We­ni­ger­mie­te.de recht­mä­ßig

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Chris­ti­an Rath Kom­men­tar

Grund­satz­ur­teil Bun­des­ge­richts­hof gibt grü­nes Licht für kom­mer­zi­el­le Ver­brau­cher­rechts-Por­ta­le.

Ver­brau­cher­por­ta­le wie we­ni­ger­mie­te.de sind recht­mä­ßig. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in ei­nem Grund­satz­ur­teil. So ge­nann­te Le­gal Tech-An­ge­bo­te im In­ter­net müs­sen nicht Rechts­an­wäl­ten über­las­sen blei­ben.

We­ni­ger­mie­te.de ist ein An­ge­bot der Lexf­ox Gm­bH (die frü­her „Mie­tright“hieß). Lexf­ox ist ein Ber­li­ner Star­t­up-Un­ter­neh­men mit der­zeit 30 Be­schäf­tig­ten. Bei we­ni­ger­mie­te.de kön­nen Mie­ter im In­ter­net un­ver­bind­lich prü­fen las­sen, ob sie ver­mut­lich ei­ne rechts­wid­rig ho­he Mie­te zah­len. Ein On­line-Re­chen­tool ver­gleicht die be­zahl­te Mie­te mit der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te.

Scheint die be­zahl­te Mie­te zu hoch, kann der Mie­ter Lexf­ox per But­ton-Klick ei­nen Auf­trag er­tei­len, bei dem er die An­sprü­che ge­gen den Ver­mie­ter an die Gm­bH ab­tritt. Die­se ver­langt dann vom Ver­mie­ter Aus­kunft über die Si­tua­ti­on und ge­ge­be­nen­falls die Rück­zah­lung über­höh­ter Mie­te. Wenn sich der Ver­mie­ter wei­gert, klagt ein be­auf­trag­ter An­walt den An­spruch vor Ge­richt ein.

Im Er­folgs­fall er­hält Lexf­ox vom Mie­ter ein Drit­tel der er­ziel­ten Jah­res­er­spar­nis als Pro­vi­si­on. Zu­sätz­lich rech­net Lexf­ox ge­gen­über dem Ver­mie­ter die ei­ge­ne Tä­tig­keit ab, wie wenn ein An­walt tä­tig ge­wor­den wä­re. Der Mie­ter über­nimmt al­so (an­ders als beim An­walt) kein fi­nan­zi­el­les Ri­si­ko, wenn er Lexf­ox be­auf­tragt.

Um­strit­te­nes Ge­schä smo­dell

Al­ler­dings war das Ge­schäfts­mo­dell von Lexf­ox bis jetzt hoch um­strit­ten. Zwei der vier Miet-Be­ru­fungs­kam­mern des Land­ge­richts Ber­lin hiel­ten das Vor­ge­hen für zu­läs­sig, zwei an­de­re Kam­mern für rechts­wid­rig. Auch die Ber­li­ner Rechts­an­walts­kam­mer hat­te ge­gen Lexf­ox ge­klagt.

Der BGH hat den Streit nun aber ge­klärt. Die In­kas­so-Li­zenz, mit der Lexf­ox bis­her sei­ne Di­enst­leis­tung an­bie­tet, deckt auch den Be­trieb der Sei­te we­ni­ger­mie­te.de, ent­schied das obers­te deut­sche Zi­vil­ge­richt. Dies sei zwar „kei­ne klas­si­sche In­kas­so-Tä­tig­keit“, wie die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Ka­rin Mil­ger sag­te, aber der BGH leg­te die ent­spre­chen­de Norm im Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz weit aus. Zwei Ar­gu­men­te nann­te Mil­ger hier­für. Zum ei­nen hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schon 2002 und 2004 ent­schie­den, dass In­kas­so-Fir­men Rechts­be­ra­tung an­bie­ten dür­fen. Zum an­de­ren woll­te der Bun­des­tag ein mo­der­nes und zu­kunfts­fes­tes Ge­setz schaf­fen, als er 2008 das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz be­schloss. Rechts­be­ra­tung soll­te nicht mehr so streng An­wäl­ten vor­be­hal­ten blei­ben.

Auf das Karls­ru­her Ur­teil ha­ben vie­le Le­gal Tech-Star­tups ge­war­tet. Bei der Ein­for­de­rung von Ent­schä­di­gun­gen für ver­spä­te­te und aus­ge­fal­le­ne Flü­ge gibt es heu­te schon meh­re­re An­ge­bo­te, wie Fligh­tright oder Airhelp. Auch Lexf­ox ist be­reits mit wei­te­ren An­ge­bo­ten wie we­ni­ger-in­ter­net­kos­ten.de und mehr­ab­fin­dung.de am Start.

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