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Bersenbrucker Kreisblatt - - AUF REISEN -

ie sprö­de Haus­wand kommt nä­her und nä­her. Nach we­ni­gen Se­kun­den ist sie vor­bei. Sou­ve­rän lenkt der Fah­rer sei­nen Li­ni­en­bus an ihr vor­bei durch die schma­le Kur­ve. Die Gas­sen Is­chi­as sind schmal für Lkw und Bus­se, doch in den küh­le­ren Mo­na­ten zu­min­dest leer.

Erst im Som­mer, wenn die aus­län­di­schen Tou­ris­ten kom­men und im Spät­som­mer die ita­lie­ni­schen, wird es ein ein­zi­ges Ste­hen und Schie­ben ge­ben auf den schma­len Stra­ßen der sechs Ge­mein­den. Au­ßer­halb der Haupt­sai­son ist die In­sel ein Ge­heim­tipp mit ih­ren schma­len Gas­sen, dem schrof­fen Vul­kan­ge­stein und der atem­be­rau­ben­den Aus­sicht.

Der Bus stoppt, man steigt aus, es kann los­ge­hen. Die schöns­ten Wan­der­we­ge be­fin­den sich ent­lang der Küs­te und rund um die In­sel­mit­te un­ter rau­schen­den Baum­wip­feln. Ab­seits der Ring­stra­ße gibt es viel zu ent­de­cken: Un­ter ih­rer Last bie­gen sich Zi­tro­nen­bäu­me am We­ges­rand, Schilf­gras wiegt sich im Wind, Wein-Re­ben wach­sen an den Hän­gen. Hin­ter ei­ner Kur­ve taucht un­ver­mit­telt ein Ca­fé auf. Von der Ter­ras­se schweift der Blick weit übers blaue Meer. Ein sau­res Rad­ler mit frisch ge­press­tem Zi­tro­nen­saft sorgt für Er­fri­schung.

Die In­sel ist vul­ka­ni­schen Ur­sprungs. Zu­ge­wu­cher­te, un­schein­ba­re Kra­ter zeu­gen von ur­zeit­li­chen Gesteins­be­we­gun­gen. Is­chi­as In­sel­mit­te hat mit dem Mon­te Epo­meo und sei­ner Nach­bar­ber­ge ein paar Hun­dert Hö­hen­me­ter zu bie­ten.

Ei­nen rich­ti­gen Vul­kan­ke­gel gibt es al­ler­dings nur am Ho­ri­zont zu se­hen: In Wol­ken ge­taucht ist dort mit blo­ßem Au­ge der Ve­suv zu er­ken­nen. Der wohl be­lieb­tes­te Auf­stieg führt Wan­de­rer auf die Spit­ze des Epo­me­os. Die Pfa­de sind steil, aber gut zu meis­tern. Auf dem Gip­fel ent­lohnt wie so oft ein herr­li­cher Pan­ora­ma­blick über die In­sel. Bei kla­rer Sicht ist das ge­gen­über­lie­gen­de Ca­pri gut zu er­ken­nen. Auf der Ter­ras­se der Gast­wirt­schaft lockt dann ei­ne gro­ße Por­ti­on Bru­schet­ta. Das Brot mit ge­stü­ckel­ten To­ma­ten ist auf Is­chia ein Klas­si­ker. Und auch Ka­nin­chen nach Is­chia­ner Art ste­hen auf je­der Spei­se­kar­te.

Auf den Ebe­nen ist Is­chia dicht be­baut. Vie­ler­or­ten be­wa­chen Hun­de die Grund­stü­cke und be­grü­ßen Fuß­gän­ger mal hei­ser bel­lend, mal un­si­cher schwan­zwe­delnd. Vol­le Müll­tü­ten ge­hö­ren lei­der zum Stra­ßen­bild. Wer wan­dern will, den zieht es nach oben auf je­ne We­ge, die hin­ter den letz­ten Häu­sern am Hang be­gin­nen, oder auf die Pfa­de na­he der Wein­ber­ge mit Blick aufs Meer.

