Ein „un­spek­ta­ku­lä­rer“Haus­halt

Bietigheimer Zeitung - - Das Samstagsthema -

Kreis­tag Ge­gen die Stim­men von Grü­nen und Lin­ke ist der Kreis­haus­halt 2019 ver­ab­schie­det wor­den. Der Plan des Land­rats, mit Mehr­ein­nah­men das Kli­ni­kum zu un­ter­stüt­zen, schei­tert. Von Frank Rup­pert Im Ent­wurf hat­ten wir ein Plus von 2,9 Mil­lio­nen Eu­ro, nun ha­ben wir ein leich­tes De­fi­zit.

Die Kreis­um­la­ge war ei­nes der be­stim­men­den The­men bei der Kreis­tags­sit­zung zur Ver­ab­schie­dung des Kreis­haus­halts am Frei­tag. Zur Er­in­ne­rung: Lud­wigs­burgs Land­rat Dr. Rai­ner Haas und sei­ne neue Fi­nanz­de­zer­nen­tin Bettina Beck hat­ten im Ent­wurf den Bei­be­halt des Kreis­um­la­ge­sat­zes von 28 Pro­zent an­ge­dacht, ob­wohl 27,5 Pro­zent für die Fi­nan­zie­rung des Haus­halts aus­rei­chend sind. Die 4,2 Mil­lio­nen Eu­ro Mehr­ein­nah­men soll­ten beim Schul­den­ab­bau des Kli­ni­kums hel­fen.

Die­ser Vor­stoß traf in den Vor­be­ra­tun­gen zum Kreis­haus­halt in den Gre­mi­en des Kreis­tags auf we­nig Ge­gen­lie­be. Die Ver­tre­ter der Ge­mein­den woll­ten die­se lie­ber ent­las­ten, und so muss­te Haas in den sau­ren Ap­fel bei­ßen und sei­nen Ent­wurf über­ar­bei­ten mit 27,5 Pro­zent Kreis­um­la­ge. Auch ei­ni­ge Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen ha­ben sich seit dem Ent­wurf im Ok­to­ber ver­än­dert. „Im Ent­wurf hat­ten wir ein Plus von 2,9 Mil­lio­nen Eu­ro, nun ha­ben wir ein leich­tes De­fi­zit von 173 525 Eu­ro“, sag­te der Land­rat zu Be­ginn des Ta­ges­ord­nungs­punkts Haus­halt. Er­trä­gen von 691,16 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen Auf­wen­dun­gen von rund 691,34 Mil­lio­nen ge­gen­über. Größ­ter Aus­ga­ben­pos­ten ist da­bei mit gut 435 Mil­lio­nen Eu­ro der Be­reich So­zia­les und Kul­tur.

Bei den Re­den schwang dann im­mer die Kreis­um­la­ge mit. So er­klär­te et­wa Man­fred Hol­len­bach (CDU), dass sei­ne Frak­ti­on für die 27,5-Pro­zent-Re­ge­lung sei, trotz­dem soll­ten künf­ti­ge Über­schüs­se im Kreis­haus­halt zum Ab­bau der Schul­den des Kli­ni­kums ge­nutzt wer­den. Ins­ge­samt zeigt er sich dann auch zu­frie­den mit dem Haus­halt „Wer nur die Zah­len sieht, kann be­ru­higt sein.

Dr. Rai­ner Haas Es geht den Kom­mu­nen gut“, sag­te der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Was der Kreis fi­nan­zie­ren müs­se, kön­ne er auch fi­nan­zie­ren. Hol­len­bach lob­te die Wert­schät­zung der Be­rufs­schu­len, die­se sei­en ein Grund für die gu­te Wirt­schaft. Er sprach auch ein wei­te­res zen­tra­les The­ma, ne­ben dem Kli­ni­kum, an: den Nah­ver­kehr. Durch die VVS-Ta­rif­re­form, die Stadt­bahn und Schnell­bus­se in Lud­wigs­burg und die Ver­bes­se­rung des S-Bahn-Net­zes kä­men auch auf den Kreis in den nächs­ten Jah­ren noch sehr ho­he Aus­ga­ben zu. Hol­len­bach war es auch wich­tig zu er­klä­ren, dass der größ­te Teil der Aus­ga­ben für den so­zia­len Be­reich ge­dacht ist. Im Ge­gen­satz zu manch an­ders­lau­ten­den Mei­nun­gen zei­ge dies, dass wir uns im­mer noch in ei­nem So­zi­al­staat be­fän­den und das sei auch gut.

