„Die Bundesliga ist ein ein­ma­li­ges Er­leb­nis“

Hal­len­ho­ckey Die Frau­en des Bie­tig­hei­mer HTC star­ten in ih­re ers­te Sai­son in der Eli­te­klas­se. Was sie dort vor­ha­ben und war­um sie be­son­dern gern in Rot an­tre­ten, er­zählt Trai­ner Jür­gen Fi­li im In­ter­view. Von Andre­as Eber­le

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e -

Bie­tig­heim-Bis­sin­gen. Die Ho­ckey­Frau­en des Bie­tig­hei­mer HTC star­ten in ih­re ers­te Sai­son in der Eli­te­klas­se. Was sie dort vor­ha­ben, er­zählt Trai­ner Jür­gen Fi­li im In­ter­view.

So ei­ne Ge­schlos­sen­heit als Team ha­be ich noch nie er­lebt und ist wohl ein­zig­ar­tig.

Erst­mals ist ei­ne Ho­ckey­Mann­schaft des Bie­tig­hei­mer HTC in der Bundesliga ver­tre­ten: Die aus der 1. Re­gio­nal­li­ga auf­ge­stie­ge­nen Frau­en fei­ern am Sonn­tag (12 Uhr) in der Gym­na­si­um­hal­le ih­re Pre­mie­re im Ober­haus – mit ei­nem Heim­spiel ge­gen den TSV Mannheim. Im In­ter­view spricht Trai­ner Jür­gen Fi­li über die Mis­si­on Klas­sen­er­halt, sein Team und fa­mi­liä­re In­ter­es­sens­kon­flik­te. Ist der Bie­tig­hei­mer HTC ge­rüs­tet für das Aben­teu­er Bundesliga? Jür­gen Fi­li:

So­wohl die ers­te Da­men­mann­schaft als auch der gan­ze Ver­ein sind be­reit. Wir ha­ben viel Zeit in­ves­tiert, um die Sai­son so gut wie mög­lich hin­zu­be­kom­men. Sport­lich hat das Team ei­ne sehr in­ten­si­ve Vor­be­rei­tung hin­ter sich. Dar­über hin­aus ha­ben wir auch die struk­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen ge­scha en. Da­zu ge­hö­ren zum Bei­spiel Live­über­tra­gun­gen im In­ter­net. Knis­tert es im Team und im Klub vor dem ers­ten gro­ßen Auf­tritt in der höchs­ten deut­schen Spiel­klas­se?

Die Stim­mung in der Mann­schaft ist Bom­be. Je­des Mä­del fie­bert dem Sai­son­start ent­ge­gen und kann es kaum noch er­war­ten. Auch der Ver­ein steht voll hin­ter der Mis­si­on Bundesliga. Dort zu spie­len, ist ein ein­ma­li­ges Er­leb­nis. Aber die an­ste­hen­de Sai­son in Li­ga eins soll doch si­cher kein ein­ma­li­ges Er­leb­nis blei­ben, oder?

Das Ziel ist na­tür­lich ganz klar der Klas­sen­er­halt. Da­für ha­ben wir sehr viel in­ves­tiert – in den Trai­nings­ein­hei­ten und den Vor­be­rei­tungs­tur­nie­ren. Ich den­ke, wir sind ganz gut auf­ge­stellt, um in der Li­ga zu blei­ben.

Was macht Sie so zu­ver­sicht­lich?

Wir ha­ben ei­ne sehr ho­mo­ge­ne Mann­schaft, die im­mer als Team auf­tritt. Sie will je­des Spiel ge­win­nen und gibt auch bei ei­nem Rück­stand nie auf, son­dern kämpft sich im­mer wie­der zu­rück. So ei­ne Ge­schlos­sen­heit als Team ha­be ich noch nie er­lebt und ist wohl ein­zig­ar­tig. Spie­le­rin­nen wie Nee­le, Ja­na und Di­na Fi­li, Gre­ta Meiss­ner und Ines Wan­ner spie­len seit Kin­der­ta­gen zu­sam­men. Könn­te das das ent­schei­den­de Plus ge­gen­über der Kon­kur­renz sein?

Die meis­ten Mä­dels ken­nen sich schon, seit sie sechs, sie­ben Jah­re alt sind. Sie wis­sen dar­um auch ganz ge­nau um die Stär­ken und

Schwä­chen ih­rer Mit­spie­le­rin­nen. Das zeich­net das Team aus und ist si­cher­lich ein Vor­teil ge­gen­über Mann­schaf­ten, die vor ei­ner Sai­son im­mer vie­le Wech­sel durch Ab­gän­ge oder Zu­käu­fe ha­ben. Bei wel­chem Mann­schafts­teil ha­ben Sie die größ­ten Bauch­schmer­zen?

Ich se­he kei­ne wirk­li­che Schwä­che. Wenn je­de Spie­le­rin die Leis­tung ab­ruft, die sie brin­gen kann, sind wir auf je­den Fall kon­kur­renz­fä­hig – in der Ab­wehr, in der Mit­te und im Sturm. Ich bin über­zeugt da­von, dass die Mann­schaft in der Li­ga auf al­len Po­si­tio­nen mit­hal­ten kann. Wo müs­sen sich Ih­re Schütz­lin­ge dann noch stei­gern?

