Per­fek­tes Ge­met­zel

Bietigheimer Zeitung - - Kino - Jörg Ger­le

wun­der­bar! Zu­sam­men mit al­ten Freun­den, da­heim am ge­müt­li­chen Echt­holz­tisch. Ein gu­ter Wein, auf­wen­dig ge­zau­ber­tes Es­sen. Über Gott und die Welt pa­la­vern oder aber über den Vor­na­men des ge­ra­de ge­bo­ren Nach­wuch­ses sin­nie­ren. Das Le­ben kann so ver­dammt schön sein, wenn Wo­che­n­en­de ist – und man auch sonst kei­ne Sor­gen hat.

All das pas­siert tau­send­fach, im­mer wie­der, und im­mer wie­der den­ken die Be­tei­lig­ten: Schön war’s; hof­fent­lich bald mal wie­der! Für Au­to­ren sind die­se Art emo­tio­na­ler Gleich­ge­wichts­zu­stän­de das Lang­wei­ligs­te, was sie sich vor­stel­len kön­nen. Gut, es gibt Klas­si­ker des Ki­nos, da wird sich ein­fach nur un­ter­hal­ten: Lou­is Mal­les mu­tet uns Zu­schau­ern in „Mein Es­sen mit An­dré“111 Mi­nu­ten exis­ten­tia­lis­ti­sche Plau­de­rei zwei­er (Künst­ler-)Freu­de zu – oh­ne dass ei­ner auf­steht und den an­de­ren mit ei­ner Ge­wehr­sal­ve nie­der­steckt. Eric Roh­mer hat mehr als 40 Jah­re und zwei Dut­zend Fil­me Leu­te ein­fach nur re­den las­sen. Wun­der­bar für den, der Ge­duld hat zu­zu­hö­ren!

Doch Ki­no ist „big­ger than li­fe”, und so müs­sen Tisch­ge­sprä­che im Film – im Ge­gen­satz zu de­nen da­heim – im­mer es­ka­lie­ren. Da wird das Neu­ge­bo­re­ne nicht Horst, son­dern min­des­tens Adolf ge­nannt, da­mit die La­ge spä­tes­tens nach der zwei­ten Fla­sche Bor­deaux es­ka­lie­ren kann. Und da tref­fen sich im­mer gu­te al­te Freun­de, bei de­nen man sich – wäh­rend sie sich ver­bal an die Gur­gel ge­hen – per­ma­nent fragt, wie sie um Him­mels wil­len einst gu­te Freun­de ha­ben wer­den kön­nen.

Fil­me über Tisch­ge­sprä­che kön­nen köst­lich sein: Wenn Meis­ter­re­gis­seu­re auf meis­ter­li­che Dreh­bü­cher und prä­gnan­te Bild­ge­stal­ter tref­fen. Sie kön­nen im wah­ren Le­ben spie­len, wie bei Roh­mer, oder im Kri­mi­mi­lieu, wie bei „Mord mit klei­nen Feh­lern“. Zu­meist kom­men sie aus Frank­reich, wie das Ori­gi­nal zu „Der Vor­na­me“, oder von Polan­ski, wie „Der Gott des Ge­met­zels“. Aus Deutsch­land kom­men zu­meist die Schwie­ri­gen, Stei­fen, Un­glaub­wür­di­gen, die Nach­ge­mach­ten und die Ver­krampf­ten. „Das Per­fek­te Ge­heim­nis“ist all das. Es darf al­so tre ich ge­strit­ten wer­den!

Ge­übt im Streit mit Freun­den: Der Schau­spie­ler Flo­ri­an Da­vid Fitz spiel­te schon in „Der Vor­na­me“mit, hier ist er als Pe­pe im ak­tu­el­len FIlm „das per­fek­te Ge­heim­nis“zu se­hen.

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