End­sta­ti­on für Rom­mels Au­to

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Jo­sef Schun­der

Der Wa­gen von Stutt­garts Alt-OB wird aus­ge­stellt – und ver­stei­gert

Im Stadt­mu­se­um be­ginnt bald ei­ne Son­der­aus­stel­lung über Stutt­garts frü­he­ren Ober­bür­ger­meis­ter Man­fred Rom­mel. Sein „Ba­by-Benz“von 1983 spielt da­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le. STUTT­GART. Er ist ein stil­ler Star. Ziem­lich un­auf­fäl­lig in ei­ne Ecke ge­stellt, in sei­ner Ga­ra­ge nur von hin­ten zu be­trach­ten: der Mer­ce­des 190 E mit dem Kenn­zei­chen S­EW 8892. Es ist der ers­te „Daim­ler“, den der da­ma­li­ge Stutt­gar­ter Ober­bür­ger­meis­ter Man­fred Rom­mel (CDU) 1983 er­wor­ben hat. Und wenn es denn stimmt, dass die Wahl des Au­to­mo­bils viel über den Be­sit­zer aus­sagt, dann ist hier, auf der zwei­ten Eta­ge des Stutt­gar­ter Stadt­mu­se­ums, schon ziem­lich viel über Rom­mel ge­sagt: Der Wa­gen aus Rom­mels neun­tem Amts­jahr war schon da­mals kein biss­chen ex­tra­va­gant. Der „Ba­by­Benz“stand für Qua­li­tät, aber auch für Be­schei­den­heit. Die Son­der­aus­stat­tung blieb über­schau­bar: Schie­be­dach und elek­tri­sche Fens­ter­he­ber. An­de­re Ober­bür­ger­meis­ter von Groß­städ­ten fuh­ren längst statt­li­che­re Schlit­ten. Ganz zu schwei­gen da­von, dass Rom­mels Vor­gän­ger Ar­nulf Klett gern in ei­nem Por­sche ge­ses­sen war.

„So ein Au­to wie die­sen Mer­ce­des hät­te da­mals auch schon ein Amts­lei­ter oder ein klei­ner Be­am­ter fah­ren kön­nen“, sagt Frank Lang, Ku­ra­tor der Man­fred­Rom­mel­Son­der­aus­stel­lung, die vom 14. De­zem­ber bis 12. Mai be­sucht wer­den kann.

Ei­nen Mer­ce­des wie den von Rom­mel fuh­ren da­mals auch an­de­re städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter

Lang hat den Wa­gen ganz be­wusst aus Rom­mels Hei­mat­be­zirk Sil­len­buch ins Stadt­pa­lais ge­holt – und spe­zi­ell in die­se Ecke des Aus­stel­lungs­be­reichs. Dort ist die The­men­in­sel, mit der Rom­mels schwä­bi­sche Na­tur ins Ram­pen­licht ge­rückt wer­den soll – wes­halb ne­ben der Ga­ra­ge das Fo­to ei­ner hal­ben But­ter­b­re­zel zu se­hen ist. An­ders­wo im Raum geht es na­tür­lich noch um ganz an­de­re Fa­cet­ten von Rom­mels Per­sön­lich­keit und Re­gent­schaft. Hier aber geht es um Rom­mel, den Spar­sa­men, in des­sen Amts­zeit von 1975 bis 1996 die hal­be Bre­zel ja zum Sym­bol von Stutt­garts herz­li­cher, aber kos­ten­be­wuss­ter Gast­freund­schaft wur­de.

Ganz oh­ne Nach­druck aus dem Haus Mer­ce­des­Benz hät­te Rom­mel (1928­2013) den Wa­gen in beige­me­tal­lic wohl nicht er­wor­ben. Vor­stands­chef Wer­ner Nie­fer hat­te, wann im­mer er Rom­mels bis da­hin be­nutz­ten post­gel­ben VW 1600 Va­ri­ant er­blick­te, auf den Um­stieg ge­drängt. Man­che be­haup­ten so­gar, Nie­fer ha­be ab und an mit ei­nem Fuß­tritt ge­gen den VW des­sen Ver­gäng­lich­keit be­schleu­ni­gen wol­len. Was Rom­mel ver­mut­lich nicht küm­mer­te. Denn Del­len und Krat­zer am Au­to juck­ten ihn nicht. „Die sind doch wie ein Sä­bel­hieb, der den Corps­stu­den­ten ehrt“, sag­te er.

Sein lang­jäh­ri­ger Pres­se­spre­cher Klaus Die­ter­le (91) be­zeugt so­gar: „Rom­mel hat­te kein rich­ti­ges Ver­hält­nis zum Au­to, und das ge­fiel den Her­ren bei Daim­ler si­cher nicht.“Sein Chef ha­be auch zu an­de­ren ma­te­ri­el­len Gü­tern und zum Geld kein in­ni­ge Be­zie­hung ge­habt: „Er war halt ein Mann des Geis­tes, des über­le­ge­nen Geis­tes.“Und es stim­me schon, dass man Rom­mel zum Er­werb des Ba­by­Ben­zes ha­be über­re­den müs­sen. „Man sag­te ihm da­mals: Herr Rom­mel, das geht

Rom­mels letz­ter Wa­gen: ein Mer­ce­des 190 E, in spä­te­ren Jah­ren mit ei­nem ge­re­gel­ten Wurm-Ka­ta­ly­sa­tor von ei­nem Stutt­gar­ter Tüft­ler nach­ge­rüs­tet Fo­to: Licht­gut/Leif Piechow­ski

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.