Der Kampf um das Er­be

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Ho­hen­zol­lern Nach­fah­ren des letz­ten Kai­sers for­dern die Rück­ga­be von Ver­mö­gens­wer­ten oder wol­len ent­schä­digt wer­den. Ein jah­re­lan­ger Rechts­streit wird zum Po­li­ti­kum. Von An­dré Bochow

Die Ho­hen­zol­lern wol­len vom Staat et­was zu­rück, und das sorgt für ge­hö­ri­ge Auf­re­gung. Für sein Haus zog Ge­org Fried­rich Prinz von Preu­ßen, der Ur-Ur-En­kel des letz­ten deut­schen Kai­sers in die Ent­schä­di­gungs­und Rück­ga­be­schlacht. Erst kürz­lich schei­ter­ten die Ho­hen­zol­lern vor Ge­richt mit dem Ver­such, nach fast 100 Jah­ren die Burg Rhein­fels zu­rück­zu­er­obern. Die Be­ru­fung läuft. Und seit 2014 wird mit dem Bund und den Län­dern Bran­den­burg und Berlin über Kul­tur­gü­ter al­ler Art ver­han­delt, über 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen so­wie über ein Wohn­recht für Ce­ci­li­en­hof

oder für ei­ne an­de­re fürst­li­che Im­mo­bi­lie. Mar­kus Hen­nig, An­walt des ak­tu­el­len Chefs im Ho­hen­zol­lern-Haus, er­klär­te im RBB-Fernsehen, man spre­che über die „Zu­ord­nung von Ver­mö­gens­fra­gen“und das Recht dar­auf stün­de je­dem Bür­ger zu. „Auch dem Prin­zen von Preu­ßen.“

Im Grun­de währt der Streit schon 25 Jah­re. Und die For­de­run­gen sind zu­min­dest ju­ris­tisch nicht aus der Luft ge­grif­fen. Grund­la­ge der De­bat­te ist ein Ver­trag aus dem Jahr 1926 zwi­schen dem Staat und dem ent­mach­te­ten Haus Preu­ßen. „Mit dem Ver­trag wur­de der Staat Ei­gen­tü­mer von 75 Schlös­sern mit Ne­ben­grund­stü­cken und Gär­ten“, heißt es auf der o ziel­len In­ter­net­sei­te der Ho­hen­zol­lern. „Dem Kö­nigs­haus ver­blie­ben 39 Ge­bäu­de und Grund­stü­cke.“Dann: „In den Wir­ren des Zwei­ten Welt­krie­ges konn­te nur ein Bruch­teil des im Ver­trag zu­ge­spro­che­nen Be­sit­zes ge­ret­tet wer­den.“Was Im­mo­bi­li­en an­geht, „be­fin­det sich nur noch die Burg Ho­hen­zol­lern im Pri­vat­be­sitz des Hau­ses“.

Im Sep­tem­ber 1994 aber trat das so­ge­nann­te „Aus­gleichs­leis­tungs­ge­setz“in Kraft. Da­bei geht es um Ent­eig­nun­gen, die un­ter das so­wje­ti­sche Be­sat­zungs­recht fie­len und „nicht mehr rück­gän­gig ge­macht wer­den kön­nen“, weil das ei­ne Be­din­gung Mos­kaus für die Zu­stim­mung zur deut­schen Ein­heit war. Be­weg­li­che Gü­ter wie Kunst­ge­gen­stän­de kön­nen zu­rück­ge­for­dert, für Im­mo­bi­li­en kann Ent­schä­di­gung ge­leis­tet wer­den. Doch der Aus­gleich hat ei­nen Ha­ken. Er gilt nicht, wenn der­je­ni­ge, von dem die An­trag­stel­ler ih­re Rech­te ab­lei­ten, dem NS-Re­gime oder dem kom­mu­nis­ti­schen Re­gime in Ost­deutsch­land „er­heb­li­chen Vor­schub“ge­leis­tet hat.

