Haus­be­set­zung: Buß­geld ge­gen Be­sit­zer

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Sven Hahn

Stadt lei­tet Ver­fah­ren ge­gen Ei­gen­tü­mer in Hes­lach ein

STUTT­GART. Es geht um ein sper­ri­ges Wort – das so­ge­nann­te Zwe­ck­ent­frem­dungs­ver­bot. Dem­nach darf Wohn­raum in Stutt­gart nicht län­ger als sechs Mo­na­te un­be­grün­det leer ste­hen. Ist das doch der Fall, droht dem Ei­gen­tü­mer der frag­li­chen Im­mo­bi­lie ein Buß­geld. Ak­tu­ell hat die Stadt­ver­wal­tung ein neu­es Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Be­son­ders bri­sant ist die­ser spe­zi­el­le Fall, weil es sich aus­ge­rech­net um die Woh­nun­gen han­delt, die im Früh­jahr die­ses Jah­res be­setzt wa­ren. An­lie­gen der Haus­be­set­zer war es, auf den Leer­stand von Wohn­raum auf­merk­sam zu ma­chen. Die Stadt­ver­wal­tung be­stä­tigt die In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung. Stadt­spre­cher Sven Ma­tis er­klärt: „Das Bau­rechts­amt der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart hat ge­gen die Ei­gen­tü­mer von Woh­nun­gen in der Wil­helm­Ra­a­be­Stra­ße 4 ein Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.“Grund­la­ge sei die Sat­zung zum Zwe­ck­ent­frem­dungs­ver­bot.

Man ha­be den Ei­gen­tü­mern die Ge­le­gen­heit ein­ge­räumt, sich bis zum 10. Ja­nu­ar zu den „ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen zu äu­ßern“, so Ma­tis wei­ter. Die Ei­gen­tü­mer müss­ten bei­spiels­wei­se nach­voll­zieh­bar er­klä­ren, „wann und wie die Woh­nun­gen wie­der be­zugs­fer­tig ge­macht wer­den“.

Die Frist, bis zu der die Woh­nun­gen neu ver­mie­tet wer­den muss­ten, war An­fang De­zem­ber ab­ge­lau­fen. Zu die­sem Zeit­punkt stan­den die Ein­hei­ten nach dem Wis­sen der Stadt nach­weis­lich min­des­tens sechs Mo­na­te leer, heißt es aus der Ver­wal­tung. Auch ein fix er­teil­ter Auf­trag an Hand­wer­ker für die Sa­nie­rung der Woh­nun­gen, hät­te dem Ge­setz nach ei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung.

Doch wie hoch wird das Buß­geld aus­fal­len? Im Ge­setz ist ei­ne Ober­gren­ze von 50 000 Eu­ro de­fi­niert. Aus der Ver­wal­tung heißt es, man se­he il­le­ga­len Woh­nungs­leer­stand kei­nes­falls als Ka­va­liers­de­likt an. Ex­per­ten rech­nen da­mit, dass die Ver­wal­tung das Buß­geld im un­te­ren vier­stel­li­gen Be­reich fest­set­zen wer­de. Das Zwe­ck­ent­frem­dungs­ver­bot wur­de vom Ge­mein­de­rat am 3. De­zem­ber 2015 be­schlos­sen. Nach An­ga­ben von Stadt­spre­cher Sven Ma­tis hat die Ver­wal­tung seit Ein­füh­rung des Ver­bots in Stutt­gart zwei Buß­geld­be­schei­de er­las­sen: „Be­mer­kens­wert ist, dass die meis­ten Ver­fah­ren nicht zu ei­nem Buß­geld­be­scheid füh­ren. Die Adres­sa­ten zei­gen sich meist ko­ope­ra­tiv. Das ist durch­aus als Er­folg zu wer­ten.“Zum Ver­gleich: Die Stadt Mün­chen hat al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr Buß­gel­der in Hö­he von 851 110 Eu­ro ein­ge­nom­men.

Der An­walt der Hes­la­cher Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer war trotz mehr­fa­cher An­fra­ge un­se­rer Zei­tung nicht zu er­rei­chen. Als die Ei­gen­tü­mer An­fang No­vem­ber erst­mals mit ei­nem dro­hen­den Buß­geld kon­fron­tiert wa­ren, hat­te ihr An­walt, Erik Sil­cher, ge­sagt: „Ein Buß­geld scheint mir über­trie­ben.“

Die Hau­be­set­zung war in der Stadt kon­tro­vers dis­ku­tiert wor­den. Re­cher­chen un­se­rer Zei­tung zu­fol­ge wa­ren Tei­le der links­ex­tre­men Sze­ne in die Be­set­zung in­vol­viert. Die Haus­be­set­zer wa­ren zu­dem von der Frak­ti­on SÖS/Lin­ke­plus im Ge­mein­de­rat un­ter­stützt wor­den. Am an­de­ren En­de des po­li­ti­schen Spek­trums wur­de die Räu­mung des be­setz­ten Hau­ses durch die Po­li­zei hin­ge­gen be­grüßt. „Da ha­ben wir heu­te in Stutt­gart ein kla­res Zei­chen ge­setzt“, sag­te Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) am Tag der Räu­mung. „Sol­che rechts­frei­en Räu­me wird es in Ba­den­Würt­tem­berg nicht ge­ben – an­ders als in an­de­ren Bun­des­län­dern.“

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