Hei­me kri­ti­sie­ren Pfle­ge-Tüv

Bietigheimer Zeitung - - Aus Stadt Und Kreis -

Kreis Lud­wigs­burg Sta­tio­nä­re Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wer­den ab No­vem­ber nach ei­nem neu­en Sys­tem über­prüft. Das be­deu­tet für die Hei­me vor al­lem Bü­ro­kra­tie. Von Gabriele Sz­c­ze­gul­ski

Ob sich die Be­woh­ner bei uns wohl­füh­len, das wird wei­ter­hin nicht deut­lich.

eue Vor­ga­ben für die Qua­li­täts­prü­fung der voll­sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sol­len nach jah­re­lan­ger Kri­tik den al­ten Pfle­ge-Tüv ab­lö­sen, bei dem al­le Hei­me Best­no­ten be­ka­men und die ver­öf­fent­li­chen Aus­sa­gen nicht wirk­lich et­was über die tat­säch­li­che Qua­li­tät aus­sag­ten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU): „Ent­schei­dend ist, wie es den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen tat­säch­lich geht“. Zu­dem sol­le der neue Pfle­ge-Tüv we­ni­ger bü­ro­kra­ti­sche Ar­beit ma­chen.

Auf­fäl­ligs­te Än­de­rung: Es gibt kei­ne Be­no­tung mehr. „Die No­ten wa­ren ir­re­füh­rend“, sagt El­ke Eckert, Haus­di­rek­to­rin der Evan­ge­li­schen Heim­stif­tung im Ro­bert-Bre­u­ning-Stift in Be­sig­heim. Der neue Pfle­ge-Tüv soll vor al­lem künf­ti­gen Be­woh­nern und An­ge­hö­ri­gen ver­läss­li­che­re Ori­en­tie­rung bei der Aus­wahl an Pfle­ge­hei­men bie­ten.

„Für die Be­woh­ner än­dert sich durch das neue Sys­tem der Qua­li­täts­prü­fung nichts“, sagt El­ke Eckert. Es sei aber kei­nes­falls we­ni­ger Bü­ro­kra­tie, eher mehr, zu­min­dest im Vor­feld ei­ner Prü­fung. „Wir muss­ten un­se­re Mit­ar­bei­ter schu­len, da das neue Sys­tem ei­ne in­halt­li­che und or­ga­ni­sa­to­ri­sche An­pas­sung un­se­rer Do­ku­men­ta­ti­ons­soft­ware be­deu­tet“, so Eckert. Zwar ha­be man auch zu­vor al­les do­ku­men­tiert,

NEl­ke Eckert nun sei­en aber die Kri­te­ri­en an­de­re. „Wir müs­sen je­den Be­woh­ner“, so Eckert, „nach 98 Fra­ge­stel­lun­gen be­wer­ten und das zwei­mal pro Jahr zu ei­nem Stich­tag“.

„Es ist ein neu­er Dschun­gel an Da­ten“, sagt Na­di­ne Zen­ker-Kai­ser, Fach­be­reichs­lei­te­rin Pfle­ge und So­zi­al­ma­nage­ment der Klee­blatt-Pfle­ge­hei­me in der Zen­tra­le in Lud­wigs­burg. Al­le Fach­kräf­te der Klee­blatt-Pfle­ge­hei­me wür­den ge­schult, da­mit sie zum Stich­tag die Da­ten der Be­woh­ner zu­sam­men­fas­sen und do­ku­men­tie­ren könn­ten. Aber, so sagt sie, das sei nun mal die Auf­ga­be von Fach­kräf­ten und sie sa­ge den An­ge­stell­ten, dass die neue Qua­li­täts­prü­fung auch ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on ih­re gu­te Ar­beit be­le­ge. Im Test ha­be das Aus­fül­len der Pa­ti­en­ten­bö­gen an­fangs 45 Mi­nu­ten für ei­ne Fach­kraft ge­dau­ert, „mitt­ler­wei­le sind es 20, das wird bes­ser im Lau­fe der Zeit“, sagt Zen­ker-Kai­ser.

„Man kann schon durch die de­tail­lier­te­re Darstel­lung des Zu­stands ei­nes Be­woh­ners De­fi­zi­te bes­ser se­hen“, sagt Eckert. Schon bis­her wer­de, so sa­gen die bei­den Pfle­ge­lei­te­rin­nen, Struk­tur des Ta­ges­ab­laufs, All­tags­be­glei­tung, Pfle­ge, Zu­stand des Pa­ti­en­ten, wie sei­ne Mo­bi­li­ät oder even­tu­el­le Wun­den so­wie sein geis­ti­ger Zu­stand, do­ku­men­tiert.

