Schloss­feld-Be­woh­ner ma­chen ih­rem Är­ger Lu

Bön­nig­heim Der In­fo­abend zu mög­li­chen „Hoff­nungs­häu­sern“wur­de zur Ge­ne­ral­ab­rech­nung mit dem Wohn­ge­biet, das aus Sicht der Be­woh­ner vie­les ver­mis­sen lässt. Von Uwe Deecke

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e -

Bön­nig­heim. Der In­fo­abend zu mög­li­chen „Hoff­nungs­häu­sern“wur­de zur Ge­ne­ral­ab­rech­nung mit dem Wohn­ge­biet, das aus Sicht der Be­woh­ner vie­les ver­mis­sen lässt.

Die Turn- und Fest­hal­le war am Don­ners­tag mit über 250 Teil­neh­mern kom­plett be­setzt. Das The­ma des Abends, die Idee der „Hoff­nungs­häu­ser“im Schloss­feld, hat­te schon im Vor­feld für Auf­re­gung ge­sorgt, denn es kur­sier­ten wil­de Ge­rüch­te um die Hoff­nungs­trä­ger-Stif­tung, die es aus­zu­räu­men galt. von Flücht­lin­gen geht. Hier­her soll­ten Men­schen, die aus der An­schluss­un­ter­brin­gung kom­men und mit ei­ge­nem Miet­ver­trag die ers­ten Schritte in ein selbst­be­stimm­tes Le­ben ver­su­chen. Die Hälf­te der 16 Woh­nun­gen soll Flücht­lin­gen zur Ver­fü­gung ste­hen, die an­de­re je­nen Be­dürf­ti­gen, die mit Wohn­be­rech­ti­gungs­schein drin­gend ei­ne Blei­be suchen. 30 bis 35 Be­woh­ner soll ein Haus ha­ben, be­glei­tet wer­den sie von ei­nem Stand­ort­lei­ter, der sich um die täg­li­chen Pro­ble­me küm­me­re. „Die Aus­wahl der Mie­ter pas­siert in ei­nem ge­mein­sa­men Pro­zess mit der Stadt“, er­klär­te Witz­ke.

Das Pro­jekt wer­de ge­för­dert durch das „För­der­pro­gramm Wohn­bau“, das den Miet­preis auf 30 Jah­re 33 Pro­zent un­ter der orts­üb­li­chen Mie­te fest­legt. Am Stand­ort Leon­berg sei­en al­le Be­woh­ner in Voll­be­schäf­ti­gung, mach­te er deut­lich. Auch die Ent­fer­nun­gen sei­en mach­bar vom Schloss­feld zur Stadt, die rund 1,5 Ki­lo­me­ter ent­fernt lie­ge.

„Flücht­lings­un­ter­brin­gung ist nicht das Ziel“, er­klär­te Bür­ger­meis­ter Al­brecht Dau­tel zu Be­ginn. Der der­zei­ti­ge Woh­nungs­markt und stei­gen­de Mie­ten mach­ten es schwer, ei­ne Woh­nung zu fin­den. „Dem wol­len wir mit miet­preis­ge­bun­de­nem Woh­nen ent­ge­gen­tre­ten“, un­ter­strich der Rat­haus­chef.

Sor­gen der Schloss­feld­be­woh­ner

Die Dis­kus­si­on be­gann zäh, doch dann ka­men im­mer mehr Fra­gen der Teil­neh­mer, die zu ei­nem gro­ßen Teil aus dem Schloss­feld und der dor­ti­gen Bür­ger­initia­ti­ve ka­men. „Wir sol­len jetzt auf un­se­re Kos­ten be­zahl­ba­ren Wohn­raum schaf­fen. Wer ga­ran­tiert, dass hier nur Fa­mi­li­en mit Kin­dern ein­zie­hen?“, woll­te ei­ne An­woh­ne­rin wis­sen. Man ha­be bei der Un­ter­brin­gung in der Bis­marck­stra­ße kei­ne schlech­ten Er­fah­run­gen ge­macht, so Dau­tel, so ein be­glei­te­tes Pro­jekt sei bes­ser als auf der „grü­nen Wie­se“. Dass die Häu­ser­prei­se fal­len, wie von vie­len be­fürch­tet, sei in Leon­berg nicht ein­ge­tre­ten, er­klär­te Witz­ke. Dort sei­en in der Nach­bar­schaft eben­so hoch­prei­si­ge Häu­ser ge­baut wor­den wie an­ders­wo.

