Ho­tel­le­rie will Bet­ten­steu­er ab­wen­den

Stutt­gar­ter Ver­band be­fürch­tet mehr Bü­ro­kra­tie und hö­he­re Kos­ten – Er sucht nun das Ge­spräch mit den Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Jo­sef Schun­der

Der Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­band will ver­su­chen, die Ge­mein­de­rats­mehr­heit um­zu­stim­men. Lei­der hät­ten die Frak­tio­nen vor ih­rem Be­schluss nicht das Ge­spräch ge­sucht, klagt er.

„Die Kol­le­gen sind auf­ge­wühlt, und das ist kein Wun­der.“

Mar­kus Hof­herr Ho­tel­ver­band

STUTT­GART.

Bet­ten­steu­er in Stutt­gart? Nicht mit uns, sagt der Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­band (De­ho­ga). Der hie­si­ge Kreis­ver­band will die Ein­füh­rung der Steu­er auf pri­va­te Ho­tel­über­nach­tun­gen ver­hin­dern. Des­halb sucht er nun das Ge­spräch mit den Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen. Und wenn die Stadt­rä­te am 9. De­zem­ber in die zwei­te Run­de der städ­ti­schen Haus­halts­be­ra­tun­gen star­ten, will man im Rat­haus auch noch sicht­bar Flag­ge zei­gen. „Die Kol­le­gen sind auf­ge­wühlt“, sagt der De­ho­ga-Kreis­vor­sit­zen­de Mar­kus Hof­herr, und das sei kein Wun­der. Das Vor­ha­ben mö­ge man­chem zwar als ein­fach er­schei­nen. Tat­säch­lich be­deu­te die­se Steu­er vor al­lem für die vie­len klei­nen und mitt­le­ren Be­her­ber­gungs­be­trie­be in Stutt­gart ho­hen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand, Per­so­nal­be­darf und Fol­ge­kos­ten für die An­pas­sung von elek­tro­ni­schen Ho­tel­ver­wal­tungs­pro­gram­men.

Der De­ho­ga hat sich in Frei­burg um­ge­hört, denn die dor­ti­ge Bet­ten­steu­er soll in Stutt­gart Pa­te ste­hen für ei­ne so­ge­nann­te Kul­tur­för­der­ab­ga­be. Er­geb­nis: Der Ho­tel­be­trieb, der ge­gen die Frei­bur­ger Re­ge­lung nach wie vor ge­richt­lich vor­geht, hal­te bei 25 000 Über­nach­tun­gen im Jahr zu­sätz­lich ei­ne 70-Pro­zent-Stel­le für nö­tig, um den er­höh­ten Auf­wand bei der Gäs­te­an­kunft zu be­wäl­ti­gen. Im End­ef­fekt er­gä­be sich in Stutt­gart ein per­so­nel­ler Mehr­auf­wand im Vo­lu­men von 2,1 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr, schätzt Hof­herr – bei net­to ge­ra­de mal 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro Ein­nah­men pro Jahr für die Stadt. Mit An­ru­fen und Auf­wand müss­ten, wenn man die Vor­schrif­ten ernst neh­me, frei­lich auch die Un­ter­neh­men rech­nen, die Ge­schäfts­rei­sen­de nach Stutt­gart schi­cken.

Dort müss­ten die Ho­tels im Zwei­fel auch um 18 Uhr noch Be­stä­ti­gun­gen ein­ho­len, dass ein ge­schäft­li­cher An­lass für die Über­nach­tung und da­mit ein Frei­stel­lungs­grund vor­liegt, sagt Ul­rich Bauknecht, Ge­schäfts­füh­rer im Ho­tel Azen­berg. Ge­bucht wer­de oft kurz­fris­tig über Re­ser­vie­rungs­sys­te­me, die den Ho­tels nicht im­mer E-Mail-Adres­sen der Gäs­te wei­ter­gä­ben. Die Gäs­te könn­ten da­her vor­ab oft nicht ge­be­ten wer­den, Be­schei­ni­gun­gen vom Ar­beit­ge­ber mit­zu­brin­gen. Die Ho­tel­be­trie­be sei­en aber haft­bar für die ord­nungs­ge­mä­ße Ab­wick­lung.