In der Chan­cen­ver­wer­tung. Im Tor­ab­schluss sind wir oft noch zu auf­ge­regt oder un­kon­zen­triert. Dar­an ar­bei­ten wir aber per­ma­nent. Auch da sind wir auf dem rich­ti­gen Weg. Sie ha­ben die BHTC-Frau­en ganz oh­ne Trai­ner­schein in die Bundesliga ge­führt. Wer­den Trai­ner­li­zen­zen über­be­wer­tet?

Nicht je­der, der ei­nen Trai­ner­schein hat, ist zwangs­läu­fig auch ein gu­ter Trai­ner. Da­zu ge­hört mehr als ein Stück Pa­pier. Ge­ra­de ei­ne Da­men­mann­schaft muss man zu hand­ha­ben wis­sen. Als Trai­ner brauchst du da das rich­ti­ge Ge­spür und Ver­ständ­nis für ge­wis­se Lau­nen, Stim­mungs­schwan­kun­gen und das ei­ne oder an­de­re Weh­weh­chen. Das darf man dann auch nicht über­be­wer­ten, son­dern dann lässt man eben mal Fün­fe ge­ra­de sein und denkt: „Okay, das ist eben heu­te so. Im nächs­ten Trai­ning läuft es wie­der an­ders.“Der Um­gang mit Spie­le­rin­nen ist schon spe­zi­el­ler als mit Spie­lern. Har­ter Hund oder Kum­pel – was für ein Trai­ner­typ sind Sie?

Ich bin eher ein et­was ru­hi­ge­rer Trai­ner, der die Din­ge di­plo­ma­tisch oder im Ge­spräch zu lö­sen ver­sucht. Da­mit bin ich den vie­len Jah­ren als Ju­gend­trai­ner ganz gut ge­fah­ren. Es ist nicht mein Stil, so­fort und an­dau­ernd Kom­man­dos aufs Feld zu brül­len, wie dies viel­leicht der ei­ne oder an­de­re mei­ner Kol­le­gen tut. Sie zie­hen bei der Mann­schaft ro­te Tri­kots und ro­te Rö­cke der wei­ßen Zweit­far­be vor. War­um? (lacht) Rot ist die Lieb­lings­far­be mei­ner Frau. Nein, das war ein Späß­le. Rot strahlt im­mer auch Ag­gres­si­vi­tät aus. Die Mä­dels spie­len aber in bei­den Far­ben gleich gern. Wie ist es, die ei­ge­nen Töch­ter und die Nich­te zu trai­nie­ren?

Als ich das Trai­ner­amt bei der Mann­schaft da­mals in­te­rims­wei­se über­nom­men ha­be, ha­be ich mir dar­über auch Ge­dan­ken ge­macht. Im Vor­feld ha­be ich mit den drei­en ge­spro­chen und klar kom­mu­ni­ziert, dass man Sport und Fa­mi­lie tren­nen muss. Wer das nicht kann, ist bei so ei­ner Kon­stel­la­ti­on fehl am Platz. Es ist al­so auch nicht so, dass man als Trai­ner Fa­mi­li­en­mit­glie­der kri­ti­scher sieht als Nicht-Ver­wand­te?

Das macht kei­nen Sinn und ha­be ich schon vor drei, vier Jah­ren ab­ge­legt. Je­de Spie­le­rin wird gleich be­han­delt. Ob je­mand pau­siert, nicht spielt oder aus­ge­wech­selt wird, hängt al­lein von sport­li­chen Kri­te­ri­en ab. Da geht es strikt nach dem Leis­tungs­prin­zip. Be­dau­ern Sie, dass Ho­ckey in der Sport­stadt Bie­tig­heim-Bis­sin­gen nicht so im Ram­pen­licht steht wie die pu­bli­kums­wirk­sa­me­ren Sport­ar­ten Eishockey, Hand­ball und Fuß­ball?

Ich fin­de es scha­de, dass das In­ter­es­se ge­ne­rell – auch der Me­di­en – am Ho­ckey nur ge­ring ist. Das ist ei­ne der schnells­ten Ball­sport­ar­ten über­haupt. Die At­mo­sphä­re bei un­se­ren Heim­spie­len in der Gym­na­si­um­hal­le ist sehr fa­mi­li­är, die Stim­mung dort ist ein­ma­lig. Ich kann je­dem Sport­Fan nur ra­ten, sich mal ein Spiel dort an­zu­schau­en.

Fo­to: Mar­tin Kalb

Der Bie­tig­hei­mer Auf­stiegs­trai­ner Jür­gen Fi­li zeigt sei­nen Spie­le­rin­nen The­re­sa Lin­den­ber­ger (links) und Gre­ta Meiss­ner an der Tak­tik­ta­fel Lauf­we­ge und Spiel­zü­ge. Am Sonn­tag wird es für die BHTC-Mann­scha ge­gen den TSV Mannheim erst­mals ernst.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.