Ver­steck­te Bar be­geis­tert die ers­ten Gäs­te

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Uwe Bo­gen

In ei­ner dunk­len Gas­se der Alt­stadt ahnt man nicht, was sich hin­ter der Fas­sa­de be­fin­det

Au­ßen ei­ne düs­te­re Fas­sa­de, mit un­le­ser­li­cher Schrift ver­schmiert, drin­nen ein Schmuck­stück: Die ver­steck­te Flüs­ter­bar Holz­ma­ler, die in ei­ner dunk­len Alt­stadt­gas­se von au­ßen nicht zu er­ken­nen ist, hat bei der Er­öff­nung die Gäs­te be­geis­tert.

Di­rekt da­ne­ben be­fin­det sich das Eros 11 a mit her­un­ter­ge­las­se­nen Roll­lä­den. An­fang 2018 wur­de das Lauf­haus auf Be­trei­ben der Stadt Stutt­gart per Ge­richts­be­schluss ge­schlos­sen, weil es nicht un­ter Be­stand­schutz steht. Er­neut sind ro­te Lich­ter in der Alt­stadt aus­ge­gan­gen – und er­neut sor­gen nun Wir­te da­für, dass dank ih­rer hoch­wer­ti­gen Bar­kul­tur ein an­de­res Pu­bli­kum den Weg ins Le­on­hards­vier­tel fin­det, nicht je­nes, das se­xu­el­le Leis­tun­gen in An­spruch neh­men will.

Bei der Er­öff­nungs­fei­er der Bar Holz­ma­ler an der We­ber­stra­ße war Be­zirks­vor­ste­he­rin Ve­ro­ni­ka Kienzle (Grü­ne) voll des Lo­bes – nicht nur, weil es hier ei­nen über­dach­ten Fahr­rad­stell­platz gibt. Pe­ter Stell­wag, der vor über 35 Jah­ren zu den Mit­grün­dern des Ca­fés Stel­la ge­hör­te, hat das au­ßer­ge­wöhn­li­che Bar­kon­zept ent­wi­ckelt. „Beim Stel­la dach­ten vie­le, ein Ca­fé di­rekt an der Stadt­au­to­bahn funk­tio­niert nicht“, er­in­ner­te er sich. Funk­tio­niert nun ei­ne Bar, die ver­steckt ist wie zu Zei­ten der Pro­hi­bi­ti­on und die nur öff­net, wenn man die Pa­ro­le kennt? In der ers­ten Nacht hat noch kei­ner nach der Pa­ro­le ge­fragt. Die Tür stand of­fen. So dürf­te dies auch noch in den nächs­ten Näch­ten wei­ter­ge­hen (ge­öff­net ist di­ens­tags bis sams­tags von 19 Uhr an). Im Ne­ben­raum der Bar Holz­ma­ler ist ei­ne Tän­ze­rin mit Ba­na­nen­rock als Ge­mäl­de an der Wand zu se­hen. Die­se er­in­nert an Jo­se­phi­ne Ba­ker, die für die Selbst­be­stim­mung der Frau ein­ge­tre­ten ist. Die Tän­ze­rin auf dem Bild trägt ei­ne Go­ril­l­a­mas­ke, die für die Gue­ril­la-Girls-Be­we­gung der 1980er steht, die beim Kampf für die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau die­se Ko­s­tü­mie­rung trug. „Hier im Rot­licht­mi­lieu müs­sen vie­le Frau­en Ar­bei­ten ver­rich­ten, die sie nicht wol­len“, sag­te Stell­wag. Das Gue­ril­laGirl der Cock­tail­bar wen­det sich ge­gen die Aus­beu­tung der Frau, er­klär­te er.

Als Jörg Kapp­ler und Micha Kai­ser, zwei Daim­ler-Mit­ar­bei­ter, vor acht Jah­ren das Ge­bäu­de an der We­ber­stra­ße re­la­tiv güns­tig kauf­ten – nicht, um noch ein Lauf­haus zu er­öff­nen –, ahn­ten sie nicht, dass sie in die­sem Wohn­haus mal ei­ne Bar im Erd­ge­schoss star­ten wür­den. Als der Mie­ter der un­te­ren Woh­nung aus­zog, wan­del­ten sie auf den Spu­ren des Holz­ma­lers Jo­han­nes Mack, der hier um 1908 sei­ne Werk­statt hat­te.

Das Trio, das die Be­sit­zer für die Barthe­ke ge­fun­den ha­ben, mach­te be­reits in der ers­ten Nacht ei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Job. Es sind zwei jun­ge, am­bi­tio­nier­te Bar­ten­der und ein Stadt­o­ri­gi­nal, das sich Di­no nennt. Ein rie­si­ges Leucht­bild von ei­nem See­ro­sen­teich schmückt die lan­ge The­ke.

Tie­fe Grä­ben zie­hen sich durch die Alt­stadt. Et­li­che Bor­dell­be­trei­ber, so hört man, freu­en sich über den Wan­del nicht. Sie fürch­ten, dass sich Frei­er nicht mehr ins Vier­tel trau­en, weil sie nicht ge­se­hen wer­den wol­len.

Die Ma­cher der neu­en Bar Fo­to: Lg/Schramm

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