Auf Hum­boldts Spu­ren

Im Fich­tel­ge­bir­ge be­gann der Uni­ver­sal­ge­lehr­te sei­ne Kar­rie­re im Di­ens­te der Wis­sen­schaft

Bersenbrucker Kreisblatt - - AUF REISEN - Von Micha­el Juhran

In Gold­kro­nach bin ich glück­li­cher, als ich je wa­gen durf­te zu glau­ben“, schrieb Alex­an­der von Hum­boldt, nach­dem er 1793 sei­nen Di­enst als preu­ßi­scher Ober­berg­meis­ter im Fich­tel­ge­bir­ge an­ge­tre­ten hat­te. Mit ge­ra­de ein­mal 22 Jah­ren soll­te er für den preu­ßi­schen Kö­nig die För­de­rung und Ver­hüt­tung von Er­zen in der Re­gi­on zu neu­er Blü­te füh­ren. Da­bei war er äu­ßerst er­folg­reich. Es ge­lang ihm bis zur Be­en­di­gung sei­ner Di­enst­zeit 1797, nicht nur den Berg­bau wie­der pro­fi­ta­bel zu ma­chen. Er brach­te den Men­schen Ar­beit, sorg­te sich um so­zia­le Be­lan­ge und re­vo­lu­tio­nier­te das Bil­dungs­we­sen.

Stän­dig von ei­ner Gru­be zur nächs­ten per Pferd un­ter­wegs, pen­del­te Hum­boldt ru­he­los zwi­schen Arz­berg, St­eben, Gold­kro­nach, Wun­sie­del und an­de­ren Or­ten. Be­son­ders tie­fe Spu­ren hin­ter­ließ der jun­ge Wis­sen­schaft­ler im be­schau­li­chen Gold­kro­nach. Mit ei­nem un­still­ba­ren Ar­beits­ei­fer ge­lang es ihm, das be­deu­tends­te deut­sche Gold­re­vier in der Fürs­ten­ze­che für den kö­nig­li­chen Hof neu zu er­schlie­ßen.

Die Fürs­ten­ze­che ist nicht mehr be­geh­bar, aber im be­nach­bar­ten Ta­ges­stol­len „Mitt­le­rer Na­me Got­tes“ver­steht es der eh­ren­amt­li­che Füh­rer Heinz Zahn äu­ßerst an­schau­lich, sei­ne Be­su­cher auf ei­ne Zei­t­rei­se durch die glanz­vol­le Ge­schich­te des Ber­ges mit­zu­neh­men. „Un­ter Hum­boldt wur­de die För­de­rung deut­lich ver­bes­sert, da er

ho­ri­zon­ta­le Stol­len zur Ent­wäs­se­rung und zum Trans­port der Er­ze mit Hun­den (klei­ne Lo­ren) trei­ben und si­che­re­re Holz­stüt­zen ver­bau­en ließ“, lässt Zahn sei­ne Be­glei­ter wis­sen. In dem en­gen Stol­len­gang ist es kühl. Was­ser tropft von den Wän­den und sam­melt sich am Bo­den. Am En­de des stre­cken­wei­se nur ge­bückt zu­gäng­li­chen Stol­lens taucht im Licht­ke­gel der Lam­pe Zahns ei­ne Quar­z­a­der auf, in der win­zi­ge Gold­par­ti­kel glit­zern. Wis­sen­schaft­ler, die hier vor we­ni­gen Jah­ren Pro­ben ent­nah­men, konn­ten ei­nen durch­aus ab­bau­wür­di­gen Gold­ge­halt von bis zu sechs Gramm Gold pro Ton­ne Erz nach­wei­sen.

Wie viel­schich­tig sich die All­tags­ar­beit des jun­gen Wis­sen­schaft­lers ge­stal­te­te, er­fährt man im Gold­berg­bau­mu­se­um in Gold­kro­nach. Vol­ler For­scher­drang ent­wi­ckel­te er ef­fek­ti­ve­re und si­che­re Me­tho­den für den Ab­bau von Gold, Sil­ber, Kup­fer, Ei­sen, Zinn oder Alaun. In­ten­siv be­schäf­tig­te er sich mit den „mat­ten Wet­tern“(schlech­te Luft­zu­fuhr) in den Gru­ben, er­fand ei­ne Gru­ben­lam­pe und ei­ne Atem­mas­ke zur Ret­tung ver­un­glück­ter Berg­ar­bei­ter.

