Pflicht­dienst für al­le?

So­zia­les CDU ist sich un­eins über Vor­schlag ih­rer Vor­sit­zen­den.

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e - El­len Ha­sen­kamp

Ber­lin. In der CDU gibt es Vor­be­hal­te ge­gen ein von Par­tei­che­fin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ins Ge­spräch ge­brach­tes ver­pflich­ten­des Di­enst­jahr für jun­ge Frau­en und Män­ner. Nach ei­nem Werk­statt­ge­spräch in der CDU-Zen­tra­le in Ber­lin zu ei­ner all­ge­mei­nen Di­enst­pflicht sag­ten meh­re­re Teil­neh­mer, sie hät­ten in ih­rem Ar­beits­kreis of­fen ge­las­sen, ob sie ein sol­ches Di­enst­jahr ver­pflich­tend oder frei­wil­lig hal­ten woll­ten. Kramp-Kar­ren­bau­er ließ er­ken­nen, dass sie ei­nem Pflicht­jahr den Vor­zug ge­ben wür­de.

Ob es über­haupt kommt, ob es was taugt, und wie es ge­stal­tet sein soll, all die­se Fra­gen sind noch of­fen. Nicht ein­mal der Na­me ist klar: Di­enst­pflicht, Di­enst­jahr, Ge­sell­schafts­jahr, Chan­cen­jahr? Vor­schlä­ge gibt es vie­le beim Werk­statt­ge­spräch der CDU. Die Be­für­wor­ter ver­spre­chen sich ei­ne gan­ze Men­ge da­von: Per­sön­li­che Er­fah­run­gen, Ent­las­tung für So­zi­al­diens­te, ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt, In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten.

Die­se Ar­gu­men­te nennt auch CDU-Par­tei­che­fin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er. Sie hat­te die De­bat­te über ein Di­enst­jahr noch in ih­rer Zeit als Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin an­ge­sto­ßen. Das The­ma ist für sie al­so auch ei­ne Chan­ce zur Pro­fi­lie­rung.

Und so zeigt sie sich am En­de des Werk­statt-Ta­ges in der Par­tei­zen­tra­le hoch­zu­frie­den, auch wenn nichts be­schlos­sen wur­de. Zwei Aspek­te hebt sie her­vor: Es ge­he nicht um bil­li­ge Ar­beits­kräf­te. „Ein Di­enst­jahr zum Null­ta­rif kann es nicht ge­ben“, ver­si­chert sie und plä­diert au­ßer­dem für ei­ne „ver­pflich­ten­de Lö­sung“, weil „ge­wis­se Grup­pen“über Frei­wil­lig­keit nicht zu er­rei­chen sei­en. Un­ter­stüt­zung er­hält sie vom Chef der Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung der Uni­ons­par­tei­en, Frak­ti­ons­vi­ze Cars­ten Lin­ne­mann: „Ich bin für ein ver­pflich­ten­des Ge­sell­schafts­jahr“, sagt er dem „Spie­gel“, „weil prak­ti­sches En­ga­ge­ment und Nä­he zur Mit­te der Ge­sell­schaft der An­ony­mi­tät und der so­zia­len Käl­te ent­ge­gen­wir­ken“. Die Lin­ken hal­ten von ei­nem sol­chen An­satz al­ler­dings nicht viel. Di­enst am Ge­mein­we­sen müs­se auf Frei­wil­lig­keit be­ru­hen, er­klärt ihr Par­la­ments­ge­schäfts­füh­rer Jan Kor­te, „denn Zwangs­diens­te sind nach eu­ro­päi­schem Recht ver­bo­ten“. Die Re­gie­rung müs­se viel­mehr „da­für sor­gen, dass die be­ste­hen­den frei­wil­li­gen Di­ens­te aus­ge­baut und at­trak­ti­ver für jun­ge Men­schen wer­den“.

Auch in der Schwes­ter­par­tei CSU gibt es Skep­sis. „Ei­ne all­ge­mei­ne Di­enst­pflicht wä­re heu­te mi­li­tä­risch nicht mehr hilf­reich, viel zu teu­er und ver­schärft den Fach­kräf­te­man­gel auf dem Ar­beits­markt“, sagt Vi­ze-Ge­ne­ral­se­kre­tär Flo­ri­an Hahn.

Die De­bat­te dreht sich auch in der CDU zu ei­nem ge­wis­sen Teil um die ju­ris­ti­sche Fra­ge, ob ein sol­cher Pflicht­dienst mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar wä­re, das in Ar­ti­kel 12 Zwangs­ar­beit ver­bie­tet. Für ei­ne Än­de­rung wä­re ei­ne Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in Bun­des­tag und Bun­des­rat nö­tig, die der­zeit nicht ab­seh­bar ist. Un­ter an­de­rem we­gen die­ser schlech­ten Er­folgs­aus­sich­ten sind die CDU-Vi­zes Ar­min La­schet und Vol­ker Bou er auf Dis­tanz zu dem Vor­stoß ge­gan­gen. Das Ar­gu­ment will der frü­he­re CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Peter Tau­ber nicht gel­ten las­sen. Im­mer­hin wür­de die For­de­rung nach ei­nem Di­enst­jahr dann ein „Al­lein­stel­lungs­merk­mal“der Par­tei sein, sagt er.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kram­pKar­ren­bau­er (CDU) beim Werk­statt­ge­spräch über ei­ne all­ge­mei­ne Di­enst­pflicht.

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