Mit dem The­ma be­schäf­ti­gen sich mitt­ler­wei­le vier Gut­ach­ten. Bis vor kur­zem wa­ren die Ar­bei­ten der His­to­ri­ker ge­heim. Doch nun hat sie der En­ter­tai­ner Jan Böh­mer­mann auf­ge­tan und ins Netz ge­stellt (www. ho­hen­zol­lern.lol). Zwei Gut­ach­ten ent­las­ten die Ho­hen­zol­lern und zwei ge­ben ih­nen ei­ne er­heb­li­che Mit­schuld am Auf­stieg Hit­lers. Vor al­lem das Ver­hal­ten des Kron­prin­zen

Wil­helm, der 1923 aus dem hol­län­di­schen Exil zu­rück­keh­ren durf­te, wird ins Vi­sier ge­nom­men. Un­be­strit­ten ist, dass Wil­helm 1932 ei­ne Wahl­emp­feh­lung für Hit­ler aus­ge­spro­chen hat­te, mit dem er sich 1933 beim „Tag von Pots­dam“zeig­te. Die­se und an­de­re Er­eig­nis­se sind den His­to­ri­kern Pe­ter Brandt und Ste­phan Ma­li­now­ski Be­leg ge­nug. Chris­to­pher Clark und Wolf­ram Py­ta se­hen das ganz an­ders. Clark meint, Wil­helm sei eher un­fä­hig zum ef­fek­ti­ven po­li­ti­schen Han­deln ge­we­sen und Py­ta be­haup­tet, der Kron­prinz woll­te Hit­ler so­gar ver­hin­dern. In der De­bat­te mel­den sich nun auch im­mer mehr Po­li­ti­ker zu Wort.

„Kei­nen Cent“sol­len sie nach An­sicht des SPD-Haus­halts­po­li­ti­kers Jo­han­nes Kahrs be­kom­men. Auf An­fra­ge der Bun­des­tags-Grü­nen er­klärt Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters (CDU), zwi­schen den Ver­hand­lungs­part­nern sei „Ver­trau­lich­keit ver­ein­bart wor­den“. Der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Lin­ken, Jan Kor­te, hält die Na­zi­ver­bin­dun­gen von „An­ge­hö­ri­gen die­ses Adels­ge­schlechts“für of­fen­sicht­lich. Un­ab­hän­gig da­von müs­se dar­über ge­re­det wer­den, „wo­her der Reich­tum ei­gent­lich kommt. Der ba­siert doch wohl auf der Aus­beu­tung der Be­völ­ke­rung, auf ko­lo­nia­lem Raub und mög­li­cher­wei­se auf Kriegs­ge­win­nen. War­um soll man den Nach­kom­men von ehe­ma­li­gen Raub­rit­tern, feu­da­len Aus­beu­tern und prot­zen­den Kriegs­trei­bern ir­gend­et­was zu­rück­ge­ben?“Ge­heim­ver­hand­lun­gen leh­nen die Lin­ken ab. „Es gibt nichts zu ver­han­deln. Sol­len doch die Ge­rich­te ent­schei­den.“Dem­nächst wer­den Kor­te und Ge­nos­sen ei­nen An­trag in den Bun­des­tag ein­brin­gen. Die Bun­des­re­gie­rung wird auf­ge­for­dert, „ge­setz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men zu er­grei­fen“, um in Zu­kunft „die Rea­li­sie­rung et­wai­ger For­de­run­gen ehe­ma­li­ger Adels­häu­ser zu un­ter­bin­den“. Soll­ten die Ge­rich­te „der Er­ben­ge­mein­schaft Ho­hen­zol­lern“doch et­was zu­spre­chen, müss­ten die ent­spre­chen­den Kul­tur­gü­ter „im Rah­men der Ent­eig­nung be­zie­hungs­wei­se der Ver­ge­sell­schaf­tung wie­der der Öf­fent­lich­keit zu­ge­führt“wer­den.

Fo­to: Si­las St­ein/dpa

Statt­li­cher Im­mo­bi­li­en­rest: Die Burg Ho­hen­zol­lern, ein Tou­ris­ten­ma­gnet.

Fo­to: © BArch, Bild 102-14437 / Ge­org Pahl / CC-BY-SA 3.0.

Hit­ler und der Deut­sche Kron­prinz 1933 beim „Tag von Pots­dam“am 21. März 1933.

Fo­to: Har­dy Kro­mer

Im Streit mit dem Staat: Ge­org Fried­rich Prinz von Preu­ßen.

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