Pri­vat­rei­sen­den wie­der­um sol­len die Ho­tels ei­ne fünf­pro­zen­ti­ge Steu­er auf den Über­nach­tungs­preis (oh­ne Zu­satz­leis­tun­gen wie das Früh­stück) be­rech­nen. Auch dies ge­stal­te sich nicht ein­fach. Die Zim­mer­prei­se sei­en wech­sel­haft, wür­den oft ta­ges­ak­tu­ell qua­si durch Al­go­rith­men in Com­pu­ter­pro­gram­men ge­bil­det. Manch­mal sei­en die Über­nach­tun­gen Teil von Pau­schal­rei­se­prei­sen. Dann ge­be es Un­ter­schie­de zwi­schen dem, was das Ho­tel Kon­tin­gent­ab­neh­mern von Zim­mern be­rech­ne, und dem, was Pau­schal­rei­se­ver­an­stal­ter oder Zim­mer­re­ser­vie­rungs­sys­te­me dem Rei­sen­den ab­ver­lan­gen. Das Fa­zit lau­tet: Kon­trol­len und Kor­rek­tu­ren sei­en un­ver­meid­lich. Dem Re­ser­vie­rungs­sys­tem ge­gen­über kön­ne der Ho­tel­be­trieb Prei­se aber nur am An­rei­se­tag ver­än­dern, bei der Abrei­se nicht mehr. Man lau­fe Ge­fahr, dass die Re­ser­vie­rungs­sys­te­me vom Ho­tel am En­de noch ei­ne Kom­mis­si­ons­ge­bühr auf den Bet­ten­steu­er­an­teil kas­sie­ren. Aber auch die Ver­wal­tungs­pro­gram­me, die die Ho­tels selbst ein­set­zen, sei­en mo­men­tan mit Pro­zent­rech­nun­gen über­for­dert.

Na­tür­lich ge­be es Städ­te­tou­ris­ten, die in städ­ti­sche Kul­tur­ein­rich­tun­gen ge­hen, sagt Hof­herr. Stär­ker be­sucht sei­en aber die Wil­hel­ma und pri­va­te Ein­rich­tun­gen wie Au­to­mo­bil­mu­se­en und Mu­si­cal­thea­ter. Das Gast­ge­wer­be sei mit knapp 40 Pro­zent auch nur der zweit­wich­tigs­te Nutz­nie­ßer des Tou­ris­mus in Stutt­gart. Da­für, sagt Ho­tel­chef Bauknecht, tue die Bran­che aber schon viel. .

Dass Stutt­garts OB Fritz Kuhn (Grü­ne) und die Rats­mehr­heit nur die Ho­tel­bran­che ins Vi­sier neh­men, er­klärt sich Bauknecht so: „An uns kann man sich ein­fach hal­ten. Wir kön­nen un­se­ren Sitz und die Ar­beits­plät­ze nicht ins Aus­land ver­la­gern.“Auf Fe­ri­en­woh­nun­gen, die von Tou­ris­ten über Por­ta­le wie Airb­nb ge­bucht wür­den, ha­be die Stadt bis­her noch gar kei­nen Zu­griff, weil sie die Adres­sen nicht er­fah­re. Auch von da­her sei der Plan nicht ge­recht. Dass die Ho­tels seit 2010 mit ei­nem ge­rin­ge­ren Mehr­wert­steu­er­satz kal­ku­lie­ren kön­nen, kön­ne auch kein An­lass sein, nun ört­lich wie­der et­was ab­zu­schöp­fen. Die­se Ent­las­tung ha­be man für In­ves­ti­tio­nen ge­nützt, wo­von auch die Stadt Vor­tei­le ha­be.

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