Der EU steht in Sa­chen Bud­get der nächs­te gro­ße Streit be­vor

Eu­ro­pa Es geht um hun­der­te Mil­li­ar­den Eu­ro und um die Zu­kunfts­fä­hig­keit der EU. Doch ei­ne Ei­ni­gung der Mit­glied­staa­ten auf den nächs­ten Fi­nanz­rah­men ist längst nicht in Sicht.

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Es geht um rund ei­ne Bil­li­on Eu­ro und die Fra­ge, wer das be­zah­len und wo­hin das vie­le Geld flie­ßen soll. All das ver­birgt sich hin­ter ei­nem schnö­den Kür­zel: MFR. Der „mehr­jä­hi­ge Fi­nanz­rah­men“ist die Be­zeich­nung für das EU-Bud­get, das nun für 2021 bis 2027 auf­ge­stellt wer­den soll – und das über nichts we­ni­ger als über die Zu­kunfts­fä­hig­keit der Eu­ro­päi­schen Uni­on ent­schei­den wird.

Viel Zeit zur Ei­ni­gung bleibt nicht, doch die ist nicht in Sicht. Der schei­den­de Kom­mis­si­ons­prä­si­dent der EU, Je­an-Clau­de Juncker, klag­te schon vor Ta­gen, er sei „miss­ver­gnügt“an­ge­sichts des „Ge­plän­kels“zwi­schen Mit­glied­staa­ten, Kom­mis­si­on und Par­la­ment.

Doch auch auf dem jüngs­ten EU-Gip­fel blieb es beim Ge­plän­kel. Es ha­be ei­nen „Ge­dan­ken­aus­tausch über Eck­punk­te des nächs­ten mehr­jäh­ri­gen Fi­nanz­rah­mens“ge­ge­ben, hieß es in der Schluss­er­klä­rung. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) räum­te an­schlie­ßend ein: „Die Dis­kus­si­on hat ge­zeigt, dass wir von ei­ner Ei­ni­gung noch weit ent­fernt sind.“Die oh­ne­hin schwie­ri­ge Auf­ga­be wird mit dem Aus­fall des Net­to­zah­lers Groß­bri­tan­ni­en dies­mal noch kom­pli­zier­ter.

Das lau­fen­de eu­ro­päi­sche Sie­ben­jah­res-Bud­get liegt bei rund ei­nem Pro­zent der EU-Wirt­schafts­leis­tung, Deutsch­land und an­de­re Net­to­zah­ler wol­len es bei die­sem Wert be­las­sen. Die EUKom­mis­si­on

hat da­ge­gen vor­ge­schla­gen, den Rah­men auf 1,114 Pro­zent an­zu­he­ben, das wä­ren rund 1,279 Bil­lio­nen Eu­ro. Das EU-Par­la­ment ver­langt so­gar 1,3 Pro­zent. Die schein­bar mi­ni­ma­len Un­ter­schie­de be­deu­ten mehr­stel­li­ge Mil­li­ar­den­be­trä­ge.

Der Streit tobt aber nicht nur um das Wie­viel, son­dern auch um das Wo­für. Bei ei­ner An­hö­rung im Bun­des­tag am Mon­tag ver­wie­sen meh­re­re Ex­per­ten auf die völ­lig ver­al­te­te Aus­rich­tung der EU mit ih­ren Aus­ga­ben­schwer­punk­ten Agrar- und Re­gio­nal­hil­fen. „Die Bud­get­struk­tur re­flek­tiert eher die Ge­schich­te der EU als ih­re Zu­kunft“, kon­sta­tier­te Fried­rich Hei­nemann vom ZEW-In­sti­tut.

Die künf­ti­ge Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en will die EU da­ge­gen vor al­lem bei Kli­ma­schutz, For­schung und Mi­gra­ti­ons­be­wäl­ti­gung bes­ser auf­stel­len. „Da­mit die­se Prio­ri­tä­ten Po­li­tik wer­den, müs­sen sie sich im MFR wie­der­fin­den“, for­der­te da­her Pie­ter Clep­pe von der Denk­fa­brik Open Eu­ro­pe. Dies funk­tio­nie­re aber nur, wenn es ins­ge­samt mehr Geld ge­be oder die tra­di­tio­nel­len Aus­ga­ben ge­kürzt wer­den.

In Deutsch­land glau­ben da­ge­gen ei­ni­ge an die Qua­dra­tur des Krei­ses. Der CSU-Eu­ro­pa­po­li­ti­ker Flo­ri­an Hahn bei­spiels­wei­se for­der­te, das Bud­get „auf die Zu­kunft“aus­zu­rich­ten, „oh­ne tra­di­tio­nel­le Auf­ga­ben in Fra­ge zu stel­len und oh­ne ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten wie Deutsch­land fi­nan­zi­ell zu über­for­dern“.

Ur­su­la von der Ley­en, künf­ti­ge EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin, auf dem Weg zum Ger­an­gel um Geld auf dem EU-Gip­fel.

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