Schwie­ri­ge Ab­wä­gung

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Ha­jo Zen­ker zur Le­bend­spen­de von Or­ga­nen

Wird dar­über de­bat­tiert, wie man mit mehr ge­spen­de­ten Or­ga­nen mehr Schwer­kran­ken das Le­ben ret­ten kann, wird fast aus­schließ­lich über die Ent­nah­me nach dem Hirn­tod des Spen­ders ge­spro­chen. Da­bei kommt je­de vier­te Nie­re, die ver­pflanzt wird, vom kern­ge­sun­den Ehe­part­ner oder ei­nem Ge­schwis­ter­teil des Emp­fän­gers. Das heißt Le­bend­spen­de. Die Be­reit­schaft, ei­nem ge­lieb­ten Men­schen das Wei­ter­le­ben zu er­mög­li­chen, ist al­so häu­fig vor­han­den. Und das bei mehr Men­schen, als bis­her zum Zu­ge kom­men. Denn die Re­geln da­für, wer spen­den darf, sind streng. Zu streng, wie Ex­per­ten und nun auch der Ge­sund­heits­mi­nis­ter und ei­ni­ge Fach­po­li­ti­ker fin­den.

Da­bei geht es nicht aus­schließ­lich dar­um, die Zahl der Or­ga­ne zu er­hö­hen, weil et­wa 7500 Men­schen auf ei­ne Nie­re war­ten und es die klas­si­sche Le­bend­spen­de ist, sich von ei­ner sei­ner zwei ge­sun­den Nie­ren zu tren­nen. Le­bend­spen­den ha­ben Vor­tei­le: Der Ein­griff lässt sich lang­fris­tig pla­nen, die Or­gan­qua­li­tät ist häu­fig hö­her, lan­ge Trans­port­we­ge ent­fal­len.

Trotz­dem ist die Ab­wä­gung, wie weit der Kreis der­je­ni­gen sein darf, die spen­den dür­fen, hei­kel: Dass sich Men­schen in ge­sund­heit­li­cher Not bei Men­schen in fi­nan­zi­el­ler Not ein Or­gan kau­fen, wie an­ders­wo üb­lich, darf es hier­zu­lan­de nicht ge­ben. Eben­so klar ist, dass die Spen­de aus frei­en Stü­cken er­fol­gen muss. Die Spen­der set­zen sich schließ­lich ei­ner für sie un­nö­ti­gen Ope­ra­ti­on aus, bei der es zu Kom­pli­ka­tio­nen kom­men kann.

Ei­ne Re­form soll­te al­so gut durch­dacht wer­den. Aber das Ziel muss klar sein: Näm­lich mög­lichst vie­len von all den un­ei­gen­nüt­zi­gen Men­schen, die an­de­ren Le­ben schen­ken wol­len, dies auch zu er­mög­li­chen.

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