Straf­zöl­le schmer­zen deut­sche Fir­men

Bietigheimer Zeitung - - Wirtschaft -

Zöl­le Der Han­dels­kon­flikt zwi­schen den USA und der Eu­ro­päi­schen Uni­on spitzt sich zu. Be­trof­fen von den Ab­ga­ben sind vie­le Bran­chen: von Bau­ma­schi­nen-Her­stel­lern bis zu Win­zern. Von Tho­mas Veit­in­ger und Phil­ipp Hrusch­ka USA sind für Werk­zeu­ge der wich­tigs­te Markt.

Als To­bi­as Sch­mitt vor ei­ni­gen Wo­chen die Nach­richt im In­ter­net las, dach­te er nur: „Jetzt hat es uns auch er­wischt.“Auf ei­ner Lis­te der US-Re­gie­rung tauch­ten sei­ne Pro­duk­te auf. Seit Frei­tag 6.01 Uhr muss das Un­ter­neh­men Ad­ler Werk­zeu­ge aus Wag­häu­sel bei Karls­ru­he für Äx­te, Bei­le und Ha­cken 25 Pro­zent mehr Steu­ern ab­füh­ren. „Das trifft uns hart“, klagt der Ge­schäfts­füh­rer. „Wir lie­fern seit drei Jah­ren in die USA. Der Markt hat sich äu­ßerst po­si­tiv ent­wi­ckelt.“War­um er für Air­bus-Sub­ven­tio­nen bü­ßen müs­se, ver­steht der Fir­men­chef nicht.

Die Straf­zöl­le der USA auf EU-Pro­duk­te im Um­fang von 7,5 Mrd. Dol­lar (6,8 Mrd. €) sind ei­ne von der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) ge­bil­lig­te Re­ak­ti­on auf eu­ro­päi­sche Staats­bei­hil­fen für die hei­mi­sche Flug­zeug­in­dus­trie. Der Streit um die Flug­zeu­g­im­por­te hat­te 2004 be­gon­nen, als die US-Re­gie­rung Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Spanien vor­warf, Air­bus il­le­gal zu sub­ven­tio­nie­ren. Die EU hat­te bis zu­letzt ge­hofft, die Zöl­le ab­wen­den zu kön­nen, wie dies bis­lang bei Ab­ga­ben auf Au­tos ge­lun­gen war. Ver­geb­lich.

Un­ter den be­trof­fe­nen Pro­duk­ten (sie­he In­fo) sind Bau­ma­schi­nen mit ei­nem Ex­port­wert von 230 Mio. €, op­ti­sche Tei­le wie Ka­me­ra­lin­sen – und eben Werk­zeu­ge. „Die USA sind mit 8,5 Pro­zent An­teil an den Aus­fuh­ren der deut­schen Werk­zeug­in­dus­trie der wich­tigs­te Ex­port­markt“, sagt Ste­fan Horst, Ge­schäfts­füh­rer Fach­ver­band Werk­zeug­in­dus­trie.

„War­um Zan­gen, aber nicht Schrau­ben­dre­her, war­um Äx­te, aber nicht Häm­mer da­von be­trof­fen sind, ver­ste­hen wir nicht“, sagt Horst. „Viel­leicht sind die se­lek­ti­ven Straf­zöl­le ei­ne Re­ak­ti­on auf den Er­folg der deut­schen Her­stel­ler auf dem US-Markt.“Die be­trof­fe­nen Pro­duk­te könn­ten pro­blem­los wo­an­ders be­schafft wer­den. Dietrich Birk, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands Deut­scher Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau Baden-Würt­tem­berg, hält et­wa die Bau­ma­schi­nen-Be­stra­fung für ei­nen mög­li­chen Schutz des US-Her­stel­lers Ca­ter­pil­lar. Die Lieb­herr, Bosch und Carl Zeiss konn­ten auf An­fra­ge die­ser Zei­tung ei­ne Aus­wir­kung auf ihr Un­ter­neh­men ges­tern nicht be­zif­fern. Spre­cher An­dré Schwarz vom Au­ßen­han­dels­ver­band ver­mu­tet, dass ei­nen Keil zwi­schen die EU-Mit­glieds­staa­ten ge­trie­ben wer­den soll. Ver­hän­ge die EU ih­rer­seits Straf­zöl­le, wer­de sich das „spür­bar auf ei­ni­ge Bran­chen aus­wir­ken“.

Der Ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands Deut­scher Wein­ex­por­teu­re, Chris­ti­an Schwö­rer, spricht von er­heb­li­chen Aus­wir­kun­gen“der Straf­zöl­le auf die deut­schen Win­zer. Die USA sind der wich­tigs­te Ex­port­markt für deut­schen Wein. 17 Pro­zent der ge­sam­ten Ex­port­men­ge und 23 Pro­zent des Ge­samt­wer­tes wer­den dort­hin aus­ge­führt. Be­son­ders die Re­gio­nen Mo­sel und Rhein­hes­sen sei­en mas­siv be­trof­fen.

Die durch die Zöl­le ver­ur­sach­ten Mehr­kos­ten wer­de man nicht im­mer an die End­kun­den wei­ter­ge­ben kön­nen. Auch des­halb er­war­tet Schwö­rer ei­nen er­heb­li­chen Rück­gang der Ge­schäfts­tä­tig­keit. US-Im­por­teu­re sei­en be­reits auf der Su­che nach Al­ter­na­ti­ven. Als für ein­zel­ne Win­zer exis­tenz­be­dro­hend schätzt Schwö­rer die La­ge zu­nächst nicht ein. Bei Be­trie­ben, die sich auf das Ex­port­ge­schäft spe­zia­li­siert ha­ben, sei dies nicht aus­zu­schlie­ßen. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um stimmt sich der­zeit mit der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ab, „um ei­ne Lö­sung im Ver­hand­lungs­we­ge zu er­zie­len.“In we­ni­gen Mo­na­ten könn­te auch die EU durch ei­ne WTO-Ent­schei­dung eben­falls zu Straf­zöl­len er­mäch­tigt wer­den.

Sch­mitt von Ad­ler Werk­zeu­ge will die 25pro­zen­ti­gen zu­sätz­li­chen Zöl­le zu­sam­men mit sei­nem US-Part­ner schul­tern: „Hof­fent­lich geht das nicht vie­le Jah­re lang.“

Fo­to: Si­na Schuldt/dpa

Die Straf­zöl­le der USA tref­fen auch die eu­ro­päi­schen Bau­ma­schi­nen­her­stel­ler.

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