Ber­li­ner Rüf­fel für Stutt­gar­ter Wirt­schafts­res­sort

Ver­kehr Gleich drei Bun­des­mi­nis­te­ri­en warn­ten vor an­geb­lich palm­öl-freund­li­cher Bun­des­rats­in­itia­ti­ve.

Bietigheimer Zeitung - - Südwestums­chau - Ro­land Mu­schel

Mit Schlag­zei­len wie „Land kämpft für den syn­the­ti­schen Die­sel“mach­te Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut (CDU) im No­vem­ber auf ei­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve ih­res Hau­ses auf­merk­sam, die ei­ne Neu­re­ge­lung der Zu­las­sung al­ter­na­ti­ver Kraft­stof­fe an Tank­stel­len ein­for­der­te.

In den Rei­hen der Bun­des­re­gie­rung aber stieß der Vor­stoß auf Kri­tik, par­tei- und res­sort­über­grei­fend. In ei­nem ge­mein­sa­men Schrei­ben vom 21. No­vem­ber 2019, das der SÜD­WEST PRES­SE vor­liegt, warn­ten die Amts­chefs des CDU-ge­führ­ten Bun­des­wirt­schafts-, des CSU-ge­führ­ten Bun­des­ver­kehrs- und des

SPD-ge­führ­ten Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums vor ei­ner An­nah­me.

Kern der Stutt­gar­ter Initia­ti­ve war, dass so­ge­nann­te pa­ra ni­sche Kraft­stof­fe in Rein­form an Tank­stel­len ver­kauft wer­den dür­fen und nicht mehr nur als Bei­mi­schung er­laubt sein sol­len. Da­zu zäh­len nach Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung ne­ben syn­the­ti­schen Kraft­stof­fen aus Erd- oder Bio­gas auch palm­öl­ba­sier­te Kraft­stof­fe. Um­welt­schüt­zer kri­ti­sie­ren, dass für die Er­rich­tung von neu­en Palm­öl­plan­ta­gen in gro­ßem Um­fang tro­pi­sche Re­gen­wäl­der zer­stört wer­den. Für ei­ne palm­öl­freund­li­che Re­ge­lung hat sich da­ge­gen ein fin­ni­scher Kraft­stoff­kon­zern stark ein­ge­setzt.

Die Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung warn­ten in dem Schrei­ben, dass die Ver­wen­dung palm­öl­ba­sier­ter Kraft­stof­fe „nicht per se CO2- oder schad­stoff­är­mer“aus­fal­le als die her­kömm­li­cher Die­sel­kraft­stof­fe.

Ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ver­schie­de­ner pa­ra ni­scher Kraft­stof­fe wie­der­um sei recht­lich nicht mög­lich. Bei ei­nem Vo­tum für den Vor­stoß aus Stutt­gart dro­he über­dies ei­ne Ver­zö­ge­rung der Um­set­zung ei­ner EU-Richt­li­nie und da­mit ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Deutsch­land.

Kri­ti­ker arg­wöh­nen, das Stutt­gar­ter Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um könn­te der Palm­öl-Lob­by auf den Leim ge­gan­gen sein. Ei­ne Spre­che­rin weist dies klar zu­rück: Be­reits in der Be­grün­dung des An­trags ste­he, dass EU-Vor­ga­ben „zur Re­du­zie­rung des Ri­si­kos in­di­rek­ter Land­nut­zungs­än­de­run­gen“ein­ge­hal­ten wer­den soll­ten. Man ha­be so­mit be­reits im An­trag den Palm­öl-Aspekt an­ge­spro­chen „und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ser aus­ge­schlos­sen wer­den muss“.

Mit dem grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner ei­nig­te sich das Haus von Hoff­meis­ter-Kraut nach der Ber­li­ner Kri­tik auf ei­nen An­trag, der den Bund „um­ge­hend“auf­for­dert, Vor­aus­set­zun­gen für die sor­ten­rei­ne Ver­mark­tung syn­the­ti­scher Kraft­stof­fe aus re­ge­ne­ra­ti­ven Ener­gi­en zu schaf­fen, die palm­öl­ba­sier­te Kraft­stof­fe ex­pli­zit aus­schließt. Der Bun­des­rat aber be­schloss am Frei­tag ei­nen An­trag Nord­rhein-West­fa­lens. Da­nach soll Berlin in­ner­halb ei­nes Jah­res ei­ne Lö­sung fin­den, die si­cher­stellt, dass „in­di­rek­te Land­nut­zungs­än­de­run­gen“et­wa „durch die Aus­deh­nung der An­bau­flä­chen von Öl­pal­men ver­mie­den wer­den“.

Fo­to: Marijan Murat/dpa

Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­terKraut.

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