Nichts für Prü­gel­kna­ben

Kampf­sport Der ehe­ma­li­ge Kick­box-Welt­meis­ter und heu­ti­ge Kampf­schu­len-In­ha­ber Öz­can Ars­lan aus Sers­heim er­kärt, wor­auf es bei sei­ner Sport­art an­kommt. Von Michae­la Glem­ser

Bietigheimer Zeitung - - Und Umgebung Sachsenhei­m -

it sei­nen Au­gen fi­xiert Öz­can Ars­lan den Box­sack. Plötz­lich schnellt die Hand des Kick­bo­xers nach vor­ne, gleich­zei­tig holt er mit dem Bein aus und tritt mit dem Fuß eben­falls ex­plo­si­ons­ar­tig ge­gen den Sack. Da­zu schreit er kraft­voll und lässt die Wän­de in dem klei­nen Sport­saal sei­ner Kampf­sport­schu­le in Sers­heim er­zit­tern.

Öz­can Ars­lan ist im­mer noch top­fit, auch wenn sei­ne bei­den Welt­meis­ter­ti­tel im Kick­bo­xen nun schon ein paar Jah­re zu­rück­lie­gen. „Kon­di­ti­on, Kraft, Aus­dau­er und ei­ne men­ta­le Ru­he las­sen sich al­le­samt mit Kick­bo­xen trai­nie­ren. Es ent­hält Ele­men­te vom Ka­ra­te und Tae­kwon­do“, er­klärt er.

Auch er selbst hat zu­nächst mit Tae­kwon­do an­ge­fan­gen. „Erst da­nach bin ich zum Kick­bo­xen ge­kom­men, ha­be aber schon mit zehn Jah­ren 1992 mein ers­tes Tur­nier ge­won­nen“, er­in­nert sich Ars­lan, der heu­te ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Ha­san, eben­falls ehe­ma­li­ger Vi­ze-Welt­meis­ter im Kick­bo­xen, die Hwa-Rang Kampf­sport­schu­le in der Met­ter­talge­mein­de be­treibt.

Ju­gend­li­che, die mit 14 oder 15 Jah­ren mit dem Kick­bo­xen an­fan­gen wol­len, ha­ben nach An­sicht des er­fah­re­nen Sport­lers das idea­le Ein­stiegs­al­ter. „Un­se­re Sport­art hat ja manch­mal mit ei­ni­gen Image­pro­ble­men zu kämp­fen, und man­che Jun­gen kom­men,

Mweil sie Schlä­ge er­ler­nen wol­len, um sich bes­ser ver­prü­geln zu kön­nen, be­rich­tet Ars­lan, „sie mer­ken aber sehr schnell, dass un­ser Trai­ning hart ist und wir auf Be­neh­men und ge­gen­sei­ti­gen Re­spekt viel Wert le­gen.“

Er be­zeich­net das Kick­bo­xen manch­mal scherz­haft als „die Sport­art der Welt­meis­ter“, denn es gibt meh­re­re in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Ver­bän­de, die al­le­samt ih­re Welt­meis­ter kü­ren. Im Jahr 2000 wur­de er Welt­meis­ter der World Kick­boxing and Ka­ra­te As­so­cia­ti­on (WKA) – in Louis­vil­le in Ken­tu­cky, USA, in der Ge­burts­stadt von Mu­ham­mad Ali, „mei­nem gro­ßen Vor­bild“, be­tont der ge­bür­ti­ge Sers­hei­mer. Zehn Jah­re spä­ter wie­der­hol­te er im spa­ni­schen Ali­can­te sei­nen Tri­umph. Von sei­nen na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Er­fol­gen zeu­gen die zahl­rei­chen Po­ka­le und Tro­phä­en im Vi­tri­nen­schrank. Zu Ars­lans Pa­ra­de­dis­zi­pli­nen ge­hör­ten das klas­si­sche Voll­kon­takt-Kick­bo­xen so­wie das Po­int­fight­ing (sie­he In­fo­box).

Kick­bo­xen ist bei Frau­en und Män­nern glei­cher­ma­ßen be­liebt. Die Kick­box-Schü­ler der Sers­hei­mer Kampf­sport­schu­le sind zwi­schen 14 und 60 Jah­ren alt. Rund 60 Pro­zent da­von sind Män­ner und 40 Pro­zent sind Frau­en. „Sie kom­men aus al­len ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten. Ge­ra­de Ju­gend­li­che, die sehr un­ru­hig und zap­pe­lig sind, ge­win­nen durch das Kick­box-Trai­ning mehr an in­ne­rer Ru­he und Aus­ge­gli­chen­heit“, er­klärt Ars­lan. Ei­ni­ge sei­ner Nach­wuchs­ta­len­te könn­ten ei­ne viel­ver­spre­chen­de Kar­rie­re vor sich ha­ben. „Sie könn­ten ins Na­tio­nal­team kom­men, aber da­für müs­sen sie trai­nings­flei­ßig sein und da­bei blei­ben.“Er selbst ha­be in sei­ner ak­ti­ven Zeit fünf- bis sechs­mal pro Wo­che, je­weils zwei bis drei St­un­den, trai­niert.

Die ver­schie­de­nen Schlag- und Tritt­kom­bi­na­tio­nen er­ler­nen die Kick­bo­xer im Trai­ning, wo­bei ähn­lich wie beim Bo­xen mit der Führ­hand ge­ar­bei­tet wird und die an­de­re Hand den Schlag er­folg­reich abschließe­n soll. Reich ge­wor­den ist Öz­can Ars­lan, der 2017 sein letz­tes Tur­nier be­stritt, mit sei­nen sport­li­chen Er­fol­gen nicht. Das Kick­bo­xen ge­nießt im­mer noch ein Ni­schen­da­sein. Auch heu­te ar­bei­tet der 37-Jäh­ri­ge ne­ben der Kampf­sport­schu­le als Pro­gram­mie­rer.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Von Mon­tag bis Don­ners­tag von 18.30 bis 20 Uhr so­wie von 19 bis 20.30 Uhr fin­det in der Kampf­sport­schu­le Hwa-Rang Kick­box-Trai­ning statt. Neue Sport­ler sind will­kom­men. Die ak­ti­ve Zeit von Öz­can Ars­lan ist vor­bei, aber der Kampf­schu­lenIn­ha­ber kann im­mer noch mäch­tig zu­tre­ten.

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