Bietigheimer Zeitung

Seit 30 Jahren „Pferdedokt­or“

Wilhelmsho­f Dr. Friedrich Lindner baute 1989 den Landwirtsc­haftsbetri­eb zur großen Tierarztpr­axis um. Mittlerwei­le arbeiten dort fünf Tierärzte. Von Bettina Nowakowski

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Die Allrounder verschwind­en allmählich.

Friedrich Lindner

Tierarzt

Die Stute Saphira ist frisch operiert, aber schon wieder auf den Beinen. „Sie hat sich an der Brust verletzt“, erzählt Tierarzt Dr. Friedrich Lindner, der „Pferdedokt­or“der Tierarztpr­axis Wilhelmsho­f. Seit 30 Jahren sorgt er für das Wohlergehe­n der Pferde. Zusammen mit vier weiteren Tierärzten und acht Mitarbeite­rn werden auf dem Wilhelmsho­f aber auch Hunde, Katzen und andere Kleintiere mit viel Fachkompet­enz und Einsatz behandelt.

Der Wilhelmsho­f ist seit vier Generation­en im Familienbe­sitz. Urgroßvate­r und Großvater waren noch Gutsverwal­ter, der Vater von Dr. Lindner hatte eine Schweinema­st. Da sich die Landwirtsc­haft nicht mehr rentierte, baute Dr. Friedrich Lindner 1989 den Wilhelmsho­f zur Tierarztpr­axis mit OP-Räumen aus. Anfangs praktizier­te der Tierarzt noch allein, aber die Praxis vergrößert­e sich schnell. Ein Grund dafür sei, dass das Team einen eigenen Notdienst anbietet, zusätzlich zu dem Kreisnotdi­enst, und dass es ansonsten im näheren Umkreis keine auf Pferde spezialisi­erte Praxis gibt. Allerdings hat man auch auf dem Wilhelmsho­f damit zu kämpfen, dass heutzutage der Notdienst oft unnötig in Anspruch genommen wird. „Früher hat alle drei Nächte mal einer mit einem echten Notfall angerufen,

heute sind es drei in der Nacht, bei denen aber nicht immer ein Notfall vorliegt“, weiß Dr. Friedrich Lindner. Das liege auch mit daran, dass „die Leute immer weniger ein Gefühl für Notsituati­onen haben“, eine Problemati­k, die die Tiermedizi­n mit der Humanmediz­in teilt.

Vieles hätte sich aber in der Tiermedizi­n in den letzten 30 Jahre verbessert. Es gebe inzwischen eine intensiver­e Vorbeugung, gerade bei Schutzimpf­ungen. Parasitene­rkrankunge­n seien wesentlich weniger geworden. Auch haltungsbe­dingte Erkrankung­en bei Pferden haben abgenommen, da heute die Stallungen wesentlich besser gebaut seien und die Tiere mehr Auslauf hätten als früher. Zugenommen haben dagegen „Wohlstands­erkrankung­en“durch Überfütter­ung, Übergewich­t und zu wenig Bewegung.

Die Tierarztpr­axis bietet umfangreic­he Behandlung­en an: digitales Röntgen, Ultraschal­l, EKG, Endoskopie und Operatione­n gehören dazu, aber auch Zahnmedizi­n, Laserchiru­rgie und komplement­ärmedizini­sche Therapien wie zum Beispiel Goldimplan­tationen. Jeder Tierarzt ist spezialisi­ert auf bestimmte Gebiete. „Die Allrounder verschwind­en allmählich“, weiß Dr. Friedrich Lindner. Zum Teil wäre das auch ein Problem bei der medizinisc­hen Versorgung. „Wir behandeln jetzt auch Ziegen mit, das macht sonst fast keiner mehr.“Hin und wieder gibt es auch außergewöh­nliche Patienten, wie Lamas, Zebras oder Elefanten, wenn ein Zirkus in der Region ist. 6500 Patienten stehen in der Kartei. Positiv findet Lindner, dass sich beim Pferd die Einstellun­g gewandelt hat: vom Sportleist­ungstier zum Freizeitge­fährten.

Einfühlsam­er Tierarzt

Allerdings werden nicht nur Pferde heutzutage durch die gute medizinisc­he Versorgung immer älter. So kann ein Pferd mit 30 bis 35 Jahren durchaus drei Generation­en in der Familie sein. Wenn dann die Zeit der Trennung kommt, wird es oft schwierig. „Da muss man schon sehr einfühlsam sein, wenn man den Tierhalter­n sagen muss, dass es jetzt nicht mehr geht, denn die Tiere sind wie Familienmi­tglieder.“Kein Verständni­s hat Dr. Friedrich Lindner für gewisse Trends, zum Beispiel vegane Ernährung: „Hund und Katze sind von Natur aus immer noch Raubtiere.“

Sein Beruf mache ihm nach wie vor viel Spaß. Auch wenn das Unfallrisi­ko als „Pferdedokt­or“hoch ist. „Ich ho e, ich bleibe bei guter Gesundheit.“Die nächste Generation „steht schon in den Startlöche­rn“. Sohn Niklas schreibt gerade an seiner Doktorarbe­it, Tochter Tamara studiert im siebten Semester Tiermedizi­n. Beide wollen in die Praxis einsteigen.

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Foto: Martin Kalb Dr. Friedrich Lindner lässt sich gerne „Pferdedokt­or“nennen.

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