Ha­mil­tons Weg zum Ti­tel

For­mel 1 Der Bri­te kann am Sonn­tag in Me­xi­ko Welt­meis­ter wer­den. Al­ler­dings müss­te da­für sein Team­kol­le­ge schlech­ter ab­schnei­den als in den meis­ten Ren­nen der lau­fen­den Sai­son. Die Sie­ger­eh­rung fin­det in ei­nem He­xen­kes­sel statt.

Bietigheimer Zeitung - - Sport -

Gleich nach der An­kunft in Me­xi­ko ließ Le­wis Ha­mil­ton die Fäus­te spre­chen. Auch im Ring mit Box-Iko­ne Ju­lio Cé­sar Chá­vez zeig­te der 34-Jäh­ri­ge sei­ne Kämp­fer­na­tur, die ihm schon am Sonn­tag (20.10 Uhr/RTL und Sky) zum sechs­ten Mal den For­mel-1-Ti­tel brin­gen könn­te. „Er hat ge­sagt, ich ha­be ei­nen or­dent­li­chen Bumms“, ver­riet Ha­mil­ton nach der Show­ein­la­ge mit dem me­xi­ka­ni­schen Alt­meis­ter im Kunst­licht ei­ner Mucki­bu­de.

Schmer­zen be­rei­tet der WM-Spit­zen­rei­ter seit Jah­ren auch sei­nen Ri­va­len auf der Renn­stre­cke, al­len vor­an Se­bas­ti­an Vet­tel. „Es ist ziem­lich un­glaub­lich, was Mer­ce­des und Le­wis in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­mein­sam er­reicht ha­ben“, sag­te der Fer­ra­ri-Pi­lot vor dem viert­letz­ten Sai­son­lauf im Au­tódro­mo Her­ma­nos Ro­drí­guez. Nein, er ver­spü­re kei­nen Neid auf Ha­mil­tons Tri­umph­se­rie, ver­si­cher­te Vet­tel gleich mehr­fach: „Ich er­ken­ne sei­ne Leis­tung an.“Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zum Ren­nen in Mit­tel­ame­ri­ka.

Was steht an?

Le­wis Ha­mil­ton kann sich beim Gro­ßen Preis von Me­xi­ko, dem 18. von 21 Sai­son­ren­nen in der For­mel 1, vor­zei­tig zum Welt­meis­ter krö­nen. Der Mer­ce­des-Pi­lot hat 64 Punk­te Vor­sprung auf sei­nen Team­kol­le­gen Valt­te­ri Bot­tas (Finn­land) und könn­te nach 2008, 2014, 2015, 2017 und 2018 sei­nen sechs­ten Ti­tel fei­ern. Schon in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren mach­te der Bri­te in Me­xi­ko al­les klar.

Was muss pas­sie­ren, da­mit Ha­mil­ton den Ti­tel holt?

Fünf Sze­na­ri­en füh­ren zur vor­zei­ti­gen WM-Fi­es­ta: Wenn Ha­mil­ton ge­winnt und die schnells­te Renn­run­de fährt, darf Bot­tas höchs­tens Vier­ter wer­den. Ein „ein­fa­cher“Sieg reicht dem Bri­ten, wenn Bot­tas ma­xi­mal den fünf­ten Platz be­legt. Wird Ha­mil­ton Zwei­ter, darf Bot­tas nicht mehr als Rang acht er­rei­chen, zu­dem darf der Fin­ne nicht die schnells­te Renn­run­de dre­hen. Wird Ha­mil­ton Drit­ter, darf Bot­tas bes­ten­falls Zehn­ter wer­den und muss eben­falls oh­ne schnells­te Renn­run­de blei­ben. Rang drei und die schnells­te Renn­run­de brin­gen Ha­mil­ton auch bei ei­nem neun­ten Platz für Bot­tas den Ti­tel. Be­son­ders rea­lis­tisch er­schei­nen all die­se Sze­na­ri­en al­ler­dings nicht: Nur vier­mal in die­ser Sai­son ver­pass­te Bot­tas die Top Drei.

