Ei­ne Band oh­ne Ver­falls­da­tum

Kon­zert Über 150 Fans ka­men am Sams­tag­abend in die Bie­tig­hei­mer Kel­ter, um sich von der Band Ja­ne in die 1970er-Jah­re zu­rück­ver­set­zen zu las­sen. Von Jörg Pa­litzsch

Bietigheimer Zeitung - - Bietigheim-bissingen -

Kul­tur­amts­lei­ter Stefan Ben­ning hat­te im Vor­feld noch Be­den­ken, ob die 1979 in Han­no­ver ge­grün­de­te Rock­band Ja­ne im Land­kreis über­haupt so be­kannt ist, um ein Kon­zert auf die Bei­ne stel­len zu kön­nen. Am Sams­tag­abend wa­ren all sei­ne Be­den­ken ver­flo­gen, die Kel­ter füll­te sich sehr schnell, und Ben­ning ver­kün­de­te stolz: „Die Band ha­be ich in die Stadt ge­holt.“Auch die Ein­schät­zung von Ja­ne-Front­mann und Gi­tar­rist Klaus Walz ge­gen En­de des Kon­zerts war rich­tig, man sei zwar in der Stadt von Pur, „die ei­nen gu­ten Job ma­chen“, am Sams­tag sei aus Bie­tig­heim aber die „Stadt von Ja­ne“ge­wor­den.

Nun hat Ja­ne ei­ne wech­sel­vol­le Ge­schich­te mit vie­len Um­be­set­zun­gen und Neu­be­set­zun­gen hin­ter sich. Der stil­prä­gen­de Band­grün­der, Schlag­zeu­ger und Sän­ger Peter Pan­ka, starb 2007, ein wei­te­res Grün­dungs­mit­glied, Bas­sist, Sän­ger und Kom­po­nist Char­ly Mau­cher, im Au­gust 2019. So stand am Sams­tag „Peter Pan­ka‘s Ja­ne“auf der Büh­ne.

DNA der deut­schen Rock­mu­sik

Wo­bei es auch ei­ne For­ma­ti­on mit dem Na­men „Werner Na­dol­ny‘s Ja­ne“gibt, Key­boar­der Na­dol­ny zählt eben­falls zu den Ja­ne-Grün­dern, und es gibt „Mo­ther Ja­ne“von Gi­tar­rist Klaus Hess, auch ein Mu­si­ker, der Ja­ne mit­ge­grün­det hat. Die­se Ver­zwei­gun­gen der Band füh­ren im­mer wie­der zu Dis­kus­sio­nen, wel­che For­ma­ti­on jetzt die „ech­ten“Ja­ne sei­en.

Seit dem Tod von Peter Pan­ka lei­tet Gi­tar­rist Klaus Walz die Ge­schi­cke von „Peter Pan­ka‘s Ja­ne“. Der Dort­mun­der ist seit 1986 bei Ja­ne, die nicht nur we­gen ih­res Live-Al­bums „At Ho­me“, 500 000 mal ver­kauft, zu ei­ner der er­folg­reichs­ten deut­schen Bands der 1970er Jah­re, son­dern auch zur DNA der deut­schen Rock­mu­sik zäh­len.

Mit zwei Songs aus dem Live-Al­bum, „All My Fri­ends“und „La­dy“, stieg die Band dann auch in ih­re zwei­tei­li­ge Show ein. Die un­mit­tel­ba­re Nä­he zum Pu­bli­kum brach­te das Quar­tett sehr schnell auf ho­he Be­triebs­tem­pe­ra­tur. Klaus Walz ver­stand es ge­schickt, mit Rhyth­mus als auch So­lo­parts den Songs den ty­pi­schen Ja­neSound zu ver­pas­sen, der von sei­ner Fri­sche nichts ver­lo­ren hat.

Vie­le Ak­zen­te setz­te Cor­vin Bahn an den Key­boards wie auch Drum­mer Achim Po­ret, der et­wa bei „Fly Away“den Ge­sang über­nahm und die­sem Über­knal­ler ei­ne ganz ei­ge­ne Ja­ne-Fär­bung gab. Be­ein­dru­ckend auch Bahns Aus­flü­ge mit dem Syn­the­si­zer, der den Sound im Zu­sam­men­spiel mit Gi­tar­rist Walz im­mer wie­der in die Nä­he der Mu­sik von Pink Floyd rück­te. Et­wa in dem Stück „Win­dows“, das stre­cken­wei­se or­ches­tra­le Aus­ma­ße an­nahm.

Ge­schenk für die Fans

Ein be­son­de­res Ge­schenk für die Fans, dar­un­ter auch der ehe­ma­li­ge Sach­sen­hei­mer Bür­ger­meis­ter Horst Fied­ler, wa­ren das kom­plet­te Set der A-Sei­te des Al­bums „Fi­re, Wa­ter, Earth & Fi­re“an des­sen En­de „Wa­ter“(Keep On Rol­lin‘) für viel Be­geis­te­rung sorg­te.

Die Rol­le des ver­stor­be­nen Bas­sis­ten und Sän­gers Char­lie Mau­cher hat bei Ja­ne hoch­pro­fes­sio­nell Hol­ly Co­o­ly­ard, auf dem T-Shirt Marc Bo­lan von T.Rex, über­nom­men. Er spiel­te al­ler­dings kei­nen Psy­che­de­lic Folk wie einst Bo­lan, son­dern trieb mit sei­ner er­dig-po­chen­den Vier­sai­ti­gen die Rock-Mu­sik stän­dig vor­an.

Nach ei­ner Pau­se ging es mit „Out Of The Rain“wei­ter, über „Fly Away“und „Wait­ing For The Sunshi­ne“zum letz­ten Stück des Abends. In „Hang­man“zo­gen die Mu­si­ker noch­mals al­le Re­gis­ter und zeig­ten, wie man im­pro­vi­sie­ren kann, oh­ne das ei­ge­ne Mu­sik­ge­rüst zu ver­las­sen. Mit An­klän­gen an „All My Fri­ends“schloss sich un­ter auf­brau­sen­dem Ap­plaus und lau­ten Zu­ga­be-Ru­fen der Kreis.

Das Pu­bli­kum muss­te auf ei­ne Zu­ga­be dann auch nicht lange war­ten. Mit „He­re We Are“und „So So Long“bo­ten Ja­ne noch­mals zwei Stü­cke aus ih­rem um­fang­rei­chen Song­ka­ta­log, die ih­ren Sound im Lauf der Jah­re be­stän­dig ver­fei­nert ha­ben und im­mer noch wis­sen, wie man das Pu­bli­kum auf ei­ne span­nen­de mu­si­ka­li­sche Rei­se in die 1970er-Jah­re mit­nimmt. Ob­wohl als „Ab­schieds­tour“an­ge­kün­digt, hat die Band Ja­ne im Grun­de kein Ver­falls­da­tum. Ob es ein Wie­der­se­hen in der Stadt von Pur ge­ben wird, bleibt of­fen. Gi­tar­rist Klaus Walz hat auf of­fe­ner Büh­ne je­den­falls ver­spro­chen, beim nächs­ten Auf­tritt von Ja­ne die Songs der B-Sei­te des Al­bums „Fi­re, Wa­ter, Earth & Fi­re“zu spie­len. Das Bie­tig­hei­mer Pu­bli­kum wä­re in je­dem Fall da­bei.

Foto: Mar­tin Kalb

Die le­gen­dä­re Krau­trock­band „Ja­ne“spiel­te in der Kel­ter.

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