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Bersenbrucker Kreisblatt - - AUF REISEN -

m Wes­ten Meck­len­burgs ver­bin­det die Er­leb­nis­rou­te „Ma­nu­fakTour“ins­ge­samt 20 au­ßer­ge­wöhn­li­che Werk­stät­ten und Pro­du­zen­ten. Bei fünf da­von ha­ben wir rein­ge­schaut:

Wis­mar: Gar selt­sa­me „Kra­wat­ten“hän­gen an Ra­mo­na Stel­zers La­den­wand. Leuch­tend und kunst­voll ge­mus­tert, doch mit Schlip­sen ha­ben sie ge­nau­so we­nig zu tun wie mit her­kömm­li­chem Stoff. Es sind ge­gerb­te und ge­färb­te Häu­te von Bar­schen, Lach­sen, Schol­len, Aa­len, Pa­pa­gei­en­fi­schen und Ro­chen, aus de­nen Ra­mo­na Stel­zer Schmu­ckes an­fer­tigt. Die Gold­schmie­din und De­si­gne­rin kom­bi­niert das reiß­fes­te und stra­pa­zier­fä­hi­ge Ma­te­ri­al mit Edel­me­tal­len und fa­bri­ziert dar­aus Rin­ge, Ohr­ste­cker, An­hän­ger und Ta­schen, die auch ge­fragt sind als Uni­kat-Sou­ve­nirs.

Für Rin­ge et­wa nimmt sie am liebs­ten Ro­chen­le­der. Die­ses ent­hält har­te Horn­kü­gel­chen, die, ge­schlif­fen und po­liert, ei­nen be­son­ders ed­len Glanz ent­wi­ckeln – „das wirkt wie tau­send klei­ne Edel­stein­chen auf der Haut“. Ihr Fa­vo­rit für die Män­ner­kol­lek­ti­on hin­ge­gen ist Le­der vom Stör. Wich­tigs­ter Lie­fe­rant ist üb­ri­gens ein si­bi­ri­scher Künst­ler, der auf der Su­che nach sei­nen in­di­ge­nen Wur­zeln auf die ur­al­te Kunst der Ver­ar­bei­tung von Fisch­le­der für Zel­te und Klei­dung stieß. Und sie neu er­lern­te. Auch das er­fährt man in Ra­mo­nas Fisch­le­der-Shop auf Wis­mars Fla­nier­mei­le. amo­na­s­tel­zer­de­sign.com

Testorf: Ma­gi­sches aus Pa­pier ent­steht bei An­ke Meix­ner im Wes­ten des Bun­des­lan­des am Schaal­see. Hier auf dem Lan­de Hand­ar­beit:

bei Zar­ren­tin schöpft die haupt­be­ruf­li­che Spiel­platz­de­si­gne­rin zum ei­nen Kraft und Ide­en für ih­re hauch­zar­ten Kunst­wer­ke, zum an­de­ren prak­ti­scher­wei­se aber auch gleich den Werk­stoff, der sie so be­geis­tert. Weil er so leicht und zart ist, aber auch so fest und stark. Und so viel­sei­tig wie kaum ein zwei­ter – „Pa­pier kann durch Fal­ten, For­men, Be­schrei­ben und Be­ma­len sehr ein­fach und in je­dem Al­ter krea­tiv ge­stal­tet wer­den.“

Im Hol­län­der, ei­nem ar­chai­schen Mahl-Un­ge­tüm, ver­wan­delt sie pflanz­li­che Roh­stof­fe zu Fa­ser­brei, den sie an­schlie­ßend ein­weicht, ab­schöpft, abgautscht und presst. Da­bei wird be­reits die Ar­beit mit dem Schöpf­sieb zum künst­le­ri­schen Akt, wenn sie et­wa nach dem Col­la­gen-Prin­zip ver­schie­den­far­bi­ge Fa­ser­schich­ten über­ein­an­der­setzt. Scha­blo­nen auf dem Sieb be­nutzt und Ab­drü­cke von Fi­gu­ren ent­ste­hen lässt. Pa­pier in war­men Erd­tö­nen zu ori­en­ta­li­schen Mau­ern und Mus­tern schich­tet. Oder abs­trak­te For­men fin­det, in die sie Schaf­wol­le ein­ar­bei­tet oder Ril­len prägt. Nicht zu ver­ges­sen die räum­lich-plas­ti­schen Ob­jek­te, die, fe­der­leicht durch den Raum schwe­bend, Meix­ners zau­ber­haf­tes Pa­pier-Uni­ver­sum kom­plet­tie­ren. kunst­raum-testorf.de Bast­horst: In Sicht­wei­te des be­kann­ten Schloss­ho­tels bei Schwe­rin ist Mo­de­de­si­gne­rin Clau­dia Stark zu­gan­ge. Am gro­ßen Werk­tisch mit­ten im klei­nen Ma­nu­fak­tur-La­den er­schafft sie ed­le Uni­ka­te durch Fil­zen auf so­zu­sa­gen al­ler­feins­tem Ni­veau.