Für die Frei­en Wäh­ler er­klär­te Rai­ner Gess­ler, dass es nun zum Glück et­was Be­we­gung beim ÖPNV ge­be aber: „Die Frei­en Wäh­ler spre­chen sich ge­gen die Ein­füh­rung ei­nes So­zi­al­ti­ckets aus. Der Land­kreis soll nicht Aus­fall­bür­ge des Bun­des sein.“Zur Kreis­um­la­ge äu­ßer­te er sein Un­ver­ständ­nis über den ur­sprüng­li­chen Plan des Land­rats zu 28 Pro­zent: „Das hat uns über­rascht. Das ha­ben wir nicht ver­stan­den.“Man ha­be doch bis­her auch im­mer al­le Son­der­til­gun­gen wahr­ge­nom­men und die Kli­ni­ken un­ter­stützt.

Kom­pli­men­te für den Land­rat gab es we­gen der Be­rufs­schu­len. Wo an­de­re Krei­se Sa­nie­rungs­staus be­klag­ten, wer­de in Lud­wigs­burg sei vie­len Jah­ren in die Ge­bäu­de­sa­nie­rung in­ves­tiert. „Es wer­den zu we­nig Woh­nun­gen ge­baut, ganz be­son­ders So­zi­al­woh­nun­gen. Die Nach­fra­ge treibt die Prei­se nach oben“, sag­te Gess­ler und sprach da­mit wohl al­len Kreis­tags­kol­le­gen aus der See­le. In der Ver­gan­gen­heit sei­en schwe­re Feh­ler ge­macht wor­den, und das ba­de man nun aus. Im­mer­hin ha­be das Land­rats­amt die Her­aus­for­de­rung an­ge­nom­men und leis­te ei­nen wich­ti­gen Bei­trag mit der Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de.

Die Woh­nungs­not nahm auch Bie­tig­heim-Bis­sin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Kes­sing als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD ins Vi­sier. Er be­klag­te, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für neu­en Wohn­raum im­mer schwie­ri­ger wür­den und es die Kom­mu­nen da­her schwer hät­ten. Be­züg­lich

Jür­gen Kes­sing der Kreis­um­la­ge sag­te Kes­sing: „Wir ha­ben durch die 27,5 Pro­zent zwar re­la­tiv ge­se­hen ei­ne ge­rin­ge­re Um­la­ge, aber ab­so­lut er­hält der Land­kreis doch mehr Geld als in den Jah­ren zu­vor.“Da­mit spiel­te er auf die gu­te Fi­nanz­la­ge der Ge­mein­den an. Für Kes­sing liegt ein Fo­kus auch auf der Ver­bes­se­rung des ÖPNV, denn der sei nicht gut. „Der ÖPNV ist auf Stutt­gart zen­triert, die Qu­er­ver­bin­dun­gen sieht man nicht“, so der OB. Wie sei­ne Vor­red­ner si­cher­te er Un­ter­stüt­zung beim Schul­den­ab­bau der Kli­ni­ken zu.

Bri­git­te Mu­ras von den Grü­nen sag­te, dass für ih­re Frak­ti­on die Dis­kus­si­on um die Kreis­um­la­ge „ein jähr­lich wie­der­keh­ren­des Trau­er­spiel“sei. Wie „Die Lin­ke“spra­chen sich auch die Grü­nen für 28 Pro­zent aus. Sie se­he die Ge­fahr, dass in den Fol­ge­jah­ren sonst ein Sprung auf 31 Pro­zent not­wen­dig sei. Sie kri­ti­sier­te CDU, Freie Wäh­ler, SPD und FDP da­für, den ge­rin­gen Satz zu for­dern und „ih­re Mus­keln spie­len zu las­sen“.

Den häu­fig ge­brauch­ten Be­griff des un­spek­ta­ku­lä­ren Haus­halts nahm auch die FDP in den Mund. Bei den Kli­ni­ken gel­te es den ho­hen Stan­dard zu hal­ten und künf­ti­ge Über­schüs­se aus dem Kreis­haus­halt zur Schul­den­til­gung zu ver­wen­den.

Ei­nen so­li­den Ent­wurf, der al­ler­dings die Sor­gen und Nö­te ei­nes wach­sen­den Teils der Be­völ­ke­rung nicht be­ach­te, sah die Frak­ti­on der Lin­ken. Wie die Grü­nen stimm­ten sie dem Haus­halt mit der Kreis­um­la­ge in Hö­he von 27,5 Pro­zent nicht zu, so dass der Haus­halt des Krei­ses nur mehr­heit­lich mit den Stim­men der an­de­ren Frak­tio­nen ver­ab­schie­det wur­de.

Der ÖPNV ist auf Stutt­gart zen­triert, die Qu­er­ver­bin­dun­gen sieht man nicht.

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