Bruch oder Auf­bruch

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Ma­thi­as Pud­dig zur Idee, den Ko­ali­ti­ons­ver­trag nach­zu­ver­han­deln

Das Kal­kül ist kaum zu über­se­hen. Weil sich lang­sam her­aus­schält, dass die Zwi­schen­bi­lanz der gro­ßen Ko­ali­ti­on wohl nicht zu de­ren En­de führt, bringen die Kri­ti­ker des Re­gie­rungs­bünd­nis­ses jetzt Nach­ver­hand­lun­gen ins Ge­spräch. Auf Sei­ten der SPD träu­men ei­ni­ge von ei­ner Kin­der­grund­si­che­rung, auf Uni­ons­sei­te wird ein ver­pflich­ten­des Di­enst­jahr in die De­bat­te ge­bracht. All die Pro­jek­te, die es vor an­dert­halb Jah­ren nicht in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­schafft ha­ben, wer­den noch ein­mal her­vor­ge­holt – an­geb­lich, um der Bun­des­re­gie­rung ei­nen Auf­bruch zu er­mög­li­chen. Da­bei geht es ei­gent­lich um ei­nen Bruch.

Die Chan­cen, dass sich SPD und Uni­on noch ein­mal auf ein Ar­beits­pro­gramm ei­ni­gen kön­nen, sind seit An­tritt der Bun­des­re­gie­rung schließ­lich nicht gera­de ge­wach­sen. Denn bei­de gro­ße Par­tei­en sind deut­lich in­sta­bi­ler als zu Be­ginn 2018. Und an­ders als da­mals wür­de jetzt zu­dem nach ei­nem Schei­tern der Ge­sprä­che kein po­li­ti­scher Still­stand mehr dro­hen – nach Neu­wah­len wür­de der Bun­des­tag mit Si­cher­heit an­ders aus­se­hen. Es gä­be Al­ter­na­ti­ven zur gro­ßen Ko­ali­ti­on. Wer Nach­ver­hand­lun­gen for­dert, kal­ku­liert die­se Al­ter­na­ti­ven mit ein.

Die Groko-Be­für­wor­ter auf bei­den Sei­ten gin­gen al­so ein gro­ßes Ri­si­ko ein, wenn sie sich auf die­se De­bat­te ein­lie­ßen. Sinn­vol­ler wä­re es für sie, zu zei­gen, war­um sie für die Ko­ali­ti­on ste­hen. Das geht nur, in­dem sie das Le­ben der Men­schen kon­ti­nu­ier­lich ver­bes­sern. Das kann auch mit Maß­nah­men ge­sche­hen, die nicht im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ste­hen. Ei­ne funk­tio­nie­ren­de Re­gie­rung muss oh­ne­hin in der La­ge sein, über ih­re Ar­beits­grund­la­ge hin­aus zu agie­ren, oh­ne gleich sich selbst in Fra­ge zu stel­len.

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