Fahrt ganz nach oben

Bietigheimer Zeitung - - Wirtschaft -

Au­to­bran­che PSA und Fi­at Chrys­ler be­rei­ten ei­ne Fu­si­on vor. Das dürf­te die Macht­ver­hält­nis­se auf dem Markt welt­weit durch­ein­an­der­wir­beln und Opel mög­li­cher­wei­se scha­den.

PSA könn­te auf dem US-Markt Fuß fas­sen.

Der ita­lie­nisch-ame­ri­ka­ni­sche Her­stel­ler Fi­at Chrys­ler (FCA) spricht mit dem fran­zö­si­schen Opel-Mut­ter­kon­zern PSA über die Bil­dung ei­nes glo­ba­len Au­to­gi­gan­ten. Falls ei­ne Ab­ma­chung ge­lingt, wür­de der welt­weit viert­größ­te Her­stel­ler ent­ste­hen.

„Es gibt lau­fen­de Dis­kus­sio­nen, die dar­auf ab­zie­len, ei­ne der füh­ren­den Mo­bi­li­täts­grup­pen der Welt zu schaf­fen“, schreibt FCA in ei­ner knap­pen Er­klä­rung. Die Ge­sprä­che stün­den erst am An­fang, er­fuhr die dpa aus Pa­ris.

Der neue Ver­bund kä­me laut Bran­chen­an­ga­ben auf ei­nen Ab­satz von rund 9 Mio. Fahr­zeu­gen. Grö­ßer sei­en nur noch Volks­wa­gen, To­yo­ta und der fran­zö­sisch-ja­pa­ni­sche Re­nault-Nis­san-Ver­bund. Der fran­zö­si­sche Staat ver­fol­ge als wich­ti­ger PSA-An­teils­eig­ner die Ge­sprä­che mit „Auf­merk­sam­keit und Of­fen­heit“, hieß es.

Das „Wall Street Jour­nal“hat­te be­rich­tet, Fi­at Chrys­ler und PSA sei­en an der Bör­se zu­sam­men rund 50 Mrd. Dol­lar (45 Mrd. €) wert. Peu­geot-Chef Car­los Ta­va­res sol­le den Kon­zern als Vor­stands­vor­sit­zen­der füh­ren. Der FCA-Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­de John El­kann – En­kel des lang­jäh­ri­gen Fi­at-Bos­ses Gio­van­ni Ag­nel­li – wür­de die­se Rol­le auch in dem neu­en Un­ter­neh­men ein­neh­men.

Laut Me­di­en wird ei­ne Fu­si­on „un­ter Glei­chen“de­bat­tiert. Die Un­ter­neh­men mach­ten zu De­tails kei­ne An­ga­ben. Die Ak­ti­en von FCA gin­gen in Mai­land kräf­tig nach oben, die von PSA in Pa­ris.

PSA führt ne­ben Opel die Mar­ken Peu­geot, DS und Ci­tro­ën. Fi­at Chrys­ler hat Al­fa Ro­meo, Chrys­ler, Dodge, Jeep, Lan­cia und Ma­se­ra­ti un­ter sei­nem Dach.

Fi­at Chrys­ler hat­te sich zu­vor mit dem fran­zö­si­schen Her­stel­ler Re­nault ver­bin­den und den welt­weit dritt­größ­ten Au­to­her­stel­ler for­mie­ren wol­len. Die Ge­sprä­che schei­ter­ten je­doch. Nach mo­na­te­lan­gen Ver­hand­lun­gen zog Fi­at Chrys­ler im Ju­ni sei­ne Of­fer­te für ei­nen Zu­sam­men­schluss zu­rück.

Fer­di­nand Du­den­höf­fer, der Lei­ter des CAR-In­sti­tuts an der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen, er­war­tet für den Fall ei­ner Fia­tÜber­nah­me zu­sätz­li­chen Druck auf Opel. Fi­at ha­be gro­ße Über­ka­pa­zi­tä­ten, die in Ita­li­en aber sehr schwer ab­zu­bau­en sei­en.

PSA-Chef Car­los Ta­va­res wer­de zwangs­läu­fig den Blick auch wie­der auf die wei­ter­hin vor­han­de­nen Über­ka­pa­zi­tä­ten bei Opel rich­ten. PSA hat­te Opel vor gut zwei Jah­ren über­nom­men und mit har­ter Hand wie­der in die Ge­winn­zo­ne ge­führt – vie­le Jobs blie­ben da­bei auf der Stre­cke.

Au­to­bau­er ste­hen un­ter Druck, denn sie müs­sen rie­si­ge Be­trä­ge in au­to­no­me Au­tos und Elek­tro­mo­bi­li­tät in­ves­tie­ren. Ei­ne Fu­si­on bie­tet nach An­sicht des Ex­per­ten Ste­fan Brat­zel vie­le Chan­cen. PSA könn­te so auf dem US-Markt Fuß fas­sen, sag­te der Lei­ter des Cen­ter of Au­to­mo­ti­ve Ma­nage­ment in Ber­gisch Glad­bach. PSA sei bis­lang nicht in Nord­ame­ri­ka

ver­tre­ten. FCA hat hin­ge­gen ei­ne star­ke Markt­po­si­ti­on mit Chrys­ler, Dodge und Jeep.

In der Bran­che wird im­mer wie­der auf Schwä­chen von Fi­at Chrys­ler hin­ge­wie­sen. Denn FCA hat­te un­ter der Füh­rung des mitt­ler­wei­le gestor­be­nen Au­to­bos­ses Ser­gio Mar­chion­ne auf gro­ße In­ves­ti­tio­nen in Elek­tro­an­trie­be ver­zich­tet. Der­zeit ist der Kon­zern vor al­lem mit den Sprit­schlu­ckern der Mar­ken Jeep und Ram in den USA er­folg­reich. Das hilft in Eu­ro­pa aber nicht beim Ein­hal­ten von CO2-Zie­len spä­tes­tens ab 2021. In Ita­li­en ver­liert der Kon­zern zu­dem Markt­an­tei­le und fuhr zu­letzt nur knapp an ei­nem ope­ra­ti­ven Ver­lust vor­bei.

Fo­to: Si­pa Ha­ley/epa/dpa

Das wa­ren noch Zei­ten: ein Ci­tro­en DS am Eif­fel­turm.

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