Sport im ho­hen Al­ter hat po­si­ti­ve Ef­fek­te

Stu­die: Auch nicht ak­ti­ve Men­schen ho­hen Al­ters kön­nen noch Mus­kel­mas­se auf­bau­en

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEIT­E - Von El­ke Bun­ge

OSNABRÜCK Ei­ne Stu­die zeigt: Men­schen hö­he­ren Al­ters, die nie­mals zu­vor Sport be­trie­ben ha­ben, be­sit­zen die glei­che Fä­hig­keit, Mus­kel­mas­se auf­zu­bau­en, wie die­je­ni­gen, die ein Le­ben lang sehr sport­lich wa­ren. Das för­dert das Wohl­be­fin­den und stärkt das Herz.

OSNABRÜCK Men­schen hö­he­ren und ho­hen Al­ters, die nie­mals zu­vor Sport be­trie­ben ha­ben, be­sit­zen die glei­che Fä­hig­keit, Mus­kel­mas­se auf­zu­bau­en, wie die­je­ni­gen, die ein Le­ben lang sehr sport­lich wa­ren. Das ist das Er­geb­nis der ak­tu­el­len Stu­die der Uni­ver­si­tät von Bir­ming­ham.

Es ist ei­ne ver­al­te­te An­nah­me, dass man in hö­he­ren Le­bens­jah­ren zu alt für Sport sei, ins­be­son­de­re wenn man bis­her nie sport­lich ak­tiv war. Die re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung er­höht das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den, baut Stress ab und min­dert Herz-Kreis­laufEr­kran­kun­gen in je­der Al­ters­stu­fe. Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die der Uni­ver­si­ty of Bir­ming­ham, sagt so­gar wei­ter­hin: Äl­te­re Men­schen, die bis­lang über­haupt nicht sport­lich ak­tiv wa­ren, kön­nen von Sport­übun­gen wie Kraft­trai­ning ge­nau­so pro­fi­tie­ren wie Men­schen, die ihr Le­ben lang sport­lich ak­tiv ge­lebt ha­ben. Ei­ne wich­ti­ge Er­kennt­nis, denn gleich­zei­tig kommt die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ( WHO) zu dem Er­geb­nis, dass Be­we­gungs­man­gel der viert­häu­figs­te Ri­si­ko­fak­tor für die glo­ba­le Sterb­lich­keit ist.

In der ak­tu­el­len Stu­die der Uni­ver­si­ty of Bir­ming­ham, die in der Fach­zeit­schrift „Fron­tiers in Phy­sio­lo­gy“ver­öf­fent­licht wur­de, ver­gli­chen Wis­sen­schaft­ler der School of Sport and Exer­cise Sci­ence die Mus­kel­auf­bau­fä­hig­kei­ten von zwei Grup­pen äl­te­rer Män­ner. Die ers­te Grup­pe wur­de als In­ten­siv­s­port­ler ein­ge­stuft – Män­ner in den Sieb­zi­gern und Acht­zi­gern, die ein Le­ben lang trai­nier­ten und ih­ren Sport im­mer noch auf höchs­tem Ni­veau be­trie­ben. Die zwei­te Grup­pe be­stand aus ge­sun­den Per­so­nen ähn­li­chen Al­ters, die noch nie an re­gel­mä­ßi­gen Trai­nings­pro­gram­men teil

ge­nom­men hat­ten. Da­zu muss ge­sagt wer­den, dass die Stu­die an ins­ge­samt 15 Pro­ban­den durch­ge­führt wur­de, al­le da­von wa­ren Män­ner.

Er­war­tun­gen wi­der­legt

Um den tat­säch­li­chen Mus­kel­auf­bau bei­der Grup­pen zu er­mit­teln, er­hielt je­der Teil­neh­mer vor dem Start ein ab­ge­stimm­tes Le­bens­mit­tel­pa­ket. Da­mit soll­te für glei­che Er­näh­rungs­be­din­gun­gen ge­sorgt wer­den. Auf Kaf­fee und Al­ko­hol wur­de wäh­rend des Un­ter­su­chungs­zeit­raums gänz­lich

ver­zich­tet. Das ei­gent­li­che Pro­gramm be­stand dann aus ei­nem spe­zi­el­len Kraft­trai­ning. Um di­rek­te Ve­rän­de­run­gen der Mus­ku­la­tur zu ver­fol­gen, ent­nah­men die For­scher bei­den Grup­pen vor und nach dem Trai­ning kleins­te Men­gen von Mus­kel­ge­we­be. Die­se so­ge­nann­ten Mus­kel­bi­op­si­en ga­ben Hin­wei­se, wie die Teil­neh­mer auf das vor­he­ri­ge Trai­ning re­agier­ten.

Die For­scher hat­ten er­war­tet, dass le­bens­lan­ge In­ten­siv­s­port­ler auf­grund ih­res dau­er­haf­ten über­durch

schnitt­li­chen Fit­ness­ni­veaus ei­ne bes­se­re Vor­aus­set­zung hät­ten, ih­re Mus­ku­la­tur zu stär­ken. Tat­säch­lich be­le­gen die Er­geb­nis­se, dass bei­de Grup­pen die glei­che Fä­hig­keit hat­ten, Mus­keln als Re­ak­ti­on auf das sport­li­che Trai­ning auf­zu­bau­en. „Un­se­re Stu­die zeigt deut­lich, dass es kei­ne Rol­le spielt, ob Sie Ihr gan­zes Le­ben lang re­gel­mä­ßi­ger Sport­ler wa­ren oder nicht, Sie kön­nen im­mer noch von Sport pro­fi­tie­ren, wenn Sie jetzt da­mit an­fan­gen“, gibt Leigh Bre­en, lei­ten­der For­scher der Stu­die, an.

Der Sur­vey of He­alth, Ageing and Re­ti­re­ment in Eu­ro­pe ( SHA­RE) kam bei ei­ner Un­ter­su­chung aus dem Jahr 2015 zu dem Er­geb­nis, dass gut die Hälf­te der in Deutsch­land le­ben­den Men­schen über fünf­zig min­des­tens ein­mal pro Wo­che ei­ner in­ten­si­ven sport­li­chen Tä­tig­keit nach­ge­hen.

Im­mer­hin wei­te­re 33,3 Pro­zent füh­ren ein­mal wö­chent­lich ei­ne mo­de­ra­te Ak­ti­vi­tät aus. Hier­zu zäh­len all­täg­li­che Ak­ti­vi­tä­ten wie Gar­ten­ar­beit, Rei­ni­gung des Au­tos oder min­des­tens ein­mal wö­chent­li­ches Ge­hen. Le­dig­lich 13 Pro­zent ge­hen über­haupt kei­ner re­gel­mä­ßi­gen Ak­ti­vi­tät nach. Da­mit lie­gen die Deut­schen im gu­ten eu­ro­päi­schen Mit­tel­feld. Bre­en plä­diert für ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Mi­schung un­ter­schied­li­cher Be­tä­ti­gun­gen mit ge­ziel­ter An­lei­tung.

Die­se soll­te nicht nur im Fit­ness­stu­dio statt­fin­den, son­dern auch au­ßer­halb der „Mucki­bu­de“. Da­mit lie­ßen sich die all­täg­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten in das wö­chent­li­che Trai­nings­pro­gramm ein­be­zie­hen.

Fo­to: im­a­go images/Sa­bi­ne Gu­dath

Auch im Al­ter gilt: Re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung er­höht das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den.

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