Was wür­de das hal­be Dut­zend für Ha­mil­ton be­deu­ten?

Mit sei­nem sechs­ten WM-Ti­tel wür­de der Bri­te wei­ter Ge­schich­te schrei­ben. Der 34-Jäh­ri­ge wür­de den le­gen­dä­ren Ar­gen­ti­ni­er Juan Ma­nu­el Fan­gio (1951, 1954, 1955, 1956, 1957) hin­ter sich las­sen, nur Re­kord­welt­meis­ter Micha­el Schu­ma­cher mit sie­ben Ti­teln wä­re dann noch er­folg­rei­cher (1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004). Zu­dem kann Ha­mil­ton als erst vier­ter Pi­lot drei Welt­meis­ter­schaf­ten in Fol­ge fei­ern. Das ge­lang bis­lang nur Fan­gio, Schu­ma­cher und Se­bas­ti­an Vet­tel. Letz­te­rem ge­lang so­gar das Kunst­stück, vier Ti­tel in Fol­ge zu ge­win­nen (2010 bis 2013).

Was ist be­son­ders an der Stre­cke in Me­xi­ko?

Das Au­to­dro­mo Her­ma­nos Ro­d­ri­guez be­fin­det sich mit­ten in der Me­ga-Ci­ty Me­xi­ko-Stadt und da­mit auf über 2200 Me­tern Hö­he. Die dün­ne Luft be­rei­tet be­son­ders den In­ge­nieu­ren ei­ni­ge Pro­ble­me, weil die Küh­lung von Brem­sen und Mo­tor an den For­mel-1-Au­tos nicht wie ge­wohnt funk­tio­niert. Au­ßer­dem wird we­ni­ger Ab­trieb er­zeugt, die Flü­gel müs­sen des­halb ma­xi­mal an­ge­stellt wer­den. Weil die Stre­cke aber ein ech­ter High­speed-Kurs ist, wer­den Ge­schwin­dig­kei­ten von über 360 km/h er­reicht. Ein High­light ist zu­dem die Fahrt durch ein ehe­ma­li­ges Base­ball-Sta­di­on, das 26 000 Zu­schau­er fasst, in dem die Fans or­dent­lich Stim­mung ma­chen. In die­sem He­xen­kes­sel fin­det auch die Sie­ger­eh­rung statt.

Wer ge­winnt?

Red-Bull-Star Max Ver­stap­pen tri­um­phier­te in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren in Me­xi­ko. Seit der Som­mer­pau­se zeigt die Form­kur­ve beim eins­ti­gen Welt­meis­ter­team aber deut­lich nach un­ten. Fer­ra­ri ist im Qua­li­fy­ing mitt­ler­wei­le ei­ne Macht und auch im Renn­tem­po gut da­bei. Te­am­chef Bi­not­to for­mu­lier­te o en­siv den Sieg als ein­zi­ges Ziel. Trotz des sechs­ten Kon­struk­teur­s­ti­tels muss sich Mer­ce­des al­so wohl auf har­te Kon­kur­renz ein­stel­len. Al­les durch­ein­an­der­wir­beln könn­te das Wet­ter: So­wohl Sams­tag als auch Sonn­tag ist mit Re­gen­schau­ern zu rech­nen.

Foto: Kim Hong-Ji/Pool/afp

Le­wis Ha­mil­ton muss in sei­nem Mer­ce­des hof­fen, dass Team­kol­le­ge Valt­te­ri Bot­tas höchs­tens Fünf­ter wird. Dann kann der 34-Jäh­ri­ge Welt­meis­ter wer­den – wenn er ge­winnt. Falls er die schnells­te Run­de fährt, darf der Fin­ne auch Vier­ter wer­den.

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