Russ­land warnt USA

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Nord­sy­ri­en Die Re­gie­rung in Washington plant, Öl­fel­der durch Trup­pen zu schüt­zen.

Russ­land hat be­sorgt auf die ge­plan­te US-Trup­pen­prä­senz an den Öl­fel­dern im Os­ten Sy­ri­ens re­agiert. „Wir möch­ten kei­ne neu­en Schwie­rig­kei­ten“, sag­te der Vi­ze-Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej Rj­ab­kow laut Agen­tur In­ter­fax.

Es lö­se ei­ne ge­wis­se Be­sorg­nis aus, dass aus den USA mit Blick auf Sy­ri­en im­mer wie­der un­ter­schied­li­che Si­gna­le kä­men.

Mos­kau sei alar­miert, dass da­hin­ter der Ver­such ste­hen kön­ne, wei­ter Druck auf die „recht­mä­ßi­ge Füh­rung in Damaskus“aus­zu­üben.

Nach dem US-Trup­pen­ab­zug aus dem nord­sy­ri­schen Grenz­ge­biet zur Tür­kei plant das Pen­ta­gon, zu­sätz­li­che mi­li­tä­ri­sche Kräf­te zum Schutz der Öl­fel­der in den Os­ten Sy­ri­ens zu schi­cken.

Der Kreml for­der­te, die am Di­ens­tag ge­tro enen Ver­ein­ba­run­gen Russ­lands mit der Tür­kei um­zu­set­zen. Wenn die be­wa ne­ten Kur­den sich nicht zu­rück­zö­gen, dann be­kä­men sie es bald di­rekt mit dem tür­ki­schen Mi­li­tär zu tun, sag­te Kreml­spre­cher Dmi­tri Pes­kow.

Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row wies zu­dem die Mög­lich­keit ei­ner Kon­trol­le der

Re­gi­on durch Na­to-Trup­pen zu­rück. Es ge­be ei­ne rus­sisch-tür­ki­sche Ver­ein­ba­rung für die Re­gi­on. Von der Na­to sei hin­ge­gen dort nichts Gu­tes zu er­war­ten. Russ­land steht im Sy­ri­en-Kon­flikt fest an der Sei­te des Macht­ha­bers Ba­schar al-As­sad. Die rus­si­schen Trup­pen sind aus Mos­kau­er Sicht die ein­zi­gen, die le­gal in Sy­ri­en ope­rie­ren.

War es das jetzt al­so mit der Si­cher­heits­zo­ne in Nord­sy­ri­en?

Die Ge­le­gen­heit sei güns­tig – so ar­gu­men­tier­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, als sie am Mon­tag­abend die po­li­ti­sche Welt mit ih­rem Sy­ri­en-Vor­stoß über­rasch­te. Sie ver­wies auf al­ler­lei aus­lau­fen­de Fris­ten und in­ter­na­tio­na­le Tre en. Nun, am En­de die­ser für die CDU-Che­fin mal wie­der nicht ein­fa­chen Wo­che lässt sich sa­gen, dass das Mo­men­tum nicht wirk­lich ge­grif­fen hat. Die SPD schmollt, Russ­land und die Tür­kei ha­ben ih­re ei­ge­nen Fak­ten ge­scha en und die Na­to hat mal drü­ber ge­re­det. War es das jetzt al­so mit der Si­cher­heits­zo­ne in Nord­sy­ri­en? Und vor al­lem: War es das jetzt mit der Kanz­ler­kan­di­da­tin Kramp-Kar­ren­bau­er?

Der Rei­he nach: Tot und ver­scharrt ist ih­re Initia­ti­ve nicht, noch nicht. AKK muss sich nun aber mäch­tig rein­hän­gen. Sie wird zum ei­nen mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD re­den müs­sen, der bei al­lem be­rech­tig­ten Ge­ze­ter über die di­let­tan­ti­sche Art der Ein­brin­gung in der Sa­che ja nicht ka­te­go­risch Nein ge­sagt hat. Wie auch? Dass Deutsch­land sich stär­ker bei der Lö­sung in­ter­na­tio­na­ler Kon­flik­te en­ga­gie­ren soll­te, ist schließ­lich so et­was wie Kon­sens. Al­ler­dings wis­sen die So­zi­al­de­mo­kra­ten schein­bar noch we­ni­ger als die Uni­on, was das kon­kret hei­ßen soll. Das Bun­des­wehr-Man­dat im Kampf ge­gen den IS-Ter­ror ha­ben sie je­den­falls jus­ta­ment die­se Wo­che nur un­ter Mur­ren ver­län­gert.

Kramp-Kar­ren­bau­er braucht zu­dem in­ter­na­tio­na­le Ver­bün­de­te für ih­re Idee. Frank­reich ist da­bei der na­tür­li­che ers­te An­sprech­part­ner. Ei­gent­lich kein Pro­blem für ei­ne Saar­län­de­rin, soll­te man mei­nen. Doch Kramp-Kar­ren­bau­er hat im Ely­sée nicht den bes­ten Ruf, seit sie ih­re „Ant­wort auf Ma­cron“da­zu ge­nutzt hat, den Stand­ort

Straß­burg für das Eu­ro­pa­par­la­ment in Fra­ge zu stel­len.

Und à pro­pos Eu­ro­pa: Ei­ne wei­te­re mög­li­che Un­ter­stüt­ze­rin sitzt dem­nächst auf dem Top­job der EU. Ur­su­la von der Ley­en hat als Mi­nis­te­rin ent­schei­dend da­zu bei­ge­tra­gen, die ge­mein­sa­me Si­cher­heits- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik schlag­kräf­ti­ger zu ma­chen. Auch wenn Sy­ri­en ei­ne Num­mer zu groß sein dürf­te für die noch un­er­prob­ten Struk­tu­ren, Schwung für ei­ne Initia­ti­ve lie­ße sich hier ver­mut­lich or­ga­ni­sie­ren. Und wo­mög­lich könn­te AKK auch in Groß­bri­tan­ni­en Un­ter­stüt­zer fin­den; auf der In­sel gibt es nicht we­ni­ge, die ho en, we­nigs­tens über die Si­cher­heits­po­li­tik ein paar so­li­de Ver­bin­dun­gen nach Eu­ro­pa hal­ten zu kön­nen.

Ei­nen – am En­de gar er­folg­rei­chen – Sy­ri­en-Ein­satz ga­ran­tiert das al­les na­tür­lich längst nicht. Ob Eu­ro­pa oh­ne die Schlag­kraft der USA viel aus­rich­ten kann, ist mehr als frag­lich. Zu­mal es noch die Tür­kei und Russ­land gibt, Ve­to­macht in der Na­to der ei­ne, im UN-Si­cher­heits­rat der an­de­re. Doch Kramp-Kar­ren­bau­er hat nun we­nigs­tens den Ver­such ge­star­tet, sich mit de­ren Plä­nen für die Re­gi­on nicht ein­fach ach­sel­zu­ckend ab­zu­fin­den. Aus ih­rem Vor­stoß muss sie in den nächs­ten Wo­chen so et­was wie ei­nen Plan ent­wi­ckeln. An­de­ren­falls wird das Stich­wort Sy­ri­en ei­nen wei­te­ren Ma­kel statt des er­ho ten Mei­len­steins ih­rer Kar­rie­re be­zeich­nen.

El­len Ha­sen­kamp über die Au­ßen­po­li­tik der CDU-Che­fin

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