„Was pas­siert, wenn hier IS-Kämp­fer und Pä­do­phi­le re­so­zia­li­siert wer­den und der Kin­der­gar­ten da­ne­ben ist“, frag­te ein wei­te­rer Teil­neh­mer, der von der Ge­mein­de ei­nen Plan B wünsch­te. „Wie sieht kon­kret der Aus­wahl­pro­zess aus?“, woll­te Micha­el Rank von der Initia­ti­ve wis­sen, der sich von der Stadt mehr Trans­pa­renz wünscht und mehr­mals sei­ne Fra­ge wie­der­hol­te.

Es ge­be sechs Mo­na­te vor Er­öff­nung ei­ne ers­te Aus­wahl­run­de, da­nach wer­de zu­sam­men mit der Stadt ent­schie­den wel­che Mi­schung von Leu­ten hier am bes­ten funk­tio­nie­re, er­klär­te Witz­ke. Es sei­en kei­ne Ge­heim­ver­hand­lun­gen, un­ter­strich Bür­ger­meis­ter Dau­tel, man wer­de das gan­ze vor­her dis­ku­tie­ren und of­fen le­gen. Das Schloss­feld, wo es kei­nen La­den oder ei­ne Bä­cke­rei gibt, ge­riet an­schlie­ßend ins Schuss­feld. „Es gibt kei­nen Aus­tausch, kein Ge­mein­de­le­ben, es ist ein Wohl­stands­ghet­to“, kri­ti­sier­te ei­ne An­woh­ne­rin, die das Pro­jekt un­ter­stützt, aber am fal­schen Stand­ort sieht. Der Ho­fe­ner Pfar­rer Mar­tin Bur­ger ver­wies

35 Be­woh­ner pro Haus Der Vor­stand der Stif­tung „Hoff­nungträ­ger“, Mar­cus Witz­ke, stell­te zu­nächst klar, dass es hier kei­nes­falls um Erst­un­ter­brin­gung Die Aus­wahl der Mie­ter pas­siert in ei­nem ge­mein­sa­men

Pro­zess mit der Stadt.

Mar­cus Witz­ke

Vor­stand der Hoff­nungs­trä­ger-Stif­tung Wir sol­len jetzt auf un­se­re Kos­ten be­zahl­ba­ren Wohn­raum scha en.

Dis­kus­si­ons­bei­trag

ei­ner Schloss­feld-An­woh­ne­rin

auf den öku­me­ni­schen Freun­des­kreis für Flücht­lin­ge, sah den Stand­ort aber auch als schwie­rig an. Vie­les sei pla­nungs­recht­lich nicht be­rück­sich­tigt und vie­le Bön­nig­hei­mer sag­ten: „Das ist ein Ghet­to“.

Ei­gen­tü­mer füh­len sich ge­täuscht Dass fünf­mal der Be­bau­ungs­plan ge­än­dert wur­de und sich die Häus­le­bau­er nun ge­täuscht füh­len, sprach ei­ne wei­te­re Bür­ge­rin an. Äl­te­re Men­schen könn­ten nicht zum Su­per­markt lau­fen, Kin­der spiel­ten auf der Stra­ße, weil es kei­nen Bolz­platz gibt, und der ver­spro­che­ne Tan­te-Em­ma-La­den sei nie ge­kom­men, kri­ti­sier­te ein wei­te­rer Bür­ger. „Nichts ge­gen das Pro­jekt, aber wir ha­ben an­de­re Mög­lich­kei­ten in Bön­nig­heim“, so der Teil­neh­mer.

„Es ist ein Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess, aus die­sem Grund sind wir heu­te da“, fass­te Dau­tel den Abend zu­sam­men. Noch sei über­haupt nichts ent­schie­den und man be­fin­de sich erst in der Pla­nungs­pha­se. Die teils hef­ti­ge Kri­tik am Wohn­ge­biet will er mit­neh­men aus der Veranstalt­ung, die nach zwei­ein­halb St­un­den zu En­de ging.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Gro­ßes In­ter­es­se der Bön­nig­hei­mer Be­völ­ke­rung am In­fo­abend zu den „Hoff­nungs­häu­sern“im Wohn­ge­biet „Schloss­feld“: Mehr als 250 ka­men am Don­ners­tag­abend in die Turn- und Fest­hal­le.

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