„Crashs ge­hö­ren an der Bör­se da­zu“

Bietigheimer Zeitung - - Wirtschaft -

Schwar­zer Frei­tag Ex­per­ten hal­ten ex­tre­me Fi­nanz­ka­ta­stro­phen wie in den USA vor 90 Jah­ren für we­nig wahr­schein­lich. Par­al­le­len zur Ge­gen­wart gibt es aber. Von Rolf Obert­reis und Han­nes Breustedt

Bil­li­ges Geld der No­ten­ban­ken be­feu­ert Kur­se.

Der Bör­sen-Crash von 1929 be­en­de­te den Wirt­schafts­boom der Gol­de­nen Zwan­zi­ger im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert ab­rupt. Der auf das Fi­nanz­be­ben fol­gen­de Kon­junk­tur­ein­bruch ging als „Gre­at De­pres­si­on“in die Ge­schichts­bü­cher ein und gilt bis heu­te als schwers­te und längs­te Welt­wirt­schafts­kri­se der Neu­zeit. Vor al­lem der „Schwar­ze Don­ners­tag“am 24. Ok­to­ber – in Eu­ro­pa auf­grund des Zeit­un­ter­schieds auch „Schwar­zer Frei­tag“ge­nannt – bleibt als ei­nes der dun­kels­ten Ka­pi­tel der Fi­nanz­his­to­rie in Er­in­ne­rung.

90 Jah­re spä­ter sind die Be­wer­tun­gen an der Bör­se er­neut be­denk­lich hoch. Und er­neut hal­ten Han­dels­kon­flik­te und Kon­junk­tur­sor­gen An­le­ger in Atem – be­steht das Ri­si­ko, dass sich ein De­sas­ter wie da­mals wie­der­holt?

Oli­ver Roth ist nicht un­be­dingt ge­las­sen, aber er gibt doch Ent­war­nung. „Ein Bör­sen­crash in Ame­ri­ka und an­de­ren Län­dern hät­te heu­te nicht mehr die fa­ta­len Aus­wir­kun­gen auf die Welt­wirt­schaft wie vor 90 Jah­ren. Das ist hoch­gra­dig un­wahr­schein­lich“, sagt er mit Blick auf die Er­eig­nis­se von 1929. Die Ein­schät­zung von Roth hat durch­aus Ge­wicht, schließ­lich ist er ei­ner er­fah­rens­ten Händ­ler auf dem Frank­fur­ter Bör­sen­par­kett und Bör­sen­chef des Bank­hau­ses Od­do Seydler.

Roth hat die Kri­se 2008 an der Bör­se haut­nah mit­er­lebt. „Da hat man ge­se­hen, dass sich die No­ten­ban­ken der gro­ßen Län­der im Zu­sam­men­spiel mit den Re­gie­run­gen der gro­ßen Ver­ant­wor­tung be­wusst wa­ren.“Sie stütz­ten die Märk­te mit um­fang­rei­chen Geld­sprit­zen und Zins­sen­kun­gen. „Aus den Er­eig­nis­sen vor zehn Jah­ren hat man wich­ti­ge Leh­ren ge­zo­gen“, sagt Roth. Auch in der Re­gu­lie­rung der Fi­nanz­märk­te und der Ban­ken. Frei­lich sei das welt­weit nicht aus­ba­lan­ciert. In den USA sei man mit der Re­gu­lie­rung wie­der auf dem Rück­zug.

Gibt es am Ak­ti­en­markt hier­zu­lan­de der­zeit ei­ne Bla­se? Ja, sagt Roth, man be­we­ge sich we­gen der nied­ri­gen Zin­sen schon län­ger in ei­ner sol­chen Bla­se. „Die Märk­te lau­fen bes­ser als die Wirt­schaft.“Oh­ne­hin er­in­nert er auch An­le­ger da­ran, dass der Ak­ti­en­markt nicht nur ei­ne Rich­tung kennt, näm­lich nach oben. „Crashs ge­hö­ren an der Bör­se da­zu.“Oh­ne dass er sa­gen kann, wann und ob es tat­säch­lich da­zu kommt. Re­la­tiv si­cher ist für Roth aber, dass sich die Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft in Gren­zen hal­ten wer­den.

Par­al­le­len gibt es aber durch­aus. Das be­trifft nicht nur das Fai­b­le von US-Prä­si­dent Do­nald Trump für ho­he Zöl­le. Auch an den Bör­sen ha­ben die Kur­se nach Jah­ren ei­ner von bil­li­gem No­ten­bank­geld be­feu­er­ten Ral­ly wie­der ein Ni­veau er­reicht, das mit­un­ter ent­kop­pelt von der rea­len Wirt­schafts­la­ge wirkt. In den USA wur­de in die­sem Jahr ei­ne gan­ze Rei­he ver­lust­rei­cher Start-ups zu Mil­li­ar­den­be­wer­tun­gen an die Bör­se ge­bracht.

Alarm­si­gna­le sen­de­te be­reits der An­lei­hen­markt. Dort war­fen Staats­pa­pie­re mit kur­zen Lauf­zei­ten zwi­schen­zeit­lich mehr Ren­di­te

ab als mit lan­ger, was Fi­nanz­pro­fis als wich­ti­gen In­di­ka­tor für ei­ne Re­zes­si­on be­trach­ten.

Am US-In­ter­ban­ken­markt tauch­ten zu­letzt ähn­li­che Span­nun­gen auf wie wäh­rend der Fi­nanz­kri­se 2008. Die Fe­deral Re­ser­ve muss­te ei­ner Kre­dit­klem­me mit Li­qui­di­tät vor­beu­gen.

Zwar hal­ten vie­le Ana­lys­ten ei­ne Kurs­kor­rek­tur und ei­ne wei­te­re Ab­schwä­chung der Welt­wirt­schaft für gut mög­lich. Doch ei­nen gro­ßen Crash mit Fol­gen wie vor 90 Jah­ren hat kaum je­mand auf dem Schirm. Die meis­ten Fach­leu­te ver­trau­en dar­auf, dass die gro­ßen No­ten­ban­ken kri­sener­probt und ent­schlos­sen ge­nug sind, um bei Bör­sen­pa­nik wei­te­re Es­ka­la­tio­nen zu ver­hin­dern.

Foto: dpa

Auf­ge­reg­te Ak­tio­nä­re vor der New Yor­ker Bör­se am 29. Ok­to­ber 1929, ei­ni­ge Ta­ge nach dem Crash.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.