Lug und Trug

Bietigheimer Zeitung - - Kino - Phi­lip Deth­lefs

Thril­ler In „The Good Li­ar – Das al­te Bö­se“spielt He­len Mir­ren ei­ne äl­te­re Da­me, die an ei­nen eis­kal­ten Hoch­stap­ler und herz­lo­sen Be­trü­ger ge­rät.

Beim On­line-Da­ting neh­men es man­che Men­schen nicht so ge­nau. Der be­tag­te Roy Court­nay (Ian McKel­len) und die ele­gan­te Wit­we Bet­ty McLeish (He­len Mir­ren) sind da kei­ne Aus­nah­me. Wäh­rend er ge­nüss­lich an sei­ner Zi­ga­ret­te zieht, setzt er in sei­nem Pro­fil das Häk­chen bei „Nicht­rau­cher“. Sie gibt vor, kei­nen Al­ko­hol zu trin­ken, und nippt da­bei an ih­rem Rot­wein. Beim ers­ten per­sön­li­chen Tre en in ei­nem ty­pisch-bri­ti­schen Pub ge­ste­hen sich die bei­den dann auch noch, dass sie im In­ter­net fal­sche Na­men an­ge­ge­ben ha­ben.

Trotz­dem scheint es zu fun­ken zwi­schen Roy und Bet­ty. Doch die char­man­te Sze­ne ist nur der Auf­takt der Täu­schun­gen in dem span­nen­den Thril­ler von US-Re­gis­seur Bill Con­don („Dream­girls“), der nicht oh­ne Grund „The Good Li­ar – Das al­te Bö­se“heißt. Denn Roy ist in Wirk­lich­keit ein eis­kal­ter Hoch­stap­ler, ein pro­fes­sio­nel­ler Lüg­ner und herz­lo­ser Be­trü­ger. Mit sei­nem Kum­pel Vin­cent (Ja­mes Car­ter aus „Down­ton Ab­bey“) er­leich­tert er re­gel­mä­ßig gut­gläu­bi­ge Men­schen um ih­re Er­spar­nis­se. Ih­re be­vor­zug­ten Op­fer sind al­lein­ste­hen­de, äl­te­re Frau­en.

Das Dreh­buch ba­siert auf dem vor drei Jah­ren er­schie­ne­nen Ro­man

„The Good Li­ar“von Ni­cho­las Se­ar­le. Es ist ei­ne kom­ple­xe Ge­schich­te von Lug und Be­trug, die mit ih­ren un­zäh­li­gen Wen­dun­gen und Ent­hül­lun­gen – zu­min­dest auf der Lein­wand – manch­mal et­was weit her­ge­holt wirkt.

Roy spricht ir­gend­wann von Lie­be. Und Bet­ty lässt den schein­bar sanft­mü­ti­gen Rent­ner bei sich in ih­rem fa­den Vo­r­ort-Häu­schen ein­zie­hen, wenn auch zu­nächst nur im Gäs­te­zim­mer. Bet­tys En­kel Ste­phen (Rus­sell To­vey) wird schnell miss­trau­isch und stellt Nach­for­schun­gen über Roys Ver­gan­gen­heit an. Aber sei­ne Groß­mut­ter

will sich nicht von ih­rem ver­meint­li­chen Glück ab­brin­gen las­sen. Auch Bet­ty hat o en­bar ih­re Ge­heim­nis­se. Wäh­rend ei­ner ge­mein­sa­men Rei­se nach Ber­lin hat sie für Roy ei­ne Über­ra­schung pa­rat. Und bald fragt man sich, wer hier ei­gent­lich wen an der Na­se her­um­führt.

„The Good Li­ar“be­ginnt als sym­pa­thi­scher Kri­mi-Spaß al­ter Schu­le und wird vom Ver­leih zu­min­dest im Trai­ler auch so be­wor­ben. Der ru­hig er­zähl­te Film ent­wi­ckelt sich al­ler­dings zu­neh­mend zu ei­nem Thril­ler mit ei­nem dra­ma­ti­schen Hin­ter­grund. Wie aus dem Nichts scho­ckiert

Con­don plötz­lich mit ei­ni­gen dras­ti­schen Ge­walt­sze­nen. An­fäng­li­ches Schmun­zeln über das auf den ers­ten Ein­druck sym­pa­thi­sche Se­nio­ren­paar weicht bald ei­nem gars­ti­gen, schau­rig-schö­nen Un­be­ha­gen. Der deut­sche Zu­satz­ti­tel „Das al­te Bö­se“passt aus­nahms­wei­se mal ganz gut.

Ein­zig das Fi­na­le des Films ent­täuscht ein we­nig. Die Auf­lö­sung ist we­nig über­zeu­gend, weil man­ches zu kon­stru­iert wirkt. Doch dar­über kann man hin­weg­se­hen, denn bis da­hin ist „The Good Li­ar – Das bö­se Al­te“dank vie­ler über­ra­schen­der Wen­dun­gen, mö­gen sie noch so über­trie­ben sein, ziem­lich span­nend. Die Ge­schich­te fes­selt, weil man als Zu­schau­er ein­fach mit­rät­seln muss.

Vor al­lem lebt der Film von sei­nen bes­tens auf­ge­leg­ten Stars. Os­car-Ge­win­ne­rin He­len Mir­ren („Die Queen“) und der 80-jäh­ri­ge Ian McKel­len („Der Herr der Rin­ge“) sind Ve­te­ra­nen der Roy­al Sha­ke­speare Com­pa­ny. Bei­de bli­cken auf ei­ne gro­ße Thea­ter­und Ki­no­kar­rie­re zu­rück, in der sie schon ge­mein­sam auf der Bühne stan­den. Und auch vor der Ka­me­ra ist das Duo Mir­ren/McKel­len ein­fach un­wi­der­steh­lich.

Ist Bet­ty (He­len Mir­ren) Op­fer oder Tä­te­rin?

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