Ra­ben­schwar­ze Fa­mi­li­en­ko­mö­die

Schau­spiel Das „Thea­ter un­ter der Daus­eck“macht den „De­ckel drauf“, ge­nau­er ge­sagt den Sarg­de­ckel.

Bietigheimer Zeitung - - Und Umgebung Sachsenhei­m - Hei­ke Rom­mel

Wenn das Pro­jekt­thea­ter XXL als Pro­fi-Ab­tei­lung des Ober­ri­ex­in­ger „Thea­ters un­ter der Daus­eck“den „De­ckel drauf“macht, dann kann es sich in der gleich­na­mi­gen schwar­zen Fa­mi­li­en­ko­mö­die der Lud­wigs­bur­ge­rin Bar­ba­ra Schüß­ler nur um ei­nen Sarg­de­ckel han­deln. Am Sams­tag­abend fei­er­ten die Schau­spie­ler un­ter der Re­gie von Wal­ter Menz­law im La­ger des Sach­sen­hei­mer Mö­bel­hau­ses Schmid‘s Do­mi­no mit dem Stück ei­ne er­folg­rei­che Pre­mie­re.

„Er ist tat­säch­lich tot. Wahr­schein­lich ein In­farkt:“Erst hört das Pu­bli­kum noch Herz­tö­ne und dann den Trau­er­marsch, als die Hin­ter­blie­be­nen an­ge­sichts des Ver­bli­che­nen (Bernd Schle­gel) ein­hel­lig äu­ßen: „Froh ist gar kein Aus­druck.“Doch be­vor die Wit­we An­ne­lie­se (Bar­ba­ra Sche­y­da), der Sohn Mir­ko (Fa­bi­an Friedl), die Toch­ter Lea (De­bo­rah Hösch) und die an­ge­nom­me­ne Nich­te Ni­co­le (Me­li­na Schö­fer) den Sarg­de­ckel ei­gen­hän­dig drauf na­geln, ha­ben sie noch ei­ni­ges zu be­spre­chen mit dem so plötz­lich und un­ter du­bio­sen Um­stän­den ver­stor­be­nen Va­ter.

Gro­tes­ke Erb­strei­tig­kei­ten

Die Er­mitt­lun­gen der To­des­ura­che durch den Po­li­zis­ten Ru­di (Gün­ter Ha­nau­er) sind we­ni­ger wich­tig als die Ero­be­rung der er­ben­den Wit­we, die am En­de die gan­ze Sip­pe sit­zen lässt, um mit ih­rem neu­en Lo­ver auf Ha­waii zu flie­gen. Doch bis da­hin ist es ein lan­ger, har­ter und für die Zu­schau­er äu­ßerst span­nen­der Weg durch die Gro­tes­ke der Erb­strei­te­rei­en, die – so geht das Ge­rücht – schon so man­chen Erb­las­ser ins Gr­ab ge­bracht ha­ben.

Wäh­rend sich die Hin­ter­blie­be­nen fra­gen, war­um das Schul­amt kei­nen Kranz für sei­nen Mit­ar­bei­ter schickt, der mit ei­ner Re­fe­ren­da­rin ein un­ehe­li­ches und wo­mög­lich auch noch erb­be­rech­tig­tes Kind in die Welt ge­setzt hat, er­steht Va­ter Man­fred von den To­ten auf, in­dem er je­des Mal, wenn es brenz­lig wird, das wei­ße Lei­chen­tuch von sei­nem Ant­litz zieht und mit­ten in die Aus­ein­an­der­set­zung hin­ein sei­nen Senf da­zu gibt. Sei­ne Trau­er­re­de hat er vor ei­nem Mo­nat schon selbst ver­fasst. Ge­nau­so wie sein Tes­ta­ment, mit dem er ei­nen Rie­sen-Wir­bel ver­ur­sacht und Kom­men­ta­re wie „du Mist­kerl“auf sich zieht.

Bis aufs Blut

Wich­tig ist, was die Leu­te den­ken: Un­ter die­ser Prä­mis­se hält das „Rund­um sorg­los-Pa­ket“des Be­stat­tungs­in­sti­tuts mit ei­nem sen­sa­tio­nel­len Sarg­preis von 2777 Eu­ro in­klu­si­ve Mehr­wert­steu­er Ein­zug auf der Büh­ne. Und das, wo der Man­fred doch „so­wie­so ver­brannt“wird. Im bis aufs Blut ge­führ­ten Erb­streit setzt sich die „schwar­ze Wit­we“auch bloß durch, weil ihr Po­li­zist die Kin­der da­mit er­presst, ent­we­der sie wür­den de­ren Erb­vor­schlag an­neh­men, oder er wür­de ge­gen die „Mör­der­ban­de“vor Ge­richt aus­sa­gen, und ihm als Po­li­zis­ten wür­den man ja wohl glau­ben.

„Ich ha­be es im­mer ge­wusst, dass ihr mein Sarg­na­gel seid“ruft es aus dem Sarg-Mo­dell deut­sche Ei­che, als die Fa­mi­lie end­gül­tig den „De­ckel drauf“häm­mert. Wit­we An­ne­lie­se und Po­li­zist Ru­di se­hen kurz drauf gar nicht nach Bei­set­zung aus. Im Ha­waii-Hemd und mit Son­nen­bril­len wer­den sie wohl kaum in der Aus­seg­nungs­hal­le er­schei­nen.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Das Thea­ter un­ter der Daus­eck fei­er­te Pre­mie­re im Mö­bel­haus Schmid in Sach­sen­heim.

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