In­go Ap­pelt kriecht in die Män­ner­see­le

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e -

Bie­tig­heim-Bis­sin­gen. Im voll be­setz­ten Kro­nen­zen­trum be­geis­tert der Co­me­di­an mit Wit­zen un­ter der Gür­tel­li­nie die Be­su­cher fast drei st­un­den lang und wird be­geis­tert ge­fei­ert.

Come­dy Zwei St­un­den und 40 Mi­nu­ten lang brüll­te das Pu­bli­kum im voll be­setz­ten Kro­nen­zen­trum in Bie­tig­heim vor La­chen über In­go Ap­pel. Von Hei­ke Rom­mel

ch kom­me auch ger­ne wie­der und län­ger – ar­bei­tet an euch:“So stell­te der Come­dy-Star In­go Ap­pelt am Sams­tag­abend im voll be­setz­ten Kro­nen­zen­trum das Pu­bli­kum schon mal auf sei­ne nächs­te Live-Show in Bie­tig­heim ein. Die Zu­schau­er brüll­ten vor La­chen im zwei St­un­den und 40 Mi­nu­ten dau­ern­den Pro­gramm „Bes­ser ist bes­ser!... Das Up­date! Jetzt noch bes­ser!“

IUn­ter der Gür­tel­li­nie

Das zum fes­ten En­sem­ble von „Nuhr im Ers­ten“ge­hö­ren­de „En­fant ter­ri­b­le“der deut­schen Come­dy-Sze­ne hat­te nicht zu viel ver­spro­chen, als er sich in den „Sou­ter­rain“der Män­ner­see­le be­gab und wie­der mal kräf­tig un­ter der Gür­tel­li­nie zu­schlug. „Gu­te Lau­ne ist wie Sex in der Ehe. Man muss sich nur zwin­gen, dann ist es auch wie­der schön“.

Ap­pelt, im Fol­gen­den auch „Ingsi-Schat­zi“ge­nannt, stieg mit Voll­gas in die Ka­ta­kom­ben der Männ­lich­keit hin­ab und schlug im ers­ten Teil ei­nen mi­li­tä­ri­schen Rhyth­mus an, bei dem das Brül­len erst ein­mal Auf­ga­be der Dik­ta­to­ren von Hit­ler bis zu Er­do­gan war. „Tut ein­fach so, als hät­tet ihr jah­re­lang auf mich ge­war­tet“, schrieb er dem Pu­bli­kum sei­ne Rol­le zu.

„Al­le wis­sen, dass wir Na­zis sind, nur wir nicht“, teil­te der So­zi­al­de­mo­krat und ehe­ma­li­ge Ge­werk­schaf­ter aus. Als Fran­ke, bei de­nen die De­pres­si­on be­reits in den Dia­lekt „mit nei ge­baut“sei und wo Jungs, die „wis­sen, wie man Wil­ly Brandt rich­tig schreibt, zu Ter­ro­ris­ten er­zo­gen“wür­den, be­vor sie im er­wach­se­nen Al­ter die „welt­weit frus­trier­te Männ­lich­keit“er­le­ben dürf­ten.

„Komm‘ Mä­del zieh‘ die Bur­ka aus und fühl dich wie zu Hau­se“, so wür­de der Is­la­mist er­klä­ren, war­um die Un­ter­drü­ckung der Frau nichts mit Re­li­gi­on zu tun hat. Ap­pelt in­kar­nier­te den Füh­rer nach dem Ki­no-Film „Er ist wie­der da“und mach­te die Kanz­le­rin­nen­ges­te „wei­ter un­ten“vor dem kör­per­li­chen In­be­griff der Männ­lich­keit über­haupt.

Al­les mit Rang und Na­men

Da, wo bei den Frau­en die „Bun­des­mu­schi“ist. Von Wal­ter Ul­bricht über Franz Josef Strauß bis zu Mer­kel und Trump be­leuch­te­te er po­li­tisch al­les aus dem Un­ter­kör­per, was Rang und Na­men hat. Ap­pelt er­wies sich in atem­be­rau­ben­den Tem­po wie­der mal als Mul­ti-Ta­lent im Par­odie­ren. Sei­ne Fans sa­hen die Poin­te kom­men und brüll­ten schon vor­her vor La­chen.

Mit Ve­get-“Ari­ern“, Ve­ga­nern, Glu­ten­all­er­gi­kern, SUV-Fah­rern, E-Scoo­ter-Fah­rern, Fahr­rad­fah­rern und Elek­tro-Gril­lern als frus­trier­te Ehe­män­ner schlecht­hin deck­te er die The­men­pa­let­te des All­tags ab. Ein „Bild des Elends“zeich­ne­te „Ing­schi“als de­pres­si­ver Gat­te beim BH-Kauf bei Hun­ke­m­öl­ler, im Fa­mi­li­en-Ur­laub in Hurg­ha­da oder beim Früh­stück, das er ans Bett ser­viert. Den Weg ei­nes In­go Ap­pelt in das Herz der Frau leg­te er je­dem Zu­hö­rer ans Herz: „Di­enst­leis­ter“.

„Oh­ne Ziel­vor­rich­te“wie die Da­men der Schöp­fung auf der Toi­let­te, wo sich männ­li­cher- wie weib­li­cher­seits ein nicht un­be­acht­li­cher Teil des Pro­gramms ab­spiel­te, setz­te sich „Ingsi-Schat­zi“an den Flü­gel und tat so, als kön­ne ihn je­der spie­len. Das Pu­bli­kum bog sich vor La­chern über sei­ne Grö­ne­mey­er-Par­odie, die ein­schlug wie ei­ne Bom­be.

Lö­sungs­ver­su­che

Ap­pelts Lö­sungs­ver­such ge­gen den ge­for­der­ten fünf­fa­chen, mul­ti­plen Or­gas­mus und Dro­hun­gen wie „ein fal­sches Wort am Mor­gen und du kannst es ver­ges­sen heu­te Abend“ist: „Wir ge­hen in die se­xu­el­le Ver­wei­ge­rung.“Ein

Tut ein­fach so, als hät­tet ihr jah­re­lang auf mich ge­war­tet.

Mann kön­ne nun mal beim Sex nicht auch noch re­den, wenn „das gan­ze Blut im Sou­ter­rain ist“.

Wie das aus­sieht, spiel­te In­go Ap­pelt bei sei­ner Num­mer „Till und An­gie“vor. Der Akt von Till Schwei­ger, der sei­nem Na­men bes­ser Eh­re ma­chen soll­te, und Frau „Wir schaf­fen das“, blieb im voll be­setz­ten Kro­nen­zen­trum nicht oh­ne Fol­gen.

Ap­pelts Män­ner-Ver­bes­se­rungs-Come­dy schrie ge­ra­de­zu nach Zu­ga­be, die die Be­su­cher auch for­der­ten. Aber „In­go, In­go!“kommt ja wie­der. „So gro­ße Kauf­häu­ser“wie das mal eben in der Pau­se schnell auf­ge­such­te Kauf­land Bie­tig­heim ha­be er in Ber­lin näm­lich nicht.

Fo­to: Mar­tin Kalb

In­go Ap­pelt blieb im Kro­nen­zen­trum Bie­tig­heim meist un­ter der Gür­tel­li­nie mit sei­nen Wit­zen.

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