Das gut or­ga­ni­sier­te Bus-Netz er­mög­licht es, sich pro­blem­los fort­zu­be­we­gen und die In­sel ken­nen­zu­ler­nen. Ab­seits der asphal­tier­ten We­ge füh­ren schma­le Pfa­de in Pi­ni­en-, St­ein­ei­chen- und Kas­ta­ni­en­wäl­der. Tuff­st­ein­ge­bil­de er­he­ben sich am We­ges­rand. Plötz­lich tut sich ein Loch im Bo­den auf. Steil und tief sind im­mer noch die Eis­kel­ler aus ver­gan­ge­nen Zei­ten zu er­ken­nen. In der Fer­ne macht ein Zie­gen­hir­te Pau­se und ge­nießt mit sei­nen Hüte­hun­den die Aus­sicht. Längst ha­ben die be­son­ne­nen Hun­de die Wan­de­rer wahr­ge­nom­men und bli­cken ih­nen ru­hig ent­ge­gen. Über dem Meer: die Kir­che San­ta Ma­ria del Soc­cor­so.

Wei­ter geht es durch ei­nen Ro­bi­ni­en­wald. Män­ner füh­ren ih­re Pfer­de hier ent­lang. Heu­te wird Holz ge­schla­gen und ab­trans­por­tiert. An der Fel­sen­kir­che San­ta Ma­ria al Mon­te öff­net sich die Land­schaft. Der Pan­ora­ma­blick Fel­sen: Ober­halb Fo­ri­os füh­ren We­ge flach am Hang ent­lang. Idyl­le: Mit sei­nen Hüte­hun­den macht der Schä­fer ei­ne Pau­se. Er blickt auf Sant’An­ge­lo und Pan­za. en­det erst am Ho­ri­zont, ir­gend­wo im strah­lend blau­en Meer.

Wan­der­we­ge sind kaum be­schil­dert auf Is­chia. Per GPSEmp­fän­ger und auf Sicht oder per Kom­pass und Kar­te kann man sich ori­en­tie­ren, da die In­sel da­für klein ge­nug ist. Mög­lich ist es, ei­nen Wan­der­füh­rer zu en­ga­gie­ren oder von Be­ginn an mit ei­ner Wan­der­grup­pe zu rei­sen. Ei­ne der er­fah­rens­ten Gui­des auf Is­chia ist Ass­un­ta Ca­li­se, die seit 15 Jah­ren Tou­ris­ten über ih­re Hei­mat­in­sel führt. „Ich ma­che das, bis ich ei­nes Ta­ges ei­nen Stock brau­che“, sagt sie und lacht. Stets griff­be­reit hat Ass­un­ta, die von al­len ge­duzt wird, ei­ne Gar­ten­sche­re. Mit die­ser zeigt sie auf zahl­lo­se Pflan­zen und be­ein­druckt al­le mit ih­rem Wis­sen um Flo­ra und Fau­na.

Die bes­ten Mo­na­te, um in Ru­he zu wan­dern, sei­en von April bis Mai und dann wie­der von Sep­tem­ber bis Ok­to­ber, rät Ass­un­ta. „ Al­les blüht, aber es ist nicht so heiß.“Mei­den soll­te man die hei­ßen Som­mer­mo­na­te. Und mei­den soll­te man ab et­wa 13.30 Uhr für ei­ne St­un­de die Li­ni­en­bus­se, „denn dann fah­ren die Schul­kin­der nach Hau­se.“

In ei­ner Wo­che lässt sich Is­chia gut er­kun­den. Ne­ben Wäl­dern und Wein­ber­gen gibt es ei­ni­ge Aus­flugs­zie­le: der Mor­tel­la- und der Ra­vi­no- Gar­ten sind ein Muss für Pflan­zen­freun­de. Die gro­ßen Ther­mal­bä­der öff­nen Mit­te April und la­den zum stun­den­lan­gen Ba­de­ver­gnü­gen ein. Be­ein­dru­ckend sind auch die Ge­wöl­be des Ca­s­tel­lo Ara­go­ne­se, das auf ei­ner Halb­in­sel auf ei­nem Fel­sen thront. Al­le Se­hens­wür­dig­kei­ten sind mit öf­fent­li­chen Bus­sen zu er­rei­chen, die sich durch die schma­len Stra­ßen ih­ren Weg bah­nen. Und wie er­rei­chen die Is­chia­ner ihr Ziel in der Haupt­sai­son? Ass­un­ta lä­chelt. „Man muss Ge­duld ha­ben und ge­las­sen sein. Ganz ein­fach.“

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