Schwe­re Zei­ten für Buch­händ­ler

Bietigheimer Zeitung - - Das Samstagsthema -

Schwer­punkt Literatur Die klei­ne­ren Buch­lä­den in der Re­gi­on müs­sen sich zwi­schen In­ter­net und gro­ßen Ket­ten be­haup­ten. Ai­g­ner in Lud­wigs­burg gibt jetzt auf. Von Hei­di Vo­gel­hu­ber und Uwe Mol­len­kopf

ber Jahr­hun­der­te ha­ben sie Literatur an den Mann und die Frau ge­bracht: die fa­mi­li­en­geführ­ten Buch­hand­lun­gen. Stol­ze 214 Jah­re hat die Tra­di­ti­ons­buch­hand­lung Ai­g­ner in Lud­wigs­burg auf dem Bu­ckel. Doch die Zei­ten für die Buch­lä­den sind schwer ge­wor­den. In Stutt­gart hat vor Kur­zem das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Witt­wer den Zu­sam­men­schluss mit Deutsch­lands größ­ter Buch­han­dels­ket­te Tha­lia ver­kün­det, im ver­gan­ge­nen Jahr gab in Bis­sin­gen die Buch­hand­lung Exli­bris auf. Nun hat es auch Ai­g­ner in Lud­wigs­burg er­wischt. Schlech­te Nach­rich­ten vor den ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Li­te­ra­tur­ta­gen, die an die­sem Sams­tag in Lud­wigs­burg be­gin­nen.

Die Buch­hand­lung Ai­g­ner in der Ar­sen­al­stra­ße 8 war an­fangs von Chris­toph Freid­rich Nast ge­führt wor­den, spä­ter von Adolph Neu­bert und Hein­rich Un­ge­heu­er. 154 Jah­re trug die­ses Buch­fach­ge­schäft dann den Na­men Ai­g­ner. Doch das ge­hört En­de Ja­nu­ar der Ver­gan­gen­heit an. Dann wird die Buch­hand­lung schlie­ßen. „Aus wirt­schaft­li­chen Grün­den“, sagt der 87-jäh­ri­ge Ge­schäfts­füh­rer Her­mann Ai­g­ner im Ge­spräch mit der BZ.

Kei­ne Tha­lia-Über­nah­me

Er be­daue­re es sehr, aber nun ge­he es ihm wie dem Stutt­gar­ter Buch­haus Witt­wer, er müs­se ka­pi­tu­lie­ren. Die Tha­lia-Grup­pe, die 2016 größ­ten­teils vom Her­der-Ver­lag über­nom­men wur­de, sei auf dem Vor­marsch. „Ich hät­te nicht un­gern ge­habt, dass Tha­lia un­se­ren La­den über­nimmt, von mir aus auch un­ter ih­rem Na­men“, sagt Ai­g­ner. Die Lud­wigs­bur­ger Fi­lia­le des Buch-Rie­sen ha­be aber ih­ren Ver­trag in der Kirch­stra­ße ver­län­gert und blei­be dort. Die Buch­hand­lung Ai­g­ner hat­te ver­sucht, mit der Zeit zu ge­hen, um sich ge­gen die on­li­ne agie­ren­den Ver­sand­gi­gan­ten zu be­haup­ten. Ein mo­der­ner In­ter­net­auf­tritt mit der Mög­lich­keit, on­li­ne zu be­stel­len und sich die Wa­re lie­fern zu las­sen so­wie der Wahl zwi­schen tra­di­tio­nel­lem Buch und E-Book konn­te den Buch­la­den aber auch nicht vor dem Bank­rott schüt­zen.„Ein Bo­te fährt seit 15 Jah­ren täg­lich Wa­re aus. Viel­wa­re an Schu­len oder die PH, aber auch an Pri­vat­kun­den im nä­he­ren Um­kreis“, sagt Chris­ti­ne Mac­co, Her­mann Ai­g­ners Nich­te, die auch im Buch­la­den ar­bei­tet. Auch ha­be die Buch­hand­lung deutsch­land­weit kos­ten­los ver­sandt, das müs­se ein Buch­la­den heut­zu­ta­ge, um mit den On­li­ne-Rie­sen mit­zu­hal­ten. „Das muss je­der leis­ten. Ob wir uns das „in der die Kun­den sich hof­fent­lich wohl­füh­len“, per­sön­li­che Ge­sprä­che und Be­ra­tung so­wie Ver­an­stal­tun­gen wie et­wa „Buch&Wein-Aben­de“. „Au­ßer­dem ver­su­che ich, Bü­cher zu emp­feh­len und Ver­la­ge ein­zu­kau­fen, die sich vom Main­stream ab­he­ben wie et­wa Suhr­kamp oder Hoff­mann & Cam­pe so­wie re­gio­na­le Ti­tel, die un­se­re Ver­wur­ze­lung vor Ort un­ter­strei­chen.“

Im ver­gan­ge­nen Som­mer ist die Bü­cher­stu­be um­ge­zo­gen, seit­her be­ob­ach­te er „ei­nen leich­ten Auf­wärts­trend“, sagt Alex­an­der Scheid­wei­ler. Er führt das dar­auf zu­rück, „dass un­ser neu­es La­den­lo­kal von der Haupt­stra­ße aus bes­ser sicht­bar ist und wir ei­ne grö­ße­re Schau­fens­ter­flä­che zur Ver­fü­gung ha­ben“. Die Markt­si­tua­ti­on in Bie­tig­heim-Bis­sin­gen hält er für die vor­han­de­nen Buch­hand­lun­gen für aus­kömm­lich, „auch wenn die be­dau­er­li­che Schlie­ßung von Exli­bris ge­zeigt hat, dass der Markt ins­ge­samt schwie­rig ist.“

Ge­fragt nach ei­ner Pro­gno­se, meint Scheid­wei­ler, er glau­be, dass das Ster­ben der klei­nen Buch­hand­lun­gen wei­ter­ge­hen wer­de. „Es wird zwar im­mer klei­ne, lo­kal und re­gio­nal ver­wur­zel­te Buch­hand­lun­gen ge­ben, die sich mit be­son­de­ren Kon­zep­ten, per­sön­li­cher Be­ra­tung, spe­zi­el­ler Aus­wahl oder Ver­an­stal­tun­gen be­haup­ten kön­nen, aber ins­ge­samt be­güns­tigt die all­ge­mei­ne Ent­wick­lung grö­ße­re Spie­ler und den Netz­han­del.“Da­zu tra­ge auch bei, dass die In­ter­net-Af­fi­ni­tät von den nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen er­wart­bar eher zu- als ab­neh­men wer­de. Die­ser Mei­nung ist auch Chris­ti­ne Mac­co von Ai­g­ner: „Es ge­schieht ge­ra­de ein Kul­tur­tech­nik-Wech­sel. Die Ro­ma­ne von ges­tern, sind die Se­ri­en von heu­te.“Nie­mand ha­be un­be­grenzt Zeit, der Nach­wuchs ent­schei­de sich lei­der für Net­flix und ge­gen das Buch. Der Buch­la­den sei ein Treff­punkt ge­we­sen. „Wir ken­nen je­den zwei­ten Kun­den beim Vor­na­men. Aber lei­der hat das nicht ge­reicht“, sagt Mac­co.

Fo­tos: Mar­tin Kalb

Nach mehr als 200 Jah­ren ist Schluss: En­de Ja­nu­ar 2019 schließt die Tra­di­ti­ons­buch­hand­lung Ai­g­ner in der Ar­sen­al­stra­ße in Lud­wigs­burg.

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