Für Zen­ker-Kai­ser gibt es ei­ne po­si­ti­ve Neue­rung: das Fach­ge­spräch der Prü­fer mit den Fach­kräf­ten. „Da­durch wer­den die Fach­kräf­te mehr wert­ge­schätzt, kön­nen ih­re Mei­nung sa­gen und de­tail­liert an­ge­ben, wie und war­um ein Be­woh­ner so und nicht an­ders ge­pflegt wird, und so die Do­ku­men­ta­ti­on er­gän­zen“, sagt sie. In den Klee­blatt­hei­men des Land­krei­ses, in de­nen zwi­schen 24 bis 30 Be­woh­ner le­ben, wer­den die Da­ten mo­men­tan noch per Hand aus dem schon vor­han­de­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­sys­tem zu­sam­men­ge­tra­gen. „Aber beim nächs­ten Stich­tag wird die Soft­ware die Da­ten au­to­ma­ti­siert zu­sam­men­zie­hen“, sagt sie.

Be­wer­tung durch Fach­per­so­nal

Die Be­wer­tung durch das Fach­per­so­nal sei aber un­um­gäng­lich. „Vor al­lem hat man schon jetzt in der Vor­be­rei­tung ge­se­hen, dass die Pfle­ge­kräf­te dar­aus ei­nen Vor­teil zo­gen, weil sie den Fall ei­nes je­den Pa­ti­en­ten noch­mal ge­nau an­se­hen, mit­ein­an­der dar­über spre­chen und Bes­se­rungs­vor­schlä­ge ein­brin­gen kön­nen“, sagt Nicole Zen­ker-Kai­ser.

„Schwar­ze Scha­fe“bei den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wer­de man aber so nicht aus­mer­zen kön­nen, da­rin sind sich bei­de Pfle­ge­lei­te­rin­nen ei­nig. „Ich sa­ge es, wie es ist: Man kann viel do­ku­men­tie­ren“, so Eckert. „Ich glau­be, das ist auch nicht ge­wollt. Die Qua­li­täts­prü­fung soll die Pfle­ge in ei­nem trans­pa­ren­te­ren Licht dar­stel­len, ob das für die Nut­zer spä­ter al­les so ver­ständ­lich ist, wird man se­hen“, so Zen­ker-Kai­ser.

Zu vie­le Ein­rich­tun­gen sei­en, so Kri­ti­ker, in dem bis­he­ri­gen Sys­tem zu gut be­no­tet wor­den, da die No­ten aus der Zu­sam­men­set­zung al­ler Kri­te­ri­en ge­ne­riert wor­den sei­en. Kri­te­ri­en wie schlech­te Haut- oder Wund­pfle­ge konn­ten in der Be­wer­tung aus­ge­gli­chen wer­den durch an­de­re Kri­te­ri­en. Bei­spiels­wei­se durch schö­ne Park­an­la­gen oder „schrift­li­che Ver­fah­rens­an­wei­sun­gen zu Ers­ter Hil­fe“im Haus. So ka­men die Best­no­ten zu­stan­de. „Da war ei­ne 1,8 schon sehr schlecht“, so

Zen­ker-Kai­ser. Ei­ne Ver­bes­se­rung sei, so El­ke Eckert, dass die zu prü­fen­den Be­woh­ner nicht mehr durch das Zu­falls­prin­zip aus­ge­wählt wer­den, son­dern vor­her an­hand der Do­ku­men­ta­tio­nen und ih­rer Ri­si­ko­fak­to­ren be­stimmt wer­den. Ins­ge­samt wer­den sechs Be­woh­ner pro Heim aus­ge­wählt und drei zu­fäl­lig vom Prü­fer vor Ort – gleich­gül­tig, wie vie­le Be­woh­ner das Heim hat. Das Ro­bert-Bre­u­ning-Stift hat 125 Be­woh­ner und es wer­den trotz­dem nur neun Kun­den ge­nau­er an­ge­schaut, wie in ei­nem Klee­blatt­heim mit 25 Be­woh­nern. „Re­prä­sen­ta­tiv geht an­ders“, sagt Zen­ker-Kai­ser. „Ob sich die meis­ten Be­woh­ner bei uns wohl­füh­len, das wird im Er­geb­nis wei­ter­hin nicht deut­lich“, sagt El­ke Eckert.

Fotos: Hel­mut Pang­erl

Die P ege­kräf­te, so Na­di­ne Zen­ker-Kai­ser, P ege­lei­te­rin der Klee­blatt­hei­me, er­fah­ren nun mehr Wert­schät­zung.

El­ke Eckert, Haus­di­rek­to­rin des Ro­bert-Bre­u­ning-Stifts, macht die neue Qua­li­täts­prü­fung kei­ne Sor­gen.

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