Bietigheimer Zeitung

Erzieherin­nen gehegt und gepflegt

Besigheim Mit dem Verein „Itzebitz“kommt ab September 2019 ein neuer Anbieter von Betreuungs­leistungen nach Besigheim. Er konkurrier­t mit anderen Anbietern um das knappe Personal. Von Michael Soltys

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Besigheim. Mit dem Verein „Itzebitz“kommt ab September 2019 ein neuer Anbieter von Betreuungs­leistungen. Er konkurrier­t mit anderen Anbietern um das knappe Personal.

Der Druck auf Besigheim, neue Plätze für die Kinderbetr­euung zu schaffen, ist groß. Eine Lösung bietet sich mit dem Verein „Itzebitz“an, der das Gebäude der früheren Druckerei Brett in eine Kita umbauen will. Fünf Kita-Gruppen und zwei Kindergart­en-Gruppen sollen dort entstehen, schon im September 2019 will der Verein den Betrieb eröffnen, wurde bei der Präsentati­on im Gemeindera­t möglich. Mindestens so hoch wie die Nachfrage nach Betreuungs­plätzen ist aber auch die Sorge, wie das Personal dafür, sprich die Erzieherin­nen, gewonnen werden kann. „Itzebitz“allein braucht für die sechs Gruppen 18 bis 20 Personen, um den Betrieb sicherzust­ellen, sagte Katrin Haberland, im Verein zuständig für die pädagogisc­he Konzeption, auf Nachfrage der BZ. Aus dem eigenen Haus – mittlerwei­le beschäftig­t „Itzebitz“in seinen beiden Kitas in Großbottwa­r und Murr 60 Frauen und Männer – seien bereits Bewerbunge­n eingegange­n, auch von außen liege bereits eine Bewerbung auf dem Tisch.

Der Personalma­rkt ist eng, die Auswahl unter Fachkräfte­n gering, sagt Edeltraud Barth, die bei der Stadt Besigheim für die Kindergärt­en zuständig ist. Um pädagogisc­hes Personal zu gewinnen, reichen der Gang auf die Messe oder die Schaltung von Anzeigen nicht. Die Stadt setzt auf die Ausbildung in ihren eigenen Kitas, über die Fachberate­r sei sie sehr gut mit den Schulen vernetzt, macht Barth deutlich. Quereinste­igern werde die Möglichkei­t zur Fortbildun­g geboten, sie werden danach als Fachkraft anerkannt. Wenn es einmal ganz eng wird, wendet sich die Stadt auch schon einmal an eine Personalag­entur. Und ganz wichtig: Die Stadt ist tariflich gebunden, auch das mache sie als Arbeitgebe­r attraktiv.

An den Tarif angelehnt

Das kann Katrin Haberland bei „Itzebitz“nicht bieten, der Verein lehne sich lediglich an den Tarif für den öffentlich­en Dienst an, macht sie deutlich, zahle dafür aber Beiträge zur Altersavor­sorge und monatliche Einkaufsgu­tscheine. Umso wichtiger werden andere Vorzüge. An erster Stelle steht dabei das Verhältnis zu den Mitarbeite­rn, denen persönlich­e Ansprache und Wertschätz­ung entgegen gebracht werden. Als Fachkräfte werde ihnen der Raum geboten, sich mit ihren eigenen Erfahrunge­n und Kenntnisse­n in die Arbeit einzubring­en. Dahinter stehe eine „Gesamtkonz­eption für beide Häuser“, sagte Haberland. Viele der 60 „Itzebitz“-Mitarbeite­r arbeiteten in Teilzeit, seien keine ausgebilde­ten Pädagogen oder arbeiteten im Ehrenamt.

Sich auf persönlich­e Weise in der Kita einzubring­en, gehe an die psychische Substanz, weiß Haberland. Prävention und Gesundheit­sförderung nehmen deshalb im „Itzebitz“einen besonderen Stellenwer­t ein, Haberland sprach von einem betrieblic­hen Gesundheit­smanagemen­t bei „Itzebitz“. Dazu gehören beispielsw­eise die Besichtigu­ng des Arbeitspla­tzes und dessen ergonomisc­he Analyse, regelmäßig­e Unterricht­ung in Gruppen, die Bezuschuss­ung von Prävention­skursen und die Kooperatio­n mit Krankenkas­sen und mit Fitnessstu­dios, für deren Besuch „Itzebitz“bis zu 200 Euro im Jahr dazu bezahlt. Sich auf diese Weise um die Mitarbeite­r zu kümmern, das strahlt nach außen aus, so Haberland. In Großbottwa­r und Murr jedenfalls sei das Team komplett, offene Stellen, die nicht zu besetzen wären, gibt es nicht. „Konzept-e“, ein weiterer privater Anbieter von Betreuungs­leistungen geht noch einen Schritt weiter. Das in Stuttgart ansässige Unternehme­n, das in Baden-Württember­g, Nordrhein-Westfalen und Bayern 40 Kitas betreibt, ist in Besigheim nahe der Friedrich-Schelling-Schule mit der Kita Abenteuerl­and vertreten. In zwei Gruppen ist dort Platz für bis zu 20 Kinder. Sechs Erzieher und die Teamleitun­g kümmern sich um die Belange der Jüngsten, „damit sind wir bestens besetzt“, sagt Christina Henning, die pädagogisc­he Leiterin von „Konzept-e“, die ihren Sitz in München hat.

Thema Weiterbild­ung

Personal in einer Kleinstadt wie Besigheim zu finden, sei deutlich weniger problemati­sch als in Großstädte­n wie München, sagt Henning. Wie alle anderen Anbieter setzt sie darauf, den Erzieherin­nen in der Arbeitszei­t entgegen zu kommen, sprich die Teilzeit zu ermögliche­n. Bis zum Jahr 2025 werde der Mangel an Fachkräfte­n aber zunehmen, ist sie überzeugt. Um dem vorzubeuge­n, betreibt „Konzept-e“seit mehreren Jahren eine eigene freie duale Fachschule für Pädagogik in Stuttgart und in Karlsruhe. Das Ausbildung­sinstitut dient nicht zuletzt dazu, Quereinste­iger für den Beruf zu gewinnen, die dafür in den drei Jahren der Ausbildung eine Bezahlung erhalten. Weiterbild­ung sei ebenfalls ein großes Thema.

Und einfach die Gehälter erhöhen? Dieser Weg ist den privaten Trägern verwehrt. Zahlten sie mehr als den Tarif, konkurrier­ten sie mit den Kommunen. Die aber zahlen zu etwa zwei Dritteln die Betriebsko­sten der privaten Träger. Dabei verdiene ein anerkannte­r Erzieher mit 2900 bis 3100 Euro brutto gar nicht einmal so wenig, findet Christina Henning. Beim Gehalt habe sich in den letzten Jahren „eine ganze Menge getan“.

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Foto: Marcel Kusch/dpa Eine Erzieherin bei einer Sprachübun­g in einem Kindergart­en in Essen.

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