De­bat­te über Tür­kei als Na­to-Mit­glied

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Ste­fan Ke­gel

Sy­ri­en Die SPD kri­ti­siert den Ein­marsch im Nach­bar­land und zwei­felt an der Wer­te­ge­mein­schaft des Bünd­nis­ses. Die Uni­on sieht den Ver­bleib An­ka­ras als stra­te­gi­sches In­ter­es­se Eu­ro­pas.

Die Kri­tik von SPD-Frak­ti­ons­chef Rolf Müt­zenich am Na­to-Part­ner Tür­kei hat in der Ko­ali­ti­on Wi­der­spruch her­vor­ge­ru­fen. Der Vor­sit­zen­de des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses im Bun­des­tag, Nor­bert Rött­gen, kri­ti­sier­te ge­gen­über die­ser Zei­tung: „Ich hal­te es für falsch, die Na­to-Mit­glied­schaft der Tür­kei in Fra­ge zu stel­len.“Es sei im stra­te­gi­schen In­ter­es­se Eu­ro­pas und Nord­ame­ri­kas, dass die Tür­kei Na­to-Part­ner blei­be.

„Ein Blick auf die Land­kar­te soll­te rei­chen, um die geo­po­li­ti­sche Re­le­vanz der Tür­kei zu ver­ste­hen“, er­gänz­te der CDU-Po­li­ti­ker. Sie gren­ze an meh­re­re Kri­sen­re­gio­nen und sei Tor nach Eu­ro­pa. Gleich­zei­tig warn­te er

An­ka­ra: „Wir müs­sen dar­auf be­ste­hen, dass sich die Tür­kei auch wie ein Na­to-Mit­glied be­nimmt. Um ei­ne dau­er­haf­te Kri­se mit der Tür­kei als Na­to-Part­ner zu ver­hin­dern, müs­sen wir ei­ne in­ter­na­tio­na­le Lö­sung für den Kon­flikt in Nord­sy­ri­en an­stre­ben. Das wür­de Er­do­gan auch ter­ri­to­ri­al in die Schran­ken wei­sen.“

Aus­schluss nicht vor­ge­se­hen

Müt­zenich hat­te die Na­to-Mit­glied­schaft der Tür­kei zu­vor in Fra­ge ge­stellt: „Je­der muss für sich selbst prü­fen, ob er noch Teil der Na­to sein kann und will.“Die Na­to sei ei­ne Wer­te­ge­mein­schaft, doch „die In­va­si­on der tür­ki­schen Streit­kräf­te in Nord­sy­ri­en ist kei­nes­wegs durch das Selbst­ver­tei­di­gungs­recht

ge­deckt“. Un­ter­stüt­zung er­hielt er aus der ei­ge­nen Par­tei. „Wir wol­len klar­ma­chen, dass die Tür­kei die Men­schen­rech­te be­ach­ten muss“, sag­te der au­ßen­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD, Nils Schmid. Das bet­re e nicht nur den Ein­marsch in Nord­sy­ri­en, son­dern auch die Rück­kehr von Flücht­lin­gen. „Ei­ne zwangs­wei­se Rück­füh­rung von Sy­rern wä­re völ­ker­rechts­wid­rig“, warn­te er den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan. „Wir wer­den ihm da­bei auf die Fin­ger schau­en.“Ge­ne­rell hal­te sei­ne Par­tei an dem Bünd­nis­part­ner fest. „Wir ha­ben ein ho­hes In­ter­es­se da­ran, dass die Tür­kei in der Na­to bleibt und sich an die ge­mein­sa­men Wer­te hält.“

Auch die Si­cher­heits­ex­per­tin Clau­dia Ma­jor von der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik warnt da­vor, die Tür­kei zu ver­prel­len: „Es gibt gro­ße ge­gen­sei­ti­ge Ab­hän­gig­kei­ten zwi­schen Na­to und der Tür­kei, für bei­de Sei­ten.“Ein Aus­tritt wä­re ei­ne stra­te­gi­sche Schwä­chung an der Süd­flan­ke des Bünd­nis­ses, am Schwar­zen Meer und am Mit­tel­meer, vor al­lem ge­gen­über Russ­land. Zu­dem lä­gen zahl­rei­che Na­to-Ein­rich­tun­gen in der Tür­kei. Oh­ne­hin kön­ne das Bünd­nis die Tür­kei gar nicht aus­schlie­ßen, er­klär­te Ma­jor. „Ver­trag­lich gibt es kei­ne Ba­sis für den Aus­schluss ei­nes un­be­que­men Mit­glied­staa­tes, nicht ein­mal ei­ne Aus­set­zung der Mit­glied­schaft.“Mög­lich wä­re nur ein Aus­tritt.

Foto: Ba­kr Al­ka­s­em/afp

Mit den Wer­ten der EU zu ver­ein­ba­ren? Tür­ki­sche Sol­da­ten in Nord­sy­ri­en.

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