TV-Star bie­tet Pop und Soul

Lud­wigs­burg Maren Kroy­mann über­zeug­te im Lou­is-Büh­rer-Saal mit ih­rer Dus­ty-Spring­fiel­dHom­mage aus den 1960er-Jah­ren. Von Hei­ke Rom­mel

Bietigheimer Zeitung - - Kreis Ludwigsbur­g -

Mit ih­rem Pro­gramm „In my Six­ties“über­zeug­ten die Schau­spie­le­rin Maren Kroy­mann am Frei­tag­abend im Loi­us-Büh­rer-Saal der Lud­wigs­bur­ger Kreis­spar­kas­se. Das Pu­bli­kum war ver­blüfft, wie gut die auch aus ih­rem ei­ge­nen Sa­ti­re­pro­gramm als „Nacht­schwes­ter Kroy­mann“be­kann­te 70-Jäh­ri­ge sin­gen kann. In der For­ma­ti­on Maren Kroy­mann & Band ließ sie in ei­ner mu­si­ka­li­sche Reise durch die wil­den 1960er-Jah­re un­ter an­de­rem die Pop- und Soul­sän­ge­rin Dus­ty Spring­field wie­der auf­le­ben.

Vom Rock‘n Roll-Kleid über das ele­gan­te Ro­te bis zum schwar­zen Ho­sen­an­zug hat­te Maren Kroy­mann al­les im Kof­fer, um den Lud­wigs­bur­gern ei­ne tol­le Büh­nen­show zu bie­ten. Auch die Fri­sur hät­te die von Dus­ty Spring­field sein kön­nen. Es fehl­te nur noch der Po­ny. Das Pu­bli­kum er­leb­te das Mul­ti­ta­lent un­kom­pli­ziert, aber mit Hal­tung, wie es die ge­bür­ti­ge Tü­bin­ge­rin aus dem Fern­se­hen eben kennt. Fans und Be­wun­de­rer lie­ben ih­ren spe­zi­el­len Hu­mor, der auch bei der Mu­sik nicht zu kurz kommt.

Freu­de über Rück­kehr im Länd­le

Kroy­mann war „froh, mal wie­der im Länd­le zu sein“. Und das auch noch „in Lud­wigs­burg, wo Wie­land Ba­ckes doch im­mer die Talk­show ge­macht hat“, er­in­ner­te sie sich an den Mon­re­pos. Mit „In my Six­ties“fei­ert Maren Kroy­mann ein ganz per­sön­li­ches Ju­bi­lä­um, näm­lich „50 Jah­re Pu­ber­tät“. Die bri­ti­sche Sän­ge­rin Spring­field war in den Ju­gend­jah­ren ihr „An­ker“, wenn es zum Bei­spiel um Ge­brauchs­an­wei­sun­gen für „wie krie­ge ich ei­nen Mann und wie hal­te ich ihn“ging, um­ge­setzt im har­mo­nisch und la­dy­li­ke in­ter­pre­tier­ten Ti­tel „Whis­hin‘ and Ho­pin‘“. „Ich war da­mals schon stark an­ge­zo­gen vom Un­se­riö­sen“, blick­te die Wahl-Ber­li­ne­rin auf ih­re Ju­gend un­ter vier Brü­dern in Tü­bin­gen zu­rück, wo Stutt­gart und ein ge­wis­ses Vier­tel dort un­gleich in­ter­es­san­ter wa­ren.

Blues auf dem Bar­ho­cker, Swing und Rock‘n’Roll mit Tanz­per­for­mance, so­phis­ti­ca­ted in der Bal­la­de oder frech wie frisch aus der pi­cke­li­gen Girl­group „Di­xie Cups“: Als Sän­ge­rin zeig­te sich die Schau­spie­le­rin und Ka­ba­ret­tis­tin in je­dem Gen­re stil­si­cher und mit viel po­si­ti­ver Aus­strah­lung. Zu je­dem Song er­zähl­te sie ei­ne Geschichte. Da war der TV-Re­gis­seur, „kul­ti­viert auch im Bett und von sinn­li­cher Prä­senz“, der ihr in „Ein ro­man­ti­scher Mann“die Ster­ne zeig­te, be­vor sie sich auch mu­si­ka­lisch zu ih­rer Ho­mo­se­xua­li­tät be­kann­te. Mit se­xy Tim­bre in der Stim­me ka­men die „Kinks“„In the Sum­mer­ti­me la­zy on a sun­ny Atfter­noon“da­her, und bei „The Sun ain‘t gon­na shi­ne any mo­re“wur­de klar, dass so schön nur Män­ner sin­gen kön­nen, de­ren Band­na­me das Wort „Bro­thers“ent­hält, wie die „Wal­ker Bro­thers“.

Da­mit „es nicht zu nett“wur­de, wo die Kroy­mann doch für „in my Six­ties“nicht nur „mu­si­ka­li­sche Edel­stei­ne frei­ge­legt“, son­dern sich auch „durch Ge­röll ge­ar­bei­tet“hat, münz­te sie „Fi­re“von Bru­ce Springs­teen in die deut­sche Spra­che um und er­klär­te, war­um Frau­en bei Wit­zen über Ver­ge­wal­ti­gung schlecht weg ka­men, als es das Wort „frau­en­feind­lich“noch gar nicht gab. In den 1970ern be­schloss Kroy­mann, ih­re ei­ge­nen Wit­ze zu ma­chen. Ak­tu­el­le Er­kennt­nis: „Im Al­ter wird’s leichter“und „wurs­ti­ger“, was die an­de­ren über ei­nen sa­gen. Zum Bei­spiel wenn ei­ne 70-Jäh­ri­ge ne­ben ei­nem Gi­tar­ris­ten, der sein So­lo mit dem Plek­trum im Mund spielt, mit dem Mi­kro­fon­stän­der aus­flippt.

Das Wort „Be­gleit­band“, sag­te sie, ver­bie­te sich für Ralf Leh­mann an der Gi­tar­re, HD Lo­renz am Bass, Ralf Künd­gen am Schlag­zeug und Mat­thi­as Bin­ner am Flü­gel. Denn ers­tens spiel­ten und sän­gen sie „wie die Göt­ter“und zwei­tens ent­flö­hen sie lie­bend ger­ne den gro­ßen Mu­si­cal­pa­läs­ten der Welt, „um mit ei­ner klei­nen, schmut­zi­gen In­die-Band fremd­zu­ge­hen“.

Fo­to: Mar­tin Kalb

Maren Kroy­mann & Band lie­fer­ten in Lud­wigs­burg ei­ne ab­wechs­lungs­rei­che Show ab.

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