Frän­ki­sches Flair

In Bad St­eben trifft Tra­di­ti­on auf Mo­der­ne und Ent­span­nung auf Aben­teu­er

Bersenbrucker Kreisblatt - - AUF REISEN - In­for­ma­tio­nen un­ter : bad-st­eben.de

Bad St­eben ge­denkt ger­ne der al­ten Ta­ge. Be­son­ders je­ner Ta­ge des Jah­res 1832, als der im Fran­ken­wald lie­gen­de Ort mit sei­nen hei­len­den Qu­el­len durch Kö­nig Lud­wig I. von Bay­ern zum Staats­bad er­ho­ben wur­de. Das Ver­lan­gen nach ei­ner hei­len und bür­ger­li­chen Welt war da­mals nach dem En­de der na­po­leo­ni­schen Krie­ge ab 1815 zur Bie­der­mei­er­zeit groß. Ad­li­ge und Rei­che lieb­ten das Lust­wan­deln – auch im Rah­men ei­ner Kur.

Heu­er ist es wie­der so weit beim gro­ßen Bie­der­mei­er­fest vom 21. bis 23. Ju­ni. Bie­der­mei­er­grup­pen aus nah und fern und die „Bie­der­mei­er­freun­de“Bad St­ebens fla­nie­ren ganz im Stil je­ner Zeit durch den Kur­gar­ten. Mit Schu­ten­hut und Reif­rock ge­wan­de­te Da­men und Her­ren im Geh­rock, mit Zy­lin­der und „Va­ter­mör­der­kra­gen“ge­ben sich die Eh­re. Ih­re Klei­der sind selbst ge­näht, die Spit­zen von Hand ge­klöp­pelt. In­mit­ten his­to­ri­scher Markt­stän­de er­le­ben die Be­su­cher an­ti­kes Kunst­hand­werk. Im Vor­bei­fah­ren grü­ßen Hoch­rad­fah­rer, wäh­rend Dreh­or­gel­spie­ler für die pas­sen­de mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung sor­gen. Er­öff­net wird das Bie­der­mei­er­fest am Frei­tag­abend mit ei­nem gro­ßen Ball im Staat­li­chen Kur­haus.

Es ist der be­son­de­re Heil­mit­telMix von Na­tur­moor, Ra­don und Koh­len­säu­re, der Bad St­eben weit über die baye­ri­schen Gren­zen hin­aus be­kannt ge­macht hat. Das sel­te­ne Ra­don wirkt schmerz­lin­dernd und hei­lend bei Rheu­ma. Die Koh­len­säu­re der Wie­sen­quel­le be­wirkt die Sen­kung des Blut­drucks. Und das Na­tur­moor lie­fert Wär­me bis tief in die Kno­chen. Über Jahr­zehn­te hin­weg war der Ort ge­prägt vom Glanz der Prinz­re­gen­ten­zeit. Es ist das höchst­ge­le­ge­ne, aber auch ei­nes der kleins­ten der fünf baye­ri­schen Staats­bä­der. Nach­dem das da­ma­li­ge Kö­nig­reich Bay­ern die Heil­quel­len kauf­te, wur­de Prinz­re­gent Luit­pold zum För­de­rer und sein Hof­ar­chi­tekt Leo von Klen­ze er­rich­te­te das Ba­de­haus.

Das um­lie­gen­de Ge­län­de ge­stal­te­te er zu ei­nem Kur­gar­ten

um, der heu­te als Kur­park un­ter Denk­mal­schutz steht.

Un­ter Lei­tung des re­nom­mier­ten Bad St­ebe­ner Fach­arz­tes Ger­hart Klein, der seit 30 Jah­ren zum The­ma Ra­don zur Schmerz­re­du­zie­rung forscht, wur­den in den letz­ten Jah­ren vier fach­lich an­er­kann­te Stu­di­en durch den Ku­r­ort­for­schungs­ver­ein durch­ge­führt. Ak­tu­ell hat das Team aus Ku­r­ort­for­schungs­ver­ein und Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Er­lan­gen wie­der ei­ne Ra­don Stu­die an den Start ge­bracht: ei­ne Dop­pelb­lind­stu­die, bei der we­der Pa­ti­ent noch The­ra­peut wis­sen, was ge­ra­de ver­ab­reicht wird. Ak­tu­ell neh­men 110 Pa­ti­en­ten zwi­schen 40 und 75 Jah­ren an der Stu­die teil. En­de 2020 wer­den die Er­geb­nis­se zu den schmerz­lin­dern­den Ra­don­bä­dern er­war­tet.

Das Ge­sund­heits­zen­trum, das der Ther­me Bad St­eben an­ge­schlos­sen ist, ist ein per­fek­ter Ort der Ge­sund­heit. Die An­wen­dun­gen von der klas­si­schen Mas­sa­ge über Kur­be­hand­lun­gen bis hin zu neu­en und al­ter­na­ti­ven The­ra­pi­en wie Shi­atsu und Os­teo­pa­thie, Aku­punk­tur und Aku­pres­sur ge­nie­ßen die Gäs­teim an­ge­neh­men Wohl­fühl-Am­bi­en­te.

Für den Bau der Ther­me nutz­te man das in der Er­de vor­kom­men­de Schie­fer­ge­stein. Er­leb­nis­se für die Sin­ne bie­ten der Pa­vil­lon des Hö­rens und des Füh­lens. Neu er­öff­net wur­de ak­tu­ell der Sau­na-Pa­vil­lon. Und ei­ner Schie­fer­höh­le nach­emp­fun­den ist der Well­ness-Do­me mit dem 34 Grad war­men Maulaf­fen­be­cken, ei­ner Sand-Log­gia so­wie ei­ner So­le­la­gu­ne und -grot­te.

„Buch­stäb­lich“na­he­lie­gend ist es, dass die­ser blau-schwarz schim­mern­de Schie­fer in der Ther­me ver­ar­bei­tet wur­de und auch bei der Hot-Sto­ne-Mas­sa­ge zum Ein­satz kommt. Nur et­wa zehn Ki­lo­me­ter ent­fernt liegt das Schie­fer­berg­werk Lothar­heil. Einst wur­de hier der Schie­fer von Frei­herr Lothar von Fa­ber, dem heu­ti­gen Un­ter­neh­men Fa­berCa­s­tell, für die Her­stel­lung von Schie­fer­ta­feln und Blei­stif­ten ab­ge­baut. Heu­te ist das Un­ter­neh­men in den Hän­den der Fa­mi­lie Teich­mann.

Alex­an­der von Hum­boldt hat be­reits En­de des 18. Jahr­hun­derts die Be­deu­tung des Schie­fers er­kannt. Der Na­tur­for­scher leb­te von 1792 bis 1795 in Bad St­eben. In die­sem Jahr jährt sich sein 250. Ge­burts­tag. Wer sich für die­se Tra­di­ti­on in­ter­es­siert, kann auf dem neun Ki­lo­me­ter lan­gen geo­lo­gisch-berg­bau­kund­li­chen Lehr­pfad sei­nen Spu­ren fol­gen.

Fo­to: Rein­hard Fel­d­rapp

Lädt zum Fla­nie­ren ein: Das Kur­zen­trum mit der Säu­len­wan­del­hal­le schmückt den schön an­ge­leg­ten Kur­park.

Fo­to: Baye­ri­sches Staats­bad Bad St­eben

Stil­voll ge­klei­det: Das Bie­der­mei­er­fest fin­det al­le zwei Jah­re in Bad St­eben statt.

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