Bil­der aus der Zeit­ma­schi­ne

Ei­ne se­hens­wer­te Werk­schau für die Rich­ter-Schü­le­rin Ka­rin Kn­ef­fel im Mu­se­um Frie­der Bur­da.

Bietigheimer Zeitung - - Feuilleton -

Ba­den-Ba­den. In ih­ren Bil­dern geht es nicht ein­fach zu. Die Ma­le­rin Ka­rin Kne el ist schließ­lich bei Ger­hard Rich­ter in die Leh­re ge­gan­gen und von ihm ist ja be­kannt, dass er sich in kei­ne der an­ge­sag­ten Kunst­schub­la­den zwän­gen lässt. Auch sei­ne Schü­le­rin Ka­rin Kne el kann Vol­ten schla­gen, ob­wohl sich ihr Vor­ha­ben zu­nächst un­ver­däch­tig ein­fach an­hört, wenn sie sagt, dass sie das, was sich in ih­rem Kopf ab­spielt, nach au­ßen tra­gen will.

Da­bei muss man wis­sen, dass sich Ka­rin Kne el ger­ne in ei­ner Zeit­ma­schi­ne be­wegt, dass sie al­les in ih­ren Bil­dern zu­sam­men­füh­ren will, Räu­me und Zei­ten, Ge­gen­wart und Ver­gan­gen­heit. Tat­säch­lich wühlt sie in den Fo­to­ar­chi­ven, nimmt al­les zu Hil­fe, was In­ter­net, Mu­se­en und Le­xi­ka her­ge­ben, um et­wa die In­te­ri­eurs der von ge­mal­ten Ge­bäu­de ge­nau­es­tens zu re­kon­stru­ie­ren.

Die Mu­se­ums­be­su­cher ha­ben na­tür­lich kei­ne Zeit­ma­schi­ne zur Hand, um al­le Bild-Ver­knüp­fun­gen zu er­fas­sen. Will Ka­rin Kn­ef­fel ja auch nicht, Ge­heim­nis­se und Rät­sel­fra­gen sol­len blei­ben. Ih­re ma­le­ri­schen Mit­tel tau­gen ge­nau da­für: Spie­ge­lun­gen, Über­la­ge­run­gen, Über­ma­lun­gen, Ver­wi­schun­gen gibt es die Men­ge. Um die Bild­be­trach­ter vor­erst noch auf Dis­tanz zu hal­ten, setzt Ka­rin Kne el oft pin­ge­lig hy­per­rea­lis­tisch ge­mal­te Glas­schei­ben ein, an de­nen rie­si­ge Was­ser­trop­fen ab­per­len. An kla­re Durch­sicht auf die Bild­hin­ter­grün­de ist da nicht zu den­ken.

Über­ra­schungs­mo­men­te hat Ka­rin Kne el im­mer im Är­mel: Schon ih­re frü­hen Tier­por­träts mach­ten auf den Kunst­märk­ten Fu­ro­re, dann ka­men die plas­ti­schen und rah­men­spren­gen­den Obst­bil­der. Nicht zu re­den von den mit vie­len Putz­frau­en be­setz­ten Film-Ma­king-Bil­der, wo vor al­lem Al­f­red Hitch­cock mäch­tig ge­hul­digt wird. Der Kult­re­gis­seur, der sich in sei­nen Pro­duk­tio­nen meist ei­ne klei­ne Ne­ben­rol­le zu­ge­bil­ligt hat, darf auch bei Ka­rin Kne el auf die Büh­ne. Sei­ne Hän­de und so­gar sei­nen Hin­ter­kopf hat sie auf ih­ren Bil­dern aufs Schöns­te ver­ewigt.

Burk­hard Mei­er-Grol­man

Foto: Ger­da Mei­er-Grol­man

Ka­rin Kne el vor ih­ren Tier­por­träts.

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