Vom Kuh­dorf bis ins Ka­bi­nett

Bietigheimer Zeitung - - Bietigheim-bissingen -

Ka­ba­rett Ma­ri­an­ne Schätz­le un­ter­hielt am Frei­tag­abend mit ih­rem Pro­gramm „Frü­her war nix to go“das Pu­bli­kum im Klein­kunst­kel­ler als All­tags­frau und Kanz­le­rin­nen-Dou­ble. Von Hei­ke Rom­mel

Auf mei­ne Wor­te kön­nen Sie bau­en, wenn Sie für ei­nen gu­ten Un­ter­grund sor­gen.

In der End­zeit der Kanz­le­rin fuhr die Ka­ba­rat­tis­tin Ma­ri­an­ne Schätz­le am Sams­tag­abend zwar auch im Bie­tig­hei­mer Klein­kunst­kel­ler ihr Mer­kel-Pro­gramm et­was zu­rück, doch die Par­odie schlug ein: Das Pu­bli­kum war ver­blüfft über die Ähn­lich­keit der Ba­de­ne­rin aus dem Dorf Hil­zin­gen im west­li­chen He­gau bei Sin­gen und hing im Pro­gramm „Frü­her war nix to go“ge­ra­de­zu an den Lip­pen der Ka­ba­ret­tis­tin, wel­che die Schnell­le­big­keit

Ma­ri­an­ne Schätz­le

als An­ge­la Mer­kel

der heu­ti­gen Zeit im lus­ti­gen Dau­er­ton ver­ball­horn­te. Manch­mal auch ex­trem lang­sam in Lie­dern zur Uku­le­le.

„Du An­ge­la, sell mor­ge mit dem Bie­tig­heim-Bis­sin­gen wird knapp“, spann­te Ma­ri­an­ne Schätz­le ein­gangs das Pu­bli­kum auf die Fol­ter, ob die Kanz­le­rin­nen-Par­odie über­haupt kom­men wür­de. „Wir schaf­fen das“, hieß es aus Ber­lin, wo die An­ge­la be­kannt­lich „zu je­dem An­lass eb­bes schwätza“kann, ob­wohl sie gar kein The­ma hat. Schätz­le han­del­te der­weil so al­ler­hand The­men ab, wel­che die durch­schnitt­li­che All­tags­frau heut­zu­ta­ge be­we­gen. Zum Bei­spiel die Fern­seh­sen­dung „Die Geis­sens“. „Boah, des isch ei­ne zum uff­bla­se“, dach­te die Hil­zin­ge­rin, als sie „Roooo­berts“Gat­tin in ei­nem Hoch­glanz-Frau­en­ma­ga­zin sah und nach­schau­te, ob auf der Rück­sei­te ein Be­stell­schein für die Gum­mi-Pup­pe ist, wel­che „di­rekt im gel­ben Sack ent­sorgt wer­den kön­ne. Für „Bau­er sucht Frau“er­füll­te Ma­ri­an­ne Schätz­le die An­for­de­run­gen nicht, kon­kret den „Min­dest­stan­dard an Um­gang und IQ“. Al­so schwenk­te sie um zur Bau­ern­kund­schaft, die sich „für kei­ne Sau in­ter­es­siert“und nicht be­reit ist, mehr als 1,40 Eu­ro für ein Ki­lo Fleisch zu be­zah­len.

Beim The­ma In­dus­trie-Kos­me­tik hielt sich die ge­lern­te Fremd­spra­chen­kor­re­spon­den­tin und Mut­ter von drei er­wach­se­nen Kin­dern selbst den Spiel­gel vor. Bei ei­nem al­tern­den Ge­sicht, stell­te sie fest, müs­se ein Pro­dukt schon was kön­nen wie „Wel­len glät­ten“und „Tä­ler eb­nen“. Auf­ge­wach­sen im Klett­gau an der Schwei­zer Gren­ze ließ die Spaß­ma­che­rin ein Wie­der­se­hen mit ei­ner ehe­ma­li­gen Schul­ka­me­ra­din schei­tern, die sie für de­ren Mut­ter hielt. Die Angst vor dem Al­tern brach­te sie zum Aus­druck, als sie mit ei­ner Kis­te Rad­ler an­statt Hack­fleisch aus dem Su­per­markt kam, weil sie sich nur noch dar­an er­in­nern konn­te, dass sie „et­was Ge­misch­tes“hät­te be­sor­gen sol­len.

An­ge­la Mer­kel und Ma­ri­an­ne Schätz­le, so die Ka­ba­ret­tis­tin, re­gie­ren zu zweit, seit der „An­gie“al­les zu viel wird. „Ei­ne Wo­che ist sie dran und ei­ne Wo­che ich“, wit­zel­te die Ba­de­ne­rin dar­über, wie sie ver­geb­lich ver­sucht hat­te, den Ter­min bei der Ber­li­na­le 2018 mit Ge­or­ge Cloo­ney an sich zu rei­ßen. „Uff­bas­se“, warn­te die Ale­man­nin an an­de­rer Stel­le da­vor, dis­kri­mi­nie­ren­de Be­grif­fe wie „Zi­geu­ner­schnit­zel“oder „Moh­ren­köpf­le“im Wirt­haus zu ver­wen­den. Al­ter­na­tiv zur „Mohr­rü­be“emp­fahl sie „Rü­be mit afro­ame­ri­ka­ni­schem Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund“.

Kurz be­vor der Arzt aus Ru­mä­ni­en nach Bie­tig­heim fuhr, um ei­nen Pa­ti­en­ten auf dem Kü­chen­tisch zu ope­rie­ren, ließ Ma­ri­an­ne Schätz­le ihr Bie­tig­hei­mer Pu­bli­kum die Na­tio­nal­hym­ne zum Emp­fang der Kanz­le­rin sum­men, um mit Pe­rü­cke und un­ten ab­ge­run­de­tem Ja­cket zu ver­kün­den: „Ich ver­spre­che Ih­nen nichts, aber das hal­te ich auch.“

„Mit be­schränk­ter Haf­tung und be­schränk­tem Per­so­nal“kam der Be­richt aus dem „Bun­destach“. „Auf mei­ne Wor­te kön­nen sie bau­en, wenn Sie vor­her für ei­nen gu­ten Un­ter­grund ge­sorgt ha­ben“, sang das Mer­kel-Dou­ble sein Lied von der „Sa­la­mi­tak­tik“. „Scheib‘ für Scheib‘ war das En­de von dem So­zen­hype“, träl­ler­te die „Queen aus Ost­ber­lin“. „An­ne­gret will Krieg spie­len, AKK, so läuft das nicht:“Die als „Mer­kel Num­mer Zwei“be­ti­tel­te „Schlab­ber­gosch“ließ sich mit ih­rem Lie­bes­lied an die Macht auch und ge­ra­de im Schwä­bi­schen den Pos­ten nicht strei­tig ma­chen.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Ma­ri­an­ne Schätz­le war mit ih­rem Pro­gramm „Frü­her war nix to go“zu Gast im Klein­kunst­kel­ler.

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