt ei­ni­ges auf mich zu.“

Fo­to: dpa

Ag­gres­siv am Mann: Deutsch­lands Mo­ritz Sei­der (l.) be­harkt mit Mar­kus Ei­sen­schmid Tsche­chi­ens Dmi­trij Jas­kin.

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