In St­eben, Arz­berg und Gold­kro­nach grün­de­te Hum­boldt Berg­schu­len, die als Vor­gän­ger der Be­rufs­schu­len gel­ten, und stat­te­te sie mit selbst er­ar­bei­te­ten Un­ter­richts­ma­te­ria­li­en aus.

En­ga­giert be­rei­ten sich die Gold­kro­nach­er auf den Ge­burts­tag des be­rühm­ten Ge­lehr­ten mit ei­ner Son­der­aus­stel­lung und Fest­ver­an­stal­tun­gen vor. Selbst 160 Jah­re nach sei­nem Tod ver­mag es der Na­tur­for­scher Scha­ren von eh­ren­amt­li­chen Hel­fern, Gym­na­si­as­ten und Be­su­chern mit sei­nem Wis­sens­drang zu be­geis­tern.

Von Gold­kro­nach sind es nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter nach Rup­perts­grün, von wo sich die land­schaft­li­che Viel­falt des Fich­tel­ge­bir­ges sport­lich per E-Bi­ke ent­de­cken lässt. Vor­bei an Fich­ten, Kie­fern und Bir­ken ge­langt man nach ei­ni­gen Ki­lo­me­tern an die mit reins­tem Trink­was­ser er­fri­schen­de Saa­le­quel­le. „Na­he der Qu­el­le ließ Hum­boldt An­la­gen zum Ab­bau von Gelb­krei­de­vor­kom­men er­rich­ten“, sagt Kreis­ar­chi­var Adri­an Roß­ner.

Et­wa drei­ein­halb Ki­lo­me­ter nord­west­lich der Qu­el­le war es wie­der­um Hum­boldt, der bei ei­nem Spa­zier­gang den Ma­gne­tis­mus des ört­li­chen Ser­pen­tin­ge­steins ent­deckt hat­te. „ Ab­ge­se­hen vom da­mals kaum vor­han­de­nen Wald ist der Pan­ora­ma­blick von hier oben noch ge­nau­so fan­tas­tisch und un­ver­baut wie zu Hum­boldts Zei­ten“, schwärmt Roß­ner. Hin­ter Wie­sen, Wei­den und Wäl­dern taucht der et­wa 15 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Och­sen­kopf und da­ne­ben der Schnee­berg auf, die mit 1051 Me­tern höchs­te Er­he­bung des Fich­tel­ge­bir­ges.

Wei­ter geht es nach Wun­sie­del. Na­he der Stadt im Her­zen des Fich­tel­ge­bir­ges ragt mit dem Lui­sen­bur­ger Fel­sen­la­by­rinth ein zer­klüf­te­tes Gra­nitstein­meer aus der Land­schaft her­aus. Wäh­rend sich die meis­ten Be­su­cher der Land­schaft er­freu­en, stan­den für Hum­boldt bio­lo­gi­sche For­schun­gen im Mit­tel­punkt. Sei­ne Spu­ren füh­ren schließ­lich nach Arz­berg, wo er fünf Jah­re tä­tig war.

Auch wenn es un­mög­lich ist, in­ner­halb ei­ni­ger Ur­laubs­ta­ge al­le Wir­kungs­stät­ten Hum­boldts im Fich­tel­ge­bir­ge zu er­kun­den, bleibt nach der Spu­ren­su­che ei­ne tie­fe Be­wun­de­rung für den Mann, der ei­ne gan­ze Re­gi­on zu neu­er Blü­te führ­te. Goe­the brach­te es auf den Punkt: „Man kann sa­gen, er hat an Kennt­nis­sen und le­ben­di­gem Wis­sen nicht sei­nes­glei­chen; und ei­ne Viel­sei­tig­keit, wie sie mir gleich­falls noch nicht vor­ge­kom­men ist! Was ist das für ein Mann.“Und was ist das für ei­ne Land­schaft, möch­te man den Wor­ten hin­zu­fü­gen.

Fo­to: Juhran

Aus­flugs­ziel: Na­he Wun­sie­del ragt das Lui­sen­bur­ger Fel­sen­la­by­rinth aus der Land­schaft her­aus.

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