Zur Per­son und zur WM

Bietigheimer Zeitung - - Sport -

zum Sai­son­hö­he­punkt hin an­grei­fen kön­nen.“

Ni­ko Kap­pel ist ein Aus­nah­me­ath­let. Und ein Bot­schaf­ter des Be­hin­der­ten­sports. Bei ö ent­li­chen Auf­trit­ten dis­ku­tiert er über In­klu­si­on, macht Wer­bung für sei­ne Lei­den­schaft. Mit sei­ner o enen, un­kom­pli­zier­ten Art. Sei­nem schwä­bi­schen Dia­lekt, den er gar

Ni­ko Kap­pel nicht erst zu über­spie­len ver­sucht. Kap­pel ist froh, wenn er Leu­ten da­von er­zäh­len kann, wie nor­mal es ist, klein­wüch­sig zu sein. „Je­der hat doch sei­ne Stär­ken und Schwä­chen“, sagt er. „Und je­der fin­det sei­nen Platz in der Ge­sell­schaft, wenn er sich auf sei­ne Stär­ken fo­kus­siert“– und sei­ne Mög­lich­kei­ten nutzt. Für vie­le ist er ein Vor­bild. Ei­ne Rol­le, in der er sich selbst nicht sieht. Das Vor­bild sei­en für ihn sei­ne El­tern, sagt er: „Weil sie mich so er­zo­gen ha­ben. Sie ha­ben nie ei­nen Un­ter­schied ge­macht oder mich in Wat­te ge­packt.“

Im sei­nem Sport schrei­tet die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung im­mer wei­ter vor­an, seit zwei Jah­ren trai­niert Kap­pel un­ter den Be­din­gun­gen ei­nes Voll­pro­fis. In sei­nem Job als Bank­kauf­mann ist er be­ur­laubt, ge­hört der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr an. Sei­nen All­tag be­stimmt das Trai­ning, zu­letzt die Vor­be­rei­tung auf die WM in Du­bai. Dort­hin ist er mit der deut­schen Pa­ra-Na­tio­nal­mann­schaft be­reits ge­reist. Am Sonn­tag steht sein Wett­kampf be­vor, um 7.44 Uhr deut­scher Zeit. Für Kap­pel ei­ne klei­ne Her­aus­for­de­rung: „Mein Trai­ner weiß, wenn ich vor halb zehn in der Hal­le bin, stimmt et­was nicht.“

Nicht nur das frü­he Auf­ste­hen und die Ge­wöh­nung an 30 Grad Au­ßen­tem­pe­ra­tur und Kli­ma­an­la­gen-Luft – „es ist ko­misch, man reist nach Du­bai und nimmt ei­nen Hau­fen Pul­lis mit“– wer­den für ihn ei­ne Um­stel­lung sein. Die Stim­mung wer­de an die ver­gan­ge­ne WM in London nicht ran kom­men. „Über die Wett­kampf­ta­ge wa­ren 400 000 Zu­schau­er im Sta­di­on“, sagt er. „Das ist bei uns, glau­be ich, Re­kord.“Wenn es in Du­bai an die 400 wer­den, wä­re man stolz, sagt er. Auf Un­ter­stüt­zung darf der 24-Jäh­ri­ge trotz­dem set­zen: Sei­ne Fa­mi­lie und sei­ne Freun­din, die ih­ren Ur­laub für die WM „op­fert“, wer­den zu sei­nem Auf­tritt im Sta­di­on sein.

Ni­ko Kap­pel weiß was er drauf hat, und das will er zei­gen. Bei ei­nem Trai­nings­wett­kampf im Sep­tem­ber, der zwar ge­normt war, aber nicht in die in­ter­na­tio­na­le Wer­tung zähl­te, hat er vor­ge­macht, was mög­lich ist: In Welz­heim hat der Welz­hei­mer den Welt­re­kord über 30 Zen­ti­me­ter über­tro en. „Das ist echt viel“, sagt Kap­pel, aber den hab ich halt er­wischt.“Und auf 14,46 Me­ter ge­sto­ßen.

Ni­ko Kap­pel ist 24 Jah­re alt, ge­bo­ren in Schwä­bisch Gmünd, auf­ge­wach­sen in Welz­heim. Bei den Pa­ralym­pics in Rio 2016 hol­te er in der Ka­te­go­rie F41 die Gold­me­dail­le mit ei­ner Wei­te von 13,57 Me­tern. 2016 und 2017 wur­de er in Deutsch­land als Be­hin­der­ten­sport­ler des Jah­res aus­ge­zeich­net.

Die Welt­meis­ter­schaft der Pa­ra-Leicht­ath­le­ten fin­det vom 7. bis 15. No­vem­ber in Du­bai statt. Kap­pel ist am Sonn­tag, 10. No­vem­ber dran. Sein Wett­kampf fin­det ab 7.44 Uhr deut­scher Zeit statt, in Du­bai ist es dann 10.44 Uhr. Mit ins­ge­samt 32 Sport­le­rin­nen und Sport­lern reist die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft zur WM.

Das Ziel ist schon die Gold­me­dail­le.

Fo­to: Eibner

WM-Ti­tel-Ver­tei­di­ger im Ku­gel­sto­ßen Mehr­mals hat Ni­ko Kap­pel vom VfL Sin­derl­fin­gen in die­sem Jahr die Ku­gel über 14 Me­ter ge­sto­ßen. Bei der Welt­meis­ter­schaft in Du­bai will er nach­le­gen.

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