Aus­nahms­wei­se le­ben

Bie­tig­heim-Bis­sin­gen Ka­ba­ret­tist Bru­no Jo­nas rennt mit sei­nem So­lo­pro­gramm „Nur mal an­ge­nom­men“im Bie­tig­hei­mer Kro­nen­zen­trum of­fe­ne Tü­ren ein. Von Susanne Yvet­te Wal­ter

Bietigheimer Zeitung - - Bietigheim-bissingen -

Nur mal an­ge­nom­men“, das neue So­lo­pro­gramm von und mit Bru­no Jo­nas be­han­delt das Le­ben als ei­ne An­nah­me. Vie­le glau­ben, dass sie an­neh­men müs­sen, was ih­nen ge­bo­ten wird. Aber im­mer mehr Men­schen kön­nen nicht mehr glau­ben, dass es so wei­ter ge­hen soll, wie bis­her. Und ge­nau dar­aus strickt Bru­no Jo­nas sein ak­tu­el­les So­lo­pro­gramm. Hu­mor ist, wenn man trotz­dem et­was zu la­chen hat.

Trü­be Stim­mung im Land

Die Stim­mung im Land ist trüb. Das sieht auch Bru­no Jo­nas, der Ka­ba­ret­tist, der ein­fach nichts be­schö­nigt. Po­li­tik­ver­dros­sen­heit hat ih­ren Grund und Bru­no Jo­nas nennt ihn am Sams­tag­abend im Bie­tig­hei­mer Kro­nen­zen­trum beim Na­men. „Im­mer mehr Men­schen ha­ben es satt, von Po­li­ti­kern re­giert zu wer­den, die im­mer nur das Bes­te wol­len, von dem sich im­mer mehr fra­gen, muss das wirk­lich sein?“Die eu­ro­päi­schen Wer­te? Brau­chen wir die? Gibt‘s die über­haupt? Und wenn ja, was sind sie uns wert? Krieg ich sie in der Tür­kei güns­ti­ger? Was kos­tet uns die Ukrai­ne? Dür­fen wir an­neh­men, dass der Is­lam zu Deutsch­land ge­hört oder müs­sen wir uns mit der An­nah­me ver­traut ma­chen, dass Deutsch­land zum Is­lam ge­hö­ren wird?“Das sind die Fra­gen die den Mann mit der spit­zen Zun­ge um­trei­ben. „Vie­le neh­men an, dass Eu­ro­pa ei­ne tol­le Idee ist, der Eu­ro noch lan­ge hal­ten wird, Grie­chen­land ir­gend­wann schul­den­frei sein wird und die CSU auf ewig in Bay­ern an der Macht bleibt“, stellt er fest.

In der Po­li­tik sei­en An­nah­men sehr be­liebt. „Die SPD nimmt an, dass sie ei­ne Volks­par­tei blei­ben wird, selbst wenn sie dem­nächst an der Fünf-Klau­sel schei­tern soll­te, die Grü­nen sind über­zeugt, dass sie die mo­ra­li­sche In­stanz im Lan­de sind und ih­re Ener­gie­wen­de das Welt­kli­ma ret­ten wird, selbst wenn die­se mit dem Ver­kauf von CO2-Rech­ten fi­nan­ziert wird; und über al­le Par­tei­gren­zen hin­weg herrscht die An­nah­me, dass die AfD bald wie­der von der Bild­flä­che ver­schwin­den wird.“

Bru­no Jo­nas macht di­rekt das ge­gen­tei­li­ge Fass auf und fragt: Nur mal an­ge­nom­men, wenn nicht? „Auch ich neh­me an, was ich an­neh­men kann, vor al­lem Päck­chen von DHL, aber nur, wenn ich da­heim bin. Auf mich kann man sich ver­las­sen, zu­min­dest, was die An­nah­men an­geht“, stellt Bru­no Jo­na fest. Al­les lacht. Vie­le ver­brin­gen den Sams­tag­abend gern mit ihm im Bie­tig­hei­mer Kro­nen­saal, weil er an­spricht, was Angst macht. Und: Bru­no Jo­nas macht die­se Angst zum The­ma, die Angst, die man auch Pa­nik­stö­rung nen­nen könn­te. „Sie treibt uns im­mer noch da­zu, uns zu füh­len, als sei ein Sä­bel­zahn­ti­ger hin­ter uns her.“Das Bes­te sind für ihn dann im­mer die

Men­schen, die ihr la­pi­da­res „Du brauchst doch kei­ne Angst zu ha­ben“, als ob man das so steu­ern kön­ne.

Apho­ris­men vor der Pau­se

Und als klei­ne Apho­ris­men vor der Pau­se streut Bru­no Jo­nas die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Wort Flücht­ling ein – es ge­hört ja in­zwi­schen schon fast zum gu­ten Ka­ba­ret­tis­ten­ton, das zu tun. Bru­no Jo­nas kramt da­für aus sei­nem ur­ei­ge­nen Hin­ter­stüb­chen: „Man sagt Flücht­ling sei ne­ga­tiv be­legt, we­gen der End­sil­be ,-ling’. Da ist was dran: Lieb­ling, Trai­ning und erst recht Trau­ring sind für mich auch ne­ga­tiv be­setzt.“

Wei­ter geht‘s im Ka­non der un­er­wünsch­ten Wör­ter. Bru­no Jo­nas macht sich sei­nen Vers auf „Ne­ger“oder „Haus­frau“oder „Gut­mensch“. „Das letz­te klingt ja rechts­po­pu­lis­tisch“, stellt er fest und die La­cher ge­hö­ren ihm. Das Wort „Na­ti­on“sei für Frank­reich re­ser­viert. Und den Is­lam? „Den gibt’s in Deutsch­land ei­gent­lich gar nicht. Deut­sche IS-Kämp­fer gibt es so­gar, aber vom Is­lam wol­len wir in Deutsch­land nichts wis­sen“, be­ob­ach­tet er. Und die Fra­ge „wie­viel is­la­mis­ti­scher Staat gibt’s bei uns, die­se wer­de ganz aus­ge­blen­det. Bru­no Jo­nas räumt die wel­ken Blät­ter von der Le­bens­stra­ße und spricht an, wo es in der Re­pu­blik krankt, weil Wi­der­sprü­che viel zu oft, ein­fach still an­ge­nom­men und ge­dul­det wer­den.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Sein Pro­gramm „Nur mal an­ge­nom­men“prä­sen­tier­te Ka­ba­ret­tist Bru­no Jo­nas im Bie­tig­hei­mer Kro­nen­zen­trum.

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