Kreis der Or­gan­spen­der soll er­wei­tert wer­den

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik -

Me­di­zin Von der so ge­nann­ten Le­bend­spen­de dür­fen der­zeit nur na­he­ste­hen­de Per­so­nen pro­fi­tie­ren. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn will die­se stren­ge Re­gel än­dern.

Wann darf ein ge­sun­der Mensch ei­nem schwer Er­krank­ten ein Or­gan spen­den? Dar­über ist po­li­ti­scher Streit ent­brannt. Bis­her näm­lich ist et­wa die Spen­de ei­ner Nie­re, so wie das der heu­ti­ge Bun­des­prä­si­dent Fran­kWal­ter St­ein­mei­er vor ei­ni­gen Jah­ren für sei­ne Frau ge­tan hat, an stren­ge Re­geln ge­bun­den. Da­zu ge­hört, dass sich Spen­der und Emp­fän­ger sehr na­he­ste­hen, et­wa als Kin­der, Ge­schwis­ter oder Ehe­leu­te. Geld darf kei­ne Rol­le spie­len. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), der ge­ne­rell die Zahl der Or­gan­spen­den er­hö­hen will, hat nun ei­ne Dis­kus­si­on dar­über an­ge­regt, ob nicht mehr Men­schen als Le­bend­spen­der er­laubt sein sol­len. Wenn al­so et­wa nicht nur al­le­rengs­te Ver­wand­te zu­guns­ten ei­nes Schwer­kran­ken auf ei­ne Nie­re oder Tei­le der Le­ber ver­zich­ten dürf­ten.

Für die Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­rin Kirs­ten Kap­pert-Gon­ther (Grü­ne) ist das ein Un­ding. Le­ben­d­or­gan­spen­den müss­ten „be­grenzt sein auf Men­schen, die sich na­he­ste­hen, sonst öff­net sich Tür und Tor für Kom­mer­zia­li­sie­rung, Organ­han­del und Miss­brauch“. Auch die So­zi­al­de­mo­kra­tin Hil­de Matt­heis be­tont: „Or­gan­spen­de darf nicht zum Ge­schäft wer­den, son­dern muss ei­ne frei­wil­li­ge und oh­ne Ge­winn­ab­sicht er­fol­gen­de Spen­de blei­ben.“Wenn Spahn je­doch ernst­haf­te Vor­schlä­ge ha­be, kön­ne man dar­über dis­ku­tie­ren. 2018 ent­fie­len laut Deut­scher Stif­tung Or­gan­trans­plan­ta­ti­on von ins­ge­samt 3959 ver­pflanz­ten Or­ga­nen 690 auf Le­bend­spen­den.

Ganz an­ders ist die Hal­tung von Ka­trin Hel­ling-Plahr aus der FDP-Frak­ti­on. Sie ver­weist dar­auf, be­reits vor ei­nem Jahr ei­nen An­trag in den Bun­des­tag ein­ge­bracht zu ha­ben, der Le­bend­spen­den aus un­ei­gen­nüt­zi­gen Grün­den er­leich­tern soll­te, denn „die ge­gen­wär­ti­ge Fas­sung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes macht Organ­le­bend­spen­den un­nö­tig schwer“. Jens Spahn aber ha­be die De­bat­te dar­über bis­her ver­schleppt. Dass der Mi­nis­ter sei­ne Mei­nung of­fen­bar ge­än­dert ha­be, be­grü­ße sie aus­drück­lich. „Die Ver­zö­ge­rung war aber völ­lig un­nö­tig.“

FDP für Über­kreuz­spen­den

Die FDP plä­diert kon­kret et­wa da­für, „Über­kreuz­spen­den zu le­ga­li­sie­ren, die bei­spiels­wei­se in Spa­ni­en sehr er­folg­reich durch­ge­führt wer­den“. Möch­te ein Mann sei­ner Frau ei­ne Nie­re spen­den, was an­ge­sichts un­ter­schied­li­cher Blut­grup­pen je­doch nicht funk­tio­nie­ren wür­de, kann es zu ei­nem Ring­tausch kom­men: Der Ehe­mann des ers­ten Paa­res spen­det für die Frau ei­nes zwei­ten Paa­res, da­für er­hält die Nie­re von Ehe­mann B die Ehe­frau A.

Was da­von an­ge­gan­gen wird, lässt sich noch nicht ab­schät­zen. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um teilt mit, Spahn ha­be ja kei­ne Vor­schlä­ge prä­sen­tiert, son­dern zu­nächst le­dig­lich ei­ne De­bat­te an­ge­regt.

Foto: Jan-Pe­ter Kas­per/dpa

Die Or­gan­spen­de un­ter Le­ben­den soll er­leich­tert wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.