Dem Se­nio­ren­rat droht das Aus

Wahl Mark­grö­nin­ger Ver­tre­ter der äl­te­ren Be­völ­ke­rung fin­den kei­ne eh­ren­amt­li­chen Nach­fol­ger.

Bietigheimer Zeitung - - Und Umgebung Sachsenhei­m - Michae­la Glem­ser

Hel­mut Lang ist ger­ne Mit­glied im Mark­grö­nin­ger Se­nio­ren­rat. „Es ist wich­tig, dass die Be­lan­ge der äl­te­ren Men­schen in der Öf­fent­lich­keit und auch bei der Stadt wahr­ge­nom­men wer­den. „Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le Kon­tak­te zu an­de­ren Grup­pie­run­gen und Or­ga­ni­sa­tio­nen für Se­nio­ren im Land­kreis Lud­wigs­burg und auch dar­über hin­aus zum Lan­des­se­nio­ren­rat in Ba­den-Würt­tem­berg ge­knüpft“, be­tont der Un­ter­ri­ex­in­ger, der bis­her Vor­sit­zen­der des Se­nio­ren­rats ist.

Um­so ent­täusch­ter ist Lang, dass sich bis­her kei­ne neu­en Kan­di­da­ten für die be­vor­ste­hen­de Neu­wahl des Se­nio­ren­rats fin­den las­sen. Er kann krank­heits­be­dingt nicht mehr an­tre­ten. „Mit mir hö­ren sie­ben wei­te­re Mit­glie­der auf. Vier wol­len ih­re Ar­beit im Se­nio­ren­rat fort­set­zen. Aber ge­mäß un­se­rer Sat­zung brau­chen wir zwölf Mit­glie­der und da­mit auch min­des­tens zwölf Kan­di­da­ten“, er­läu­tert Lang. In ei­nem ers­ten Wahl­auf­ruf bis En­de Ok­to­ber 2019 fan­den sich kei­ne Wei­te­ren. Die Stadt hat da­her be­schlos­sen, bis zum 9. De­zem­ber er­neut die Mög­lich­keit zu er­öff­nen, Wahl­vor­schlä­ge ein­zu­rei­chen.

„Wir sind dar­über nicht so glück­lich, dass gleich nach dem er­folg­lo­sen ers­ten Wahl­auf­ruf ein zwei­ter hin­ter­her­ge­schickt wur­de. Bes­ser wä­re es ge­we­sen, ge­mein­sam mit der Stadt zu­nächst zu über­le­gen, wie der Se­nio­ren­rat künf­tig agie­ren will“, macht

Lang deut­lich. So kann er sich even­tu­ell vor­stel­len, dass ähn­lich wie bei der Ju­gend künf­tig nur noch ein Se­nio­ren­bei­rat in Mark­grö­nin­gen ak­tiv ist. Auch der Ju­gend­ge­mein­de­rat wur­de 2016 in ei­nen Ju­gend­bei­rat um­ge­wan­delt, weil sich zu we­nig Kan­di­da­ten fan­den.

„Auch der Se­nio­ren­rat, wenn er in die­ser Form wei­ter be­ste­hen soll, muss ir­gend­wie un­ter dem Dach der Stadt­ver­wal­tung ver­an­kert sein. Denk­bar wä­re ein Bü­ro für Se­nio­ren­an­ge­le­gen­hei­ten, dem der Se­nio­ren­rat an­ge­schlos­sen ist“, be­tont der schei­den­de Vor­sit­zen­de des Se­nio­ren­rats. „Die Be­ra­tung durch uns Se­nio­ren­ver­tre­ter bei wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen der Stadt bei­spiels­wei­se zur Bar­rie­re­frei­heit ist doch von gro­ßer Be­deu­tung.“

Al­les um­sonst

Lang be­fürch­tet, dass der zwei­te Wahl­auf­ruf auch nicht er­folg­rei­cher sein wird und der Fort­be­stand des Se­nio­ren­rats in Mark­grö­nin­gen akut ge­fähr­det ist. „Ich ha­be Angst, dass al­le un­se­re Ar­beit seit 2016 um­sonst war und al­les im San­de ver­läuft. Es gibt noch so vie­le The­men, die für die Se­nio­ren der Stadt be­ar­bei­tet wer­den müss­ten.“

So ha­ben die Mit­glie­der des Se­nio­ren­bei­rats un­ter an­de­rem den Mit­tags­tisch in Un­ter­ri­ex­in­gen ins Le­ben ge­ru­fen, bei dem re­gel­mä­ßig bis zu 80 äl­te­re Men­schen im Mark­grö­nin­ger Stadt­teil ver­kös­tigt wer­den. Ne­ben ver­schie­de­nen Maß­nah­men im Stra­ßen­und Ver­kehrs­be­reich ha­ben die Se­nio­ren­rä­te sich für ei­nen Ruf­bus ein­ge­setzt und ei­ne Not­fall­kar­te ge­schaf­fen. „Vor al­lem aber ha­ben wir ein brei­tes Netz­werk für un­se­re Ar­beit für die Se­nio­ren auf­ge­baut und re­gel­mä­ßig Vor­trä­ge or­ga­ni­siert“, so Lang. Aber auch da ha­be sich ge­zeigt, dass das In­ter­es­se der äl­te­ren Men­schen in Mark­grö­nin­gen bis­wei­len sehr ge­ring ist: „Es gibt mehr als 3000 Men­schen über 60 in der Stadt, aber nicht ein­mal zwölf da­von wol­len sich für ih­re Al­ters­ge­nos­sen en­ga­gie­ren“, sagt er ent­täuscht.

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