Frau­en­rech­te und -bil­der auf der Büh­ne

Staats­thea­ter Po­li­ti­sches Stück dreht sich um Ab­trei­bung, Fe­mi­nis­mus und das Er­star­ken rech­ten Ge­dan­ken­guts.

Bietigheimer Zeitung - - Feuilleton - Chris­ti­ne Süß-De­muth

Karls­ru­he. Ei­ne von 1968ern ge­präg­te Frau­en­ärz­tin will in den Ru­he­stand und sucht ei­ne Nach­fol­ge­rin. Doch nie­mand in­ter­es­siert sich für ih­re ar­beits­in­ten­si­ve Pra­xis auf dem Land. Als ei­ne jun­ge Ärz­tin über­neh­men will, ent­zün­det sich zwi­schen den bei­den Fe­mi­nis­tin­nen aus zwei Ge­ne­ra­tio­nen ein Macht­kampf am The­ma Schwan­ger­schafts­ab­bruch.

Das po­li­ti­sche Thea­ter­stück „Frau­en­sa­che“des Au­to­ren­du­os Lutz Hübner und Sa­rah Nemitz greift die ak­tu­el­le De­bat­te über Ab­trei­bun­gen und das Wer­be­ver­bot da­für auf. Gleich­zei­tig geht es um neu-rech­te Frau­en­bil­der und die Fra­ge der Iden­ti­tät. Deutsch­lands meis­t­in­sze­nier­tes Au­to­ren­duo ver­fass­te das Auf­trags­werk für das Ba­di­sche Staats­thea­ter in Karls­ru­he. Dort fin­det an die­sem Sams­tag die Urauf­füh­rung statt.

Hübner wur­de mit Stü­cken wie „Eh­ren­sa­che“oder „Frau Mül­ler muss weg“, das von Sön­ke Wort­mann ver­filmt wur­de, be­kannt. Ge­mein­sam mit Nemitz ver­fass­te er et­wa Stü­cke wie „Richt­fest“und „Will­kom­men“so­wie das Li­bret­to zur Oper „Wahn­fried“. Erst­mals schrei­ben die Au­to­ren für ei­ne aus­schließ­lich weib­li­che Be­set­zung und zeich­nen mit den sechs Frau­en­fi­gu­ren ei­ne Analyse ge­gen­wär­ti­ger Stim­mun­gen in der Ge­sell­schaft.

Prä­sen­ter in der rech­ten Sze­ne

Frau­en wer­den ih­rer An­sicht nach in der rech­ten Sze­ne im­mer prä­sen­ter. Über The­men wie Mut­ter­schaft und Kin­der­er­zie­hung wür­den auch Men­schen er­reicht, die rechts­po­pu­lis­ti­schen Ideo­lo­gi­en skep­tisch ge­gen­über­ste­hen und rein aus Ge­wis­sens­grün­den ge­gen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che sind. „Man be­nutzt das The­ma als tro­ja­ni­sches Pferd, um Tü­ren zu öff­nen und Kon­tak­te her­zu­stel­len“, sa­gen die Dra­ma­ti­ker Nemitz und Hübner. In ih­rem Stück „Frau­en­sa­che“be­han­deln sie die un­ter­schied­li­chen Po­si­tio­nen glei­cher­ma­ßen scharf­zün­gig und ent­lar­ven ih­re Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­ter.

Das The­ma sei ge­mein­sam mit den Au­to­ren ent­wi­ckelt wor­den, sagt Dra­ma­tur­gin Son­ja Wal­ter. Es sei Teil der Frau­en­the­men in die­ser Spiel­zeit, in der das Staats­thea­ter – mit Aus­nah­me von In­ten­dant Pe­ter Sp­uh­ler – aus­schließ­lich von Frau­en ge­führt wird. Be­wusst hät­ten sich die Au­to­ren ent­schie­den, kei­ne Par­tei­en oder Po­li­ti­ker beim Na­men zu nen­nen.

Im Vor­feld hat­ten die Au­to­ren mit meh­re­ren Frau­en­ärz­ten ge­spro­chen, auch mit der Gie­ße­ner Ärz­tin Kris­ti­na Hä­nel, auf de­ren Fall sich das Stück be­zieht. Die­se war zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den, weil sie auf der In­ter­net­sei­te ih­rer Pra­xis über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che in­for­miert hat­te. Das Ur­teil lös­te ei­ne bun­des­wei­te De­bat­te aus.

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