SSB fah­ren be­schleu­nigt ins Mi­nus

Der Stutt­gar­ter Nah­ver­kehrs­be­trieb rech­net mit rund 60 statt bis­her 25 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Kon­stan­tin Schwarz

„Wir müs­sen auf­pas­sen, dass kei­ne Bug­wel­le ent­steht.“

STUTT­GART.

Die Stutt­gar­ter Stra­ßen­bah­nen AG (SSB) wird in den nächs­ten Jah­ren stark und dau­er­haft in die Sa­nie­rung von Stre­cken und Tech­nik und von 2023 an in bis zu 120 neue Stadt­bahn­fahr­zeu­ge in­ves­tie­ren – da­durch häuft sie ei­nen Schul­den­berg an.

Der Auf­sichts­rat des städ­ti­schen Nah­ver­kehrs­un­ter­neh­mens ha­be am Mon­tag den Wirt­schafts­plan für 2020 ge­bil­ligt, sag­te Vor­stands­chef Tho­mas Mo­ser bei der an­schlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz. „Wir sind sehr zu­frie­den“, so Mo­ser, der auch SSB-Tech­nik­vor­stand ist.

Die mit­tel­fris­ti­ge Pro­gno­se zur Un­ter­neh­mens­ent­wick­lung ha­be das Kon­troll­gre­mi­um zur Kennt­nis ge­nom­men, so Sa­bi­ne Gro­nerWe­ber, die als Vor­stän­din den Per­so­nal­be­reich ver­ant­wor­tet.

Die Grund­er­neue­rung des Net­zes und tech­ni­scher An­la­gen führt da­zu, dass die SSB ihr bis­he­ri­ges Jah­res­de­fi­zit von 25 Mil­lio­nen Eu­ro stark aus­wei­ten, und zwar 2020 auf 46,6 Mil­lio­nen Eu­ro. 2021 sol­len 59,9 im Fol­ge­jahr 59,5 und 2023 dann 60 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­lust ent­ste­hen. „Wir ge­hen da­von aus, dass wir auf die­sem Le­vel blei­ben wer­den“, sag­te der neu für die Fi­nan­zen ver­ant­wort­li­che Vor­stand Ma­rio Lau­be, der aus Hannover kommt und am Mon­tag sei­nen ers­ten Ar­beits­tag bei den SSB hat­te. Bis En­de 2023 wer­de die SSB AG rund ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Eu­ro in ihr Netz in­ves­tie­ren, aber auch ins­ge­samt 251 Mil­lio­nen Eu­ro neue Kre­di­te auf­ge­nom­men ha­ben, so Lau­be. Die Ver­schul­dung stei­ge da­mit auf rund 310 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die Zah­len sind vor­läu­fig und auch ab­hän­gig da­von, wel­che Zu­schüs­se vom Land und Son­der­zu­schüs­se der Stadt der Ver­kehrs­be­trieb ein­strei­chen kann. Neue Fahr­zeu­ge zum Bei­spiel wer­den zur­zeit laut Mo­ser mit 30 Pro­zent be­zu­schusst. „In Hannover gab es zu­letzt 50 Pro­zent“, so Lau­be.

Ins­ge­samt fah­ren bei der SSB bald 224 Stadt­bah­nen, 120 da­von sol­len von 2023 an er­setzt wer­den, der Stück­preis liegt ak­tu­ell bei rund vier Mil­lio­nen Eu­ro. Ihr Er­satz wür­de dem­nach 480 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Man wol­le aus­lo­ten, was ei­ne Sa­nie­rung die­ser Fahr­zeu­ge be­deu­ten wür­de, sag­te Mo­ser.

2018 war die SSB AG tief in die ro­ten Zah­len ge­rutscht. Aus ge­plan­ten 26 Mil­lio­nen wur­de ein De­fi­zit von 35 Mil­lio­nen Eu­ro. In die­sem Jahr wer­de man den pro­gnos­ti­zier­ten Ab­man­gel von 28 Mil­lio­nen Eu­ro bis zum Jah­res­en­de wohl ein­hal­ten kön­nen, so Lau­be. Die Ver­lus­te der SSB wur­den bis­her weit­ge­hend aus den Ren­di­ten von Geld­an­la­gen der städ­ti­schen Ver­sor­gungs- und Ver­kehrs­ge­sell­schaft (SVV) aus­ge­gli­chen. Sin­ken­de Zin­sen drü­cken hier al­ler­dings auf die Ren­di­te, so dass künf­tig vor­aus­sicht­lich ein Ka­pi­tal­ver­zehr ein­tre­ten wird. Ob ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung der SSB nach dem Jahr 2023 not­wen­dig wer­de, um ge­gen­über Ban­ken „Kenn­zif­fern zu stär­ken“, müs­se man ge­mein­sam er­ör­tern, sag­te Lau­be.

Mo­ser warn­te da­vor, nö­ti­ge Sa­nie­run­gen und In­ves­ti­tio­nen in den Fuhr­park zu ver­schie­ben. Die Fahr­zeu­ge sei­en im Schnitt 21 Jah­re alt. „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass kei­ne Bug­wel­le ent­steht, dass wir nicht mehr nach­kom­men mit der Er­neue­rung“, so Mo­ser. Da­für sei beim Auf­sichts­rat Ver­ständ­nis vor­han­den. Von 2021 an sol­len im Schnitt pro Jahr fünf der 137 Netz­ki­lo­me­ter auf den neu­es­ten Stand ge­bracht wer­den. Beim Per­so­nal rech­nen die SSB mit ei­nem wei­te­ren Auf­bau um 68 auf 3189 Mit­ar­bei­ter bis En­de 2020. „Wir ha­ben jetzt 80 of­fe­ne Stel­len“, so Sa­bi­ne Gro­ner-We­ber. Ver­kehrs­pla­ner, In­ge­nieu­re, IT-Fach­kräf­te sind ge­sucht, Fah­rer so­wie­so, in den letz­ten Mo­na­ten ha­be man für den Fahr­dienst aber ei­ne gan­ze Rei­he von Be­wer­bun­gen er­hal­ten, „mehr als zu Be­ginn des Jah­res“, so die Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che.

Tho­mas Mo­ser Vor­stands­chef SSB AG

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