Stu­die: Ri­si­ko an Bör­se wird über­schätzt

Ak­ti­en Es gibt vie­le Grün­de, An­teils­schei­ne zu kau­fen. Doch war­um ma­chen es die Deut­schen so sel­ten?

Bietigheimer Zeitung - - Wirtschaft - Rolf Obert­reis

„Die Leu­te wis­sen nicht, wie we­nig sie wis­sen müs­sen.“Micha­el Gro­te, Pro­fes­sor an der pri­va­ten Frankfurt School for Fi­nan­ce and Ma­nage­ment, spricht von ei­ner „ei­gent­lich pa­ra­do­xen“La­ge. Die Deut­schen, sagt er, hät­ten ein fal­sches Bild von der Geld­an­la­ge in Ak­ti­en und hiel­ten sich – ab­ge­se­hen ih­rer gro­ßen Ri­si­ko­scheu – des­halb mit dem Kauf der Pa­pie­re zu­rück. Das ist ein zen­tra­les Er­geb­nis der Stu­die „Zum Rät­sel der Ak­ti­en­markt­teil­nah­me in Deutsch­land“, die Frankfurt School, Goe­the-Uni­ver­si­tät und die Deut­sche Bör­se am Mon­tag vor­ge­stellt ha­ben.

Wie die­sem Ver­hal­ten be­geg­net wer­den, wie Bür­ger bes­ser in­for­miert und über die Vor­zü­ge der Ak­ti­en­an­la­ge auf­ge­klärt wer­den kön­nen, ist Gro­te aber auch nicht klar. Kon­kre­te Emp­feh­lun­gen et­wa an Ban­ken und die Po­li­tik gibt er je­den­falls nicht.

2018 hat­ten nur 16,8 Pro­zent und da­mit 10,3 Mio. Deut­sche ei­nen Teil ih­res Gel­des in Ak­ti­en oder Ak­ti­en­fonds an­ge­legt. Im Ver­gleich zu 2011 hat sich we­nig ver­än­dert, trotz des Nied­rig­zins­um­fel­des und der wach­sen­den An­for­de­rung zur pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge. Zum Ver­gleich: In den USA liegt die Quo­te bei 54 Pro­zent.

Als wich­tigs­ten Grund ge­gen ein In­vest­ment nen­nen zwei Drit­tel der Nicht-Ak­ti­en­be­sit­zer die Angst vor ho­hen Ver­lus­ten und Bör­sen­crash. Eben­so vie­le glau­ben, dass ih­nen das not­wen­di­ge Geld fehlt. Als be­son­ders re­le­vant für die Ab­leh­nung sind nach An­sicht von Gro­te aber die Angst vor der fal­schen Ak­ti­en­aus­wahl.

„Vie­le glau­ben auch, dass sie die Bi­lan­zen der Un­ter­neh­men genau le­sen und ver­ste­hen müss­ten“, Chris­ti­ne Lau­den­bach von der Goe­the-Uni­ver­si­tät. Da­bei ist dies nach An­sicht der Wis­sen­schaft­ler gar nicht nö­tig. Schließ­lich ge­he es um ei­ne auf ver­schie­de­ne Ak­ti­en oder in Fonds ge­streu­te, lang­fris­ti­ge Geld­an­la­ge und nicht um täg­li­ches Han­deln.

Frei­lich man­gelt es der Stu­die zu­fol­ge durch­aus an grund­sätz­li­chem Wis­sen. So ist 45 Pro­zent der Nicht-Ak­tio­nä­ren der Un­ter­schied zwi­schen dem Kauf ei­ner ein­zel­nen Ak­tie und dem Kauf ei­nes Ak­ti­en­fonds nicht be­wusst. 41 Pro­zent wis­sen nicht, dass in ei­nem Ak­ti­en­fonds das an­ge­leg­te Geld auf vie­le Ak­ti­en ver­teilt und da­mit das Ri­si­ko ge­streut wird. Auch die über die Jah­re schrump­fen­de Wahr­schein­lich­keit von Ver­lus­ten ist ih­nen nicht klar.

Fo­to: School of Fi­nan­ce & Ma­nage­ment

Pro­fes­sor Micha­el Gro­te.

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