Ro­bo­ter er­zeu­gen Licht­kunst

Bietigheimer Zeitung - - Bietigheim-bissingen -

Vor­füh­rung „Wei­ße Zeit“, ei­ne sze­ni­sche In­stal­la­ti­on mit drei Ro­bo­tern und Licht von Joa­chim Flei­scher im Foy­er der Dürr AG in Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, zieht ma­gisch an. Von Su­san­ne Yvet­te Wal­ter

Mensch und Ro­bo­ter ge­hen ge­mein­sam als Künst­ler ans Werk beim Bie­tig­hei­mer Ma­schi­nen­bau-Rie­sen Dürr in der Carl-Benz-Stra­ße. Der Stutt­gar­ter Künst­ler Joa­chim Flei­scher, in der Re­gi­on be­kannt für sei­ne Licht­in­stal­la­tio­nen, the­ma­ti­siert in sei­ner In­stal­la­ti­on bei Dürr mit dem Ti­tel „Wei­ße Zeit“die Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Ro­bo­ter und schafft da­bei in­ein­an­der ge­schich­te­te Schat­ten­räu­me. „Wei­ße Zeit“läuft dort bis zum 27. Ok­to­ber.

Der Dia­log Mensch und Ma­schi­ne ist bei Dürr der Dia­log schlecht­hin. Nun fin­den sich Mensch und Ma­schi­ne zum ers­ten Mal als Künst­ler auf ge­mein­sa­men Ter­rain: Un­ter den Hän­den des Stutt­gar­ter Künst­lers Joa­chim Flei­scher ent­stand im Foy­er des Ma­schi­nen- und An­la­gen-Un­ter­neh­mens ei­ne Wech­sel­wir­kung zwi­schen ihm und drei ein­ar­mi­gen Ro­bo­tern, die wei­ßes Licht auf ei­ne Wand ab­bil­den und kon­stru­ier­te Räu­me aus Me­tall­stä­ben in in­ein­an­der ge­schach­tel­te Schat­ten­kä­fi­ge ver­wan­deln. Und das ist nur ein Bei­spiel für ei­ne Licht-Pro­jek­ti­on in­ner­halb ei­ner neun Mi­nu­ten lan­gen Se­quenz.

Dürr-Mit­ar­bei­ter und vie­le Neu­gie­ri­ge er­leb­ten am Don­ners­tag­abend die­ses Schau­spiel zum ers­ten Mal. Ei­ne rie­si­ge, ge­wölb­te Holz­wand, weiß ge­stri­chen, ein 90 Qua­drat­me­ter gro­ßes Po­dest, dar­auf drei still­ste­hen­de Kom­paktro­bo­ter – die­ses Sze­nen­bild fan­den die rund 150 Gäs­te im Dürr-Foy­er bei der Urauf­füh­rung der ma­schi­nel­len Per­for­mance vor.

Der Be­trach­ter kann kaum nach­voll­zie­hen, was für ein tech­ni­scher Auf­wand sich hin­ter der kon­tu­ren­kla­ren In­stal­la­ti­on ver­birgt. Der La­ckier­spe­zia­list im Pu­bli­kum sieht da schon mehr: An den Ro­bo­ter­ar­men sind kei­ne Lack­zer­stäu­ber, son­dern 575-Watt-Lam­pen an­ge­bracht. Per Maus­klick wech­selt die In­stal­la­ti­on von Still­stand zu Dy­na­mik. Die Ro­bo­ter wer­fen ihr Licht auf die Wand. Die Be­we­gung lässt stän­dig wech­seln­de Licht­mus­ter ent­ste­hen. Was spie­le­risch aus­sieht, ist das Er­geb­nis an­spruchs­vol­ler tech­ni­scher Ar­beit. Joa­chim Flei­scher hat die Ro­bo­ter­steue­run­gen, von de­nen die Be­we­gun­gen aus­ge­hen, nach sei­nen Vor­stel­lun­gen zu­sam­men mit Ex­per­ten von Dürr pro­gram­miert. Seit Wo­chen ar­bei­te­te er im Dürr-Foy­er dar­an. Das mach­te auch die Mit­ar­bei­ter neu­gie­rig.

Kä­fi­ge und Qua­der

Auch bei der Ver­nis­sa­ge ist der Künst­ler da­bei, und je­der spürt sei­ne Fas­zi­na­ti­on für das Me­di­um Licht und für die neue Idee, de­ren Um­set­zung viel Ener­gie auch von Com­pu­ter­fach­kräf­ten bei Dürr vor­aus­ge­setzt hat. Joa­chim Flei­scher durf­te hier in die Mon­ta­ge­hal­len und mit den La­ckier­r­o­bo­tern ar­bei­ten. Da­zu er­klingt me­tal­lisch und doch me­di­ta­tiv Mu­sik von Ma­ri­us Als­le­ben. Ganz ru­hig scan­nen die Ro­bo­ter die Ge­gen­stän­de: Me­tall­kä­fi­ge, Qua­der aus Glas und ein Netz an ei­nem Stab – wie ein Wind­ge­ber. An der Wand er­schei­nen Bil­der, die sich wei­ter­ent­wi­ckeln aus der Pro­jek­ti­on her­aus.

In ei­ner Fo­to­se­rie in der Städ­ti­schen Ga­le­rie nä­her­te sich Flei­scher be­reits dem The­ma Mensch und men­schen­ähn­li­che Ma­schi­ne – mit ih­ren „Glied­ma­ßen“und ih­ren Be­we­gun­gen wir­ken die drei Ro­bo­ter fast le­ben­dig. Das wirft Fra­gen auf und ge­nau das woll­te der Künst­ler pro­vo­zie­ren. Un­ter dem Ti­tel „Wei­ße Zeit“klingt auch an, wie sich die Ef­fi­zi­enz im Ro­bo­ter­bau auf al­le Be­rei­che des mensch­li­chen Le­bens aus­brei­tet.

Längst hat der Ro­bo­ter auch die Kunst er­reicht. Wel­che Rol­le spielt er dar­in? Ist er mehr als ein Sta­tist und ein Er­fül­lungs­ge­hil­fe? Mau­sert er sich gar zum Darstel­ler und Draht­zie­her? Hier ist ein le­ben­di­ges Bei­spiel da­für, wie er die Gestal­tung von Zeit und Raum über­nimmt.

Als die Idee der Ro­bo­ter­kunst im Rah­men des Pro­jekts „Dreh­mo­ment“der Kul­tur­re­gi­on vor ei­ni­gen Mo­na­ten an Dürr her­an­ge­tra­gen wur­de, muss­te Dr. Hans Schu­ma­cher, Vor­stands­mit­glied der Dürr Sys­tems AG, nicht lan­ge über­le­gen: „Es war klar, dass wir den Künst­ler un­ter­stüt­zen und ihm die Ro­bo­ter und un­ser Ge­bäu­de zur Ver­fü­gung stel­len. Sein Werk nutzt die Be­weg­lich­keit und Dy­na­mik der Ro­bo­ter in be­ein­dru­cken­der Wei­se.“

Fo­to: Mar­tin Kalb

Drei Ro­bo­ter mach­ten ei­ne von Joa­chim Flei­scher ge­plan­te Licht-Per­for­mance bei der Dürr AG in Bis­sin­gen Bis­sin­gen.

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