Junge Uni­on stellt er­neut Füh­rungs­fra­ge

Vor­stands­wahl Die gu­ten Werte für ih­ren Co-Vor­sit­zen­den Ro­bert Ha­beck ge­hen beim Bun­des­par­tei­tag fast un­ter. Ne­ben Kli­ma­schutz sol­len So­zi­al- und Wirt­schafts­the­men ei­ne grö­ße­re Rol­le spie­len.

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e - dpa

CDU Hef­ti­ge De­bat­ten vor dem Par­tei­tag. Nur Fried­rich Merz lenkt ein.

Bad Waldsee. In der Süd­west-CDU ge­winnt die in­ner­par­tei­li­che Kri­tik am Kurs der Bun­des­par­tei an Schär­fe. Der Bun­des­chef der Jun­gen Uni­on, Til­man Ku­ban, stell­te bei ei­nem Tref­fen der Jun­gen Uni­on Ba­den-Würt­tem­berg am Sonntag er­neut die Füh­rungs­fra­ge – we­ni­ge Ta­ge vor dem CDU-Bun­des­par­tei­tag. Die CDU-Spit­zen­kan­di­da­tin im Land, Susanne Ei­sen­mann,

kri­ti­sier­te das Auf­tre­ten der CDU als alt­ba­cken und ar­ro­gant. Der frü­he­re Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz (CDU) wies bei sei­nem Auf­tritt in Ober­schwa­ben hin­ge­gen Spe­ku­la­tio­nen zu­rück, er sä­ge am Stuhl von CDU-Bun­des­che­fin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er.

Kramp-Kar­ren­bau­er sei die Par­tei­vor­sit­zen­de und für zwei Jah­re ge­wählt, sag­te Merz. Das wer­de er ak­zep­tie­ren. „Sie hat un­ser al­ler Un­ter­stüt­zung ver­dient – auch wenn es schwie­rig wird.“Auf dem CDU-Bun­des­par­tei­tag in Leipzig En­de der Wo­che stün­den kei­ne Per­so­nal­de­bat­ten an, sag­te Merz.

In der Bun­des­par­tei to­ben der­zeit Macht­kämp­fe. Die Junge Uni­on for­dert ei­nen Mit­glie­der­ent­scheid in der Fra­ge der Kanz­ler­kan­di­da­tur, was als Af­front

ge­gen Kramp-Kar­ren­bau­er ver­stan­den wur­de. Ku­ban be­kräf­tig­te sei­ne For­de­rung nach ei­ner Klä­rung der Per­so­nal­de­bat­te in der Par­tei. Bun­des­vi­ze Tho­mas Strobl hin­ge­gen rief sei­ne Par­tei zur Ge­schlos­sen­heit auf. „Wir brau­chen kei­ne Selbst­be­schäf­ti­gung und Streit um Pöst­chen.“

Bie­le­feld. Da steht sie auf der Büh­ne und kann es nicht fas­sen. „Mir feh­len die Wor­te, mir kom­men die Trä­nen“, sagt An­na­le­na Ba­er­bock, die gera­de mit 97,1 Pro­zent als Grü­nen-Che­fin wie­der­ge­wählt wur­de. Es ist das bes­te Er­geb­nis, das es bei den Grü­nen je­mals bei ei­ner Wahl zum Par­tei­vor­sitz gab. Die eben­falls sehr gu­ten 90,4 Pro­zent für Ro­bert Ha­beck ge­hen da fast un­ter.

Die ho­hen Zu­stim­mungs­wer­te, mit de­nen der Bun­des­par­tei­tag am Wo­che­n­en­de in Bie­le­feld sein Spit­zen­duo be­dach­te, wa­ren der Lohn für zwei Jah­re un­ter Ba­er­bock und Ha­beck, in de­nen es für die Grü­nen fast nur nach oben ging – von 8,9 Pro­zent bei der Bun­des­tags­wahl auf jetzt rund 20

Pro­zent in Um­fra­gen. Als „die bes­ten zwei Jah­re in der Geschichte der Grü­nen“, be­zeich­ne­te der eben­falls wie­der­ge­wähl­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Michael Kell­ner die­se Zeit. Ein Dämp­fer wa­ren nur die 5,2 Pro­zent bei der Thü­rin­gen-Wahl vor drei Wo­chen.

Die Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ha­be „gro­ße Er­war­tun­gen“an die Grü­nen ge­weckt, sag­te Ba­er­bock. „So­oo viel Ver­ant­wor­tung liegt vor uns“, rief sie in den Saal. Ge­schäfts­füh­rer Kell­ner wur­de kon­kret: „Ich will, dass wir im Bund re­gie­ren“, sag­te er un­ter gro­ßem Ap­plaus. Nach­denk­li­che Wor­te ka­men von Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann.

„Es wächst uns ei­ne Rol­le zu, nicht nur mit­zu­ge­stal­ten, son­dern auch mit­zu­füh­ren“, be­ton­te er. Ge­wählt wür­den die Grü­nen al­ler­dings schon lan­ge nicht mehr „nur von ein­ge­fleisch­ten Ökos“. Son­dern von vie­len an­de­ren Men­schen – „und die­se er­war­ten von uns rea­lis­ti­sche Ant­wor­ten“.

Grund­recht auf Woh­nen

Au­ßer mit dem Kli­ma­schutz wol­len die Grü­nen des­halb ver­stärkt mit so­zia­len und wirt­schaft­li­chen The­men Wäh­ler an­spre­chen. So soll es ein Grund­recht auf Woh­nen ge­ben. Die Ar­mut wol­len die Grü­nen mit ei­nem Min­dest­lohn von zwölf Eu­ro be­kämp­fen. Und als „Ener­gie­geld“sol­len die Ein­nah­men aus der CO2-Steu­er an die Bür­ger zu­rück­ge­ge­ben wer­den – die Steu­er aber wol­len die Grü­nen deut­lich er­hö­hen auf 60 statt der bis­her ge­plan­ten zehn Eu­ro.

Fran­zis­ka Brant­ner, Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze im Bun­des­tag, zieht ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz des Par­tei­tags. „Wir sind zwar nie ei­ne Ein-The­ma-Par­tei ge­we­sen. Aber es ist wich­tig, dass wir bei mög­lichst vie­len The­men, die die Men­schen um­trei­ben, kla­re und glaub­haf­te An­ge­bo­te ma­chen“, sag­te sie die­ser Zei­tung. Auch Brant­ner möch­te, dass die Grü­nen im Bund mit­re­gie­ren. „Da­zu müs­sen wir zu­nächst un­se­re ei­ge­nen Stand­punk­te de­fi­nie­ren. Ob das dann zum Bei­spiel mit der Uni­on kom­pa­ti­bel sein wird, wer­den wir se­hen.“

Fo­to: Ina Fass­ben­der/ afp

Grü­nen-Che­fin An­na­le­na Ba­er­bock freut sich über ihr Wah­l­er­geb­nis.

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