Da­bei lässt sie sich in­spi­rie­ren von der Meck­len­bur­ger Land­schaft und Na­tur, „aus der ich For­men und Far­ben, Struk­tu­ren und Licht schöp­fe“. Und in der Tat: Ih­re Schals, Stul­pen, Hü­te und Ac­ces­soires spie­geln üp­pi­ge Blü­ten­fül­le und zar­te Licht­spie­le von Bäu­men und Bä­chen im Wan­del der Jah­res­zei­ten. Starks Mar­ken­zei­chen ist die kunst­vol­le Syn­the­se aus kost­ba­ren Na­tur­ma­te­ria­li­en. Mit­tels sub­ti­ler ma­nu­el­ler Walk­tech­nik ver­schmilzt sie feins­te Me­ri­no­wol­le mit ed­ler Chif­fon­sei­de – da­bei ent­steht ein durch­schei­nen­der Stoff, der für die Künst­le­rin zugleich den Ein­klang zwei­er Kul­tu­ren ver­sinn­bild­licht: fern­öst­li­che Leich­tig­keit und abend­län­di­sche Ele­ganz. Oder an­ders ge­sagt: die Har­mo­nie aus Sei­de und Filz. clau­dia-stark.com

Schwe­rin: Him­mel­hoch sind die An­sprü­che, die Chris­ti­an Ka­ri­us und Ste­phan Porth stel­len. An sich selbst und an ih­re Pro­duk­te: Ruck­sä­cke, Gür­tel- und Fahr­rad­t­a­schen. Kei­ne Al­ler­welts­din­ger al­ler­dings. In ih­rer win­zi­gen Re­dRe­ba­ne-Ma­nu­fak­tur fa­bri­zie­ren die Out­door-Jun­kies per Hand nicht mehr und nicht we­ni­ger als ex­trem ro­bus­te „Freun­de, die uns ein Le­ben lang be­glei­ten und selbst beim här­tes­ten Aben­teu­er ab­so­lut ver­läss­lich sind“. Des­halb ver­wen­den die aus­ge­buff­ten Tüft­ler – Re­ba­ne ist est­nisch und heißt Fuchs – et­wa das was­ser­dich­te und ab­rieb­fes­te Ny­lon­ge­we­be Cor­du­ra und ver­nä­hen es mit Garn aus dem Se­gel­sport in der kräf­tigs­ten ver­füg­ba­ren Stär­ke. Be­son­ders wich­tig ist bei­den der Kon­takt zur Ziel­grup­pe – Drau­ßen­sei­ter und Hard­core-Bi­ker wie sie selbst –, die mit ih­rem In­put zur ste­ten Ver­bes­se­rung der Pro­duk­te bei­tra­gen.

„ Au­ßer­dem kann bei uns je­de La­sche oder Ta­sche, je­der Rie­men oder Reiß­ver­schluss in­di­vi­du­ell kon­fi­gu­riert wer­den – so kön­nen wir höchs­te Qua­li­tät mit ma­xi­ma­lem Kom­fort kop­peln“, er­klärt Ste­phan. Dass der na­men­ge­ben­de Fuchs da­bei nicht nur die Rol­le des Schlau­mei­ers spielt, er­zählt Re­ba­ne-Er­fin­der Chris­ti­an. Dem er­schien bei ei­nem schwe­ren Un­wet­ter in den Ber­gen einst ein tropf­nas­ser, wind­zer­zaus­ter Fuchs vor der Hüt­te, der den Na­tur­ge­wal­ten furcht­los trotz­te. Für Chris­ti­an fort­an das Sinn­bild für Stär­ke und Stand­haf­tig­keit. Und als sol­ches das per­fek­te Sym­bol für die klei­ne Ma­nu­fak­tur mit dem gro­ßen An­spruch. red-re­ba­ne.de

Wenn Nor­bert und Iris Leithold das Pa­lais Bü­low für Gäs­te öff­nen, wird Ge­schich­te le­ben­dig und amü­sant. Zum ei­nen die des klas­si­zis­ti­schen Ju­wels, das der His­to­ri­ker/Re­stau­ra­tor und sei­ne Frau 2011 nicht nur vor dem Ver­fall be­wahr­ten, son­dern mit viel Herz­blut und Sach­ver­stand zu al­tem Glanz auf­po­lier­ten. Heu­te be­woh­nen sie die Bel­eta­ge, prä­sen­tie­ren Haus, Heim und Gar­ten aber gern auf Füh­run­gen und öff­nen den Fest­saal für Kon­zer­te und Kul­tur – „weil wir die Schön­heit der his­to­ri­schen Ar­chi­tek­tur zei­gen möch­ten. Aber nicht als Mu­se­um, son­dern in ei­nem of­fe­nen und kunst­sin­ni­gen Haus.“

Zwei­tens birgt das Pa­lais ganz ex­qui­si­te Schät­ze. War es doch ne­ben dem Schloss und der Schloss­kir­che das ein­zi­ge Ge­bäu­de, des­sen kunst­vol­ler Raum­schmuck einst aus Papp­ma­schee ge­fer­tigt wur­de. Mit täu­schend ech­ten Imi­ta­tio­nen von Gold und Mar­mor, von Stuck und Schnit­ze­rei­en, die un­end­lich viel güns­ti­ger wa­ren als all die an­de­ren ed­len Ma­te­ria­li­en. Ein Me­tier, für das Lud­wigs­lust mal welt­be­rühmt war. Im 18. und frü­hen 19. Jahr­hun­dert lie­fer­te die „Car­ton-Fa­b­ri­que“bis nach Lon­don und Pa­ris; hier ent­stan­den Meis­ter­wer­ke für die eu­ro­päi­schen Sa­lons und so­gar Sta­tu­en, die in Schloss­gär­ten Wind und Wet­ter trotz­ten.

Und auch die­se Tra­di­ti­on leb­te nach 150-jäh­ri­gem Dorn­rös­chen­schlaf seit 2013 wie­der. Im Pa­lais Bü­low in Lud­wigs­lust. Bei Nor­bert und Iris Leithold. pa­lais-bue­low.de

Fo­to: Eich­ler

In Bast­horst bei Schwe­rin fa­bri­ziert Clau­dia Stark aus feins­ter Wol­le und ed­ler Sei­de hoch­wer­ti­ge Mo­de und Ac­ces­soires. Lud­wigs­lust:

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