Mit Bo­dy­cam ge­gen häus­li­che Ge­walt

Bietigheimer Zeitung - - Südwestums­chau -

In­ne­res Po­li­zei­ge­setz, Ab­schie­bun­gen, Dul­dun­gen: Grün-Schwarz ver­han­delt hin­ter den Ku­lis­sen über ein gro­ßes Pa­ket zur Si­cher­heits- und Mi­gra­ti­ons­po­li­tik. Von Ro­land Mu­schel

Wäh­rend sich das In­ter­es­se der Lan­des­po­li­tik in die­sen Ta­gen auf den von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) vor ei­nem Jahr ver­spro­che­nen Auf­schlag ge­gen so ge­nann­te Tu-Nicht-Gu­te kon­zen­triert, be­rei­ten Spit­zen­po­li­ti­ker der Ko­ali­ti­on nach Re­cher­chen die­ser Zei­tung be­reits ein wei­te­res Maß­nah­men­pa­ket vor: Es soll die zwei­te Re­form des Lan­des­po­li­zei­ge­set­zes in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode, aber auch ei­ne Re­ge­lung zu Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan und zum Um­gang mit ge­dul­de­ten Flücht­lin­gen in Ar­beit um­fas­sen. Da­zu ha­ben in klei­ner Run­de be­reits meh­re­re Ge­sprä­che im Staats­mi­nis­te­ri­um statt­ge­fun­den.

Ziel der grün-schwar­zen Un­ter­händ­ler ist es, dass die Ko­ali­ti­on der Öf­fent­lich­keit noch vor Weih­nach­ten ein Ge­samt­pa­ket prä­sen­tie­ren kann. Zu­nächst müs­sen al­ler­dings die Frak­tio­nen und Par­tei­en in ih­rer Ge­samt­heit in die Plä­ne ein­ge­weiht wer­den. Kom­men­de Wo­che könn­te ein Ko­ali­ti­ons­aus­schuss die noch strit­ti­gen Punk­te klä­ren. In der letz­ten Sit­zung des Ka­bi­netts vor der Win­ter­pau­se am 17. De­zem­ber soll, so die in­ter­ne Pla­nung, das Pa­ket von der Re­gie­rung ver­ab­schie­det wer­den. Und dar­um geht es:

Aus­gangs­punkt: In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) dringt mit Ver­weis auf Ter­ro­ris­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus auf ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung des Lan­des­po­li­zei­ge­set­zes. Al­ler­dings gibt es da­zu kei­ne Ver­ein­ba­run­gen im Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Um die Grü­nen zu Zu­ge­ständ­nis­sen zu be­we­gen, muss die CDU dem Ko­ali­ti­ons­part­ner da­her bei der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik ent­ge­gen­kom­men. So kommt es zu dem gro­ßen Pa­ket.

Po­li­zei­ge­setz: Die CDU will der Po­li­zei den Ein­satz von Schul­ter­ka­me­ras („Bo­dy­cams“) künf­tig in be­stimm­ten Fäl­len auch in Woh­nun­gen und Ge­schäfts­räu­men er­mög­li­chen – et­wa in Fäl­len von häus­li­cher Ge­walt. Mit ein­ge­schal­te­ter Bo­dy­cam, so die Idee, könn­ten die Be­am­ten mög­li­che Miss­hand­lun­gen be­weis­si­cher do­ku­men­tie­ren. Die Grü­nen sind im Grund­satz be­reit, die­sen Punkt mit­zu­tra­gen.

Strobl will zum Schutz der öf­fent­li­chen Si­cher­heit Durch­su­chun­gen bei Groß­ver­an­stal­tun­gen er­mög­li­chen, um et­wa auf Weih­nachts­märk­ten oder vor ei­nem Fuß­ball­spiel ge­fähr­li­che Ge­gen­stän­de aus dem Ver­kehr zie­hen zu kön­nen. Die Grü­nen for­dern ei­ne Re­ge­lung, um das Er­mes­sen der Po­li­zei für die­se Kon­trol­len so ein­zu­schrän­ken, dass sie nicht an­lass­los er­fol­gen kön­nen. Ei­ne Ei­ni­gung gilt als of­fen.

Die CDU will zu­dem er­rei­chen, dass Ge­fähr­der auf­grund ei­ner rich­ter­li­chen Ent­schei­dung in Ein­zel­fäl­len zur Ab­wehr ei­ner kon­kre­ten Ge­fahr für ma­xi­mal drei Mo­na­te prä­ven­tiv in Ge­wahr­sam ge­nom­men wer­den kön­nen. Die Grü­nen wol­len sich, nach­dem kurz­zei­tig ein Kom­pro­miss mög­lich schien, auf ei­nen Ge­fähr­der­ge­wahr­sam nicht ein­las­sen.

Klar leh­nen die Grü­nen CDU-For­de­run­gen ab nach ei­ner prä­ven­ti­ven On­line-Durch­su­chung, et­wa bei Ge­fähr­dern; nach ei­ner prä­ven­ti­ven DNA-Un­ter­su­chung un­ter Rich­ter­vor­be­halt, et­wa zur Iden­ti­fi­zie­rung des Ver­fas­sers ei­nes Schrei­bens, das ei­ne Amok­tat an­kün­digt; so­wie nach an­lass­lo­sen po­li­zei­li­chen

Kon­troll­maß­nah­men in den Grenz­ge­bie­ten zu Frank­reich, Schweiz und Ös­ter­reich in ei­nem 30-Ki­lo­me­ter-Ge­biet („Schlei­er­fahn­dung“) zur Be­kämp­fung il­le­ga­ler Ein­wan­de­rung, aber auch von Dieb­stahl­ban­den.

Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan: Ba­den-Würt­tem­berg be­schränkt sich der­zeit auf Ab­schie­bun­gen von Ge­fähr­dern, Straf­tä­tern

und Men­schen, die die Mit­wir­kung bei der Fest­stel­lung der Iden­ti­tät ver­wei­gern. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) will bei der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in die­ser Wo­che die Län­der da­zu brin­gen, mehr Men­schen nach Af­gha­nis­tan ab­zu­schie­ben. Strobl hat den Grü­nen aber in Aus­sicht ge­stellt, bei den Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan wei­ter zu ver­fah­ren wie der­zeit.

Ge­dul­de­te Flücht­lin­ge in Ar­beit: Auf Wunsch der Grü­nen will das Land ei­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve star­ten, die die Blei­be­per­spek­ti­ve ge­dul­de­ter Flücht­lin­ge in Ar­beit oder Aus­bil­dung ver­bes­sert. Gleich­zei­tig, so ei­ne Über­le­gung, könn­te der In­nen­mi­nis­ter dar­auf hin­wir­ken, dass bei den Ab­schie­bun­gen an­ders prio­ri­siert wird, sprich: die Fäl­le von Ge­dul­de­ten in Ar­beit nach­ran­gig be­ar­bei­ten wer­den.

Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) im April 2017 zwi­schen zwei mit Bo­dy­cams aus­ge­rüs­te­ten Po­li­